Formel 1

Formel 1: Renault disqualifiziert, Bremssystem illegal

Die FIA-Stewards stufen Renaults Bremssystem als teilweise illegal ein. Nico Hülkenberg und Daniel Ricciardo werden in Japan disqualifiziert.
von Christian Menath

Motorsport-Magazin.com - Paukenschlag vor dem Mexiko GP der Formel 1: Wie die FIA mitteilte, stufen die Stewards des Japan GP das Bremssystem von Renault als teilweise illegal ein. Die beiden Fahrer Nico Hülkenberg und Daniel Ricciardo werden vom Ergebnis des Japan GP 2019 ausgeschlossen, verlieren somit ihre dort gesammelten Punkte.

Racing Point hatte Renault nach dem Japan GP vorgeworfen, ein Bremssystem zu verwenden, bei dem die Balance automatisch verstellt wird. Abhängig von der jeweiligen Position auf der Strecke soll das System die Bremsbalance automatisch angepasst haben.

In der sehr ausführlichen Begründung zur Disqualifikation gehen die Stewards detailliert auf die Vorwürfe ein. Racing Point warf Renault den Bruch gleich mehrerer Artikel des Technischen Reglements vor.

Renaults Bremssystem in Einklang mit dem Technischen Reglement

Die Artikel 11.1.3, 11.1.4 und 8.6.3 beschäftigen sich jeweils genauer mit Verboten rund um die Bremseinstellung. Laut Racing Point soll Renault alle drei gebrochen haben. Tatsächlich aber befanden die Stewards das Renault-System für konform mit den Technischen Regularien.

Den Renault-Ingenieuren gelang offenbar ein Kniff, der vom Technischen Reglement nicht verboten ist - und trotzdem wurden Hülkenberg und Ricciardo disqualifiziert. Denn tatsächlich gab es ein System, dass die Fahrer offenbar beim Verstellen der Bremsbalance unterstützte.

Auf Details zu diesem System gehen die Stewards in ihrer Begründung nicht ein. Dabei würden technische Geheimnisse des Rennstalls offengelegt. Warum aber nahmen die Stewards die beiden Boliden dann aus der Wertung?

Auch wenn das Renault-System nicht gegen das Technische Reglement verstößt, in den Augen der Stewards verstößt es gegen das Sportliche Reglement, nämlich gegen Artikel 27.1. Dort heißt es, der Pilot muss das Auto "alleine und ohne Hilfe" fahren. Und als solche Fahrhilfe sehen die FIA-Offiziellen das System an.

Renault hatte bereits direkt nach dem Japan GP Protest eingelegt. Die FIA ließ daraufhin Renaults Lenkräder und die in den Boliden verbaute Einheitselektronik beschlagnahmen. In den Tagen nach dem GP fertigten Technik-Experten auch mithilfe der aufgezeichneten Daten einen Bericht für die Stewards an.

Am Mittwoch, den 23. Oktober gab es eine weitere Anhörung, die aus organisatorischen Gründen telefonisch abgehalten wurde. Neben den Vertretern von Renault und Racing Point und den Japan-Stewards unter der Leitung von Dr. Gerd Ennser wohnten auch noch Technik-Experten der FIA der Anhörung bei.

Woher wusste Racing Point vom Renault-System?

Ein interessantes Detail: Racing Point gab an, auf Onboard-Videos gesehen zu haben, dass sich die Bremsbalance auf den Bildschirmen veränderte, obwohl die Fahrer keine Knöpfe betätigten. Außerdem führte der Rennstall noch einen weiteren unterstützenden Beweis an, auf den in den öffentlichen Dokumenten nicht näher eingegangen wird.

Es wurde bereits vermutet, dass ein Überläufer Renault ans Messer geliefert hat. Renault geht in der Verteidigung ohne große Umschweife darauf ein. "Die Spekulationen von Racing Point beruhen auf Anschuldigungen eines früheren Renault-Mitarbeiters, der nicht alle relevanten Details von Renaults Bremskontrollsystems kennt", heißt es von den Franzosen.

Renault verliert aufgrund der Disqualifikation neun Punkte in der Konstrukteursweltmeisterschaft. Daniel Ricciardo wurde beim Japan GP Sechster, Nico Hülkenberg Zehnter. Renault bleibt damit zwar auf WM-Platz fünf, hat allerdings nur noch 6 Punkte Vorsprung auf Toro Rosso und zehn Zähler auf Racing Point.

Aufgrund der Besonderheiten des Protests und der Anhörung haben die Stewards die Einspruchsfrist für Renault verlängert. Renault bleibt noch bis Donnerstag, den 24. Oktober 2019 um 10:00 Uhr Ortszeit Mexiko, um einen Einspruch anzukündigen.


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