Formel 1

Formel 1, Wirrwarr um neue Teams: Was steckt dahinter?

2021 wollen neue Teams in die Formel 1. Mit Panthera und MIM haben sich schon zwei Kandidaten zu Wort gemeldet. Die F1 blockt ab. Was steckt dahinter?
von Christian Menath

Am Donnerstag sorgte eine Pressemitteilung in der Formel 1 für Aufsehen. Nicht weniger als 'Bereitmachen für einen neuen Formel-1-Teilnehmer' wurde schon in der Überschrift versprochen. In den nächsten Zeilen wurde nicht weniger dick aufgetragen.

Die Mitteilung, die von einem ehemaligen Ferrari-Pressesprecher distribuiert wurde, kam im Namen der MIM Group. Dahinter verbirgt sich Monaco Increase Management, das angeblich finanziell hinter den Ideengebern und Initiatoren Salvatore Gandolfo und Adrian Campos stehen soll.

Gandolfo ist Geschäftspartner von Campos, der im Motorsport wahrlich kein Unbekannter ist. Der Spanier startete bei 17 Grands Prix und gründete später Campos Racing. Heute ist der Rennstall in der Formel 2 und der Formel 3 am Start.

Campos' Formel-1-Projekt endet mit HRT

Campos wollte schon 2010 mit einem Team in die Formel 1 einsteigen, hatte sogar schon einen Startplatz. Allerdings geriet das Projekt in finanzielle Schieflage und wurde schließlich von HRT übernommen.

Nun will Campos erneut ein spanisches Team an den Start bringen. Beim Spanien GP am 11. Mai habe es bereits das erste Treffen mit Formel-1-Boss Chase Carey gegeben, heißt es in der Presseaussendung. Anschließend traf man sich mit Ross Brawn zweimal am Formel-1-Sitz in London.

Noch am Donnerstag kam seitens der Formel 1 eine Antwort auf die forsche Pressemitteilung. "Während die Formel 1 das Interesse schätzt, können wir bestätigen, dass es keine ernsten Diskussionen mit irgendeiner Person oder irgendeinem Unternehmen über die Zulassung eines neuen Teams gibt", heißt es in einem Statement der Formel 1.

Pascal Wehrlein: Fahrer für neues Formel-1-Team?

Dabei habe aber, laut MIM, bereits Ende Juli ein Formel-1-erfahrenes Ingenieursteam erste Machbarkeitsstudien eines neuen Projekts in Angriff genommen. Mit Peter McCool als Technischem Direktor und Ben Wood als Chef-Aerodynamiker wurden in der Pressemitteilung auch schon zwei hochrangige Mitarbeiter genannt. Wenn die 2021er Regeln Ende Oktober veröffentlicht werden, soll die Machbarkeitsstudie abgeschlossen sein.

Angeblich würde man sich schon in fortgeschrittenen Verhandlungen mit Formel-1-Teams und Motorenherstellern über eine Partnerschaft befinden. Auch an der Fahrer-Front gibt es bereits prominente Namen: Mit Pascal Wehrlein und Alex Palou stehen bereits zwei Piloten bei MIM unter Vertrag.

MIM ist nach Panthera Racing bereits der zweite Kandidat, der sich für 2021 ins Spiel bringt. Im Gegensatz zu MIM tritt Panthera allerdings deutlich zurückhaltender auf. Wohl auch, um zu vermeiden, was mit dem Statement der Formel 1 passiert ist: Dem Interessenten wird dadurch die Glaubwürdigkeit genommen.

Es ist kein Geheimnis, dass FIA Präsident Jean Todt gerne eine größeres Starterfeld sehen würde. Der Franzose machte aber immer klar, dass es sich dabei um seriöse Projekte handeln müsse. Auf Seiten des Kommerziellen Rechteinhabers ist der Wille, das Starterfeld aufzustocken, endlich.

Während mehr Autos der Show zuträglich wären, würde es Änderungen an den finanziellen Strukturen bedeuten. Der Kommerzielle Rechteinhaber nimmt durch zusätzliche Teams nicht zwangsläufig mehr Geld ein. Das Team will aber finanziert werden.

Team und Liberty müssten für neues Team bezahlen

Somit gibt es zwei Möglichkeiten: Entweder Liberty Media schüttet mehr Geld aus - und nimmt damit Einbußen beim eigenen Anteil in Kauf -, oder die Verteilung des vorhandenen Geldes wird angepasst. Der Kuchen für die bisherigen Teams bleibt dann in seiner Größe unverändert, muss aber ein Stück mehr ergeben.

Weder die bisherigen Teams, noch der Kommerzielle Rechteinhaber haben also ein großes Interesse daran, das Starterfeld zu erweitern. Um Neuankömmlingen nicht direkt die Türe vor der Nase zuzuschlagen, wird über ein 'Einkaufen' in die Weltmeisterschaft diskutiert. Wer Teil der Formel 1 werden will, muss sich mit einer hohen Summe erst einmal einkaufen.

Interessant jedoch: Nicht Liberty Media vergibt Startplätze, sondern die FIA. Die Teams haben lediglich einen kommerziellen Vertrag mit Liberty. Theoretisch könnte man auch ohne den Starten - wie das bei Haas zu Beginn der Fall war. Die FIA will am 30. Oktober die Entscheidung bekanntgeben, ob und wenn welches Team einen Startplatz für 2021 erhält.

Dass plötzlich wieder Interesse für Neueinsteiger besteht, ist auf die geplanten Regeländerung zurückzuführen. Durch eine Kostenobergrenze und verschiedene Maßnahmen wie Einheitsteile soll es in Zukunft möglich sein, auch mit kleineren Budgets konkurrenzfähig zu sein.


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