Formel 1

Vettel-Ferrari unter Strom: Gefahr für Fahrer und Marshalls

Sebastian Vettels Ausfall hat Ferrari und Charles Leclerc den Sieg gekostet. Nun ist klar, warum Vettel sofort stoppen musste und warum das VSC kam.
von Christian Menath

Bitterer hätte der Russland GP 2019 für Ferrari kaum laufen können. Die Scuderia war in Sotschi drauf und dran, ihren zweiten Doppelsieg in der Formel-1-Saison 2019 einzufahren, bis Sebastian Vettel in Runde 26 seinen Boliden abstellen musste.

Inzwischen ist auch klar, was am Vettel-Ferrari kaputt gegangen war: Ein Teil der Hybrid-Einheit der Power Unit versagte, weshalb 120 Kilowatt, also rund 163 PS fehlten. Doch schlimmer noch: Das Fahrzeug stand unter Strom.

"Wir wussten nicht genau, wie der Zustand ist. Aus Sicherheitsgründen haben wir Sebastian deshalb dazu angewiesen, das Auto sofort abzustellen", erklärt Teamchef Mattia Binotto. "Normalerweise ist das für den Fahrer im Auto nicht gefährlich, aber wir wussten einfach nicht was Sache ist, deshalb war es für uns sicherer."

Solange der Fahrer im Auto sitzt, besteht keine Gefahr. Das Aussteigen aber kann durchaus riskant werden. Wenn der Fahrer Boden und Auto gleichzeitig berührt, besteht die Gefahr eines Stromschlags.

Ferrari-VSC kostet Leclerc den Sieg

Die Frage, weshalb Vettel nicht zurück an die Box fuhr ist deshalb so interessant, weil die Rennleitung anschließend eine VSC-Phase ausrief, die Charles Leclerc den Sieg kostete. Lewis Hamilton konnte unter VSC-Bedingungen Reifen wechseln, weshalb der Mercedes-Pilot auch Boxenstopp-bereinigt die Führung übernahm.

Eigentlich hatte Vettel das Auto so abgestellt, dass die Bergung recht einfach gewesen wäre. Er fuhr in die Auslaufzone und parkte das Auto so, dass man es leicht durch eine Lücke in der Leitplanke hätte schieben können.

Das Statuslicht ist grün, wenn keine Gefahr besteht - Foto: LAT Images

Trotzdem veranlasste die Rennleitung eine VSC-Phase, um den SF90 zu bergen. "Wir haben keine Sekunde damit gezögert, denn das Auto stand offensichtlich unter Strom, es war in einem unsicheren Zustand", erklärt FIA Rennleiter Michael Masi.

Erstmals kamen Hybridsysteme 2009 in der Formel 1 zum Einsatz. Bei Testfahrten 2008 wurde ein BMW-Mechaniker leicht verletzt, als er das Auto berührte. Damals waren die Hybrid-Systeme aber noch deutlich leistungsschwächer. Seither wurden deshalb diverse Sicherheitsmaßnahmen getroffen, um Mechaniker und Streckenposten zu schützen.

Eine LED-Statusanzeige auf der Airbox unter der T-Cam signalisiert den Streckenposten, ob ein Auto ohne Bedenken berührt werden kann. Weil das Hybridsystem mit bis zu 1000 Volt operiert, sind die Streckenposten auch mit speziellen Gummihandschuhen ausgerüstet, wenn sie das Auto im Notfall berühren müssen.

Marchalls und Mechaniker haben spezielle Gummihandschuhe - Foto: Sutton

Aber hätte Vettel nicht noch die wenigen hundert Meter fahren können? "Es war das sicherste für Sebastian und Sicherheit geht vor", stellt Binotto klar. Rücksicht auf einen möglichen Folgeschaden wollte man nicht nehmen: "Nein, es ging nur um die Sicherheit. Sonst hätten wir an einer anderen Position gehalten."

Selbst nach Rennende stand der Ferrari noch unter Strom und konnte nicht ohne Bedenken berührt werden. Vettel ärgerte sich noch Cockpit über die Technik. "Bringt diese verdammten V12-Motoren zurück", funkte er.

Vettel muss keine Motorenstrafe fürchten

Immerhin: Eine Motorenstrafe erwartet Ferrari nicht. "Wahrscheinlich ist das Steuergerät für die Leistungselektronik kaputtgegangen", mutmaßt Teamchef Binotto und fügt an: "Davon haben wir aber noch eine."

Vettel bekam, nachdem er in Hockenheim ohnehin vom letzten Platz starten musste, sicherheitshalber eine dritte Steuereinheit spendiert. Die erste musste nämlich schon nach Leclercs Problemen in Bahrain getauscht werden. Eigentlich sind nur zwei Exemplare für die Saison vorgesehen.


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