Formel 1

Formel 1 - Ferrari für Vettel nicht Favorit: Spa kein Dragrace

Sebastian Vettel weist eine Favoritenrolle Ferraris selbst für Spa zurück. Die neuen Mercedes-Motoren beim Formel-1-Rennen in Belgien sind nicht der Grund.
von Jonas Fehling

Motorsport-Magazin.com - Sebastian Vettel sieht Ferrari nicht in der Favoritenrolle für den bevorstehenden Doubleheader der Formel 1 in Spa-Francorchamps und Monza. Dabei hatten so viele in der Szene nach der schallenden Ohrfeige in Ungarn - eine Minute Rückstand auf Mercedes - doch auf einen endlich einmal sitzenden Konter der Roten direkt nach der Sommerpause gehofft.

Wann gewinnt Ferrari endlich sein erstes Saisonrennen?: (14:50 Min.)

Grund dafür war die Streckencharakteristik. Betonte der winklige Hungaroring die Schwächen des Ferrari SF90, verhält es sich auf den Kursen in Belgien und Italien genau andersherum. Lange Geraden, Fokus auf aerodynamische Effizienz statt maximalen Abtrieb akzentuieren die Stärken der Roten Göttin anno 2019. Das muss doch einfach für den ersten Saisonsieg reichen. Wenn nicht recht, wann dann?

Sebastian Vettel: Spa & Monza auf dem Papier besser, aber ...

Doch Vettel will von alldem wenig bis nichts wissen. "Auf dem Papier sollten sie [Monza und Spa] vielleicht etwas mehr zu uns passen, aber wir dürfen auch nicht vergessen, dass im letzten Rennen doch sehr viel gefehlt hat - auch wenn die Strecke dort ganz anders war", sagt der WM-Vierte am Donnerstag in Spa-Francorchamps.

Deshalb könne man jetzt nicht von einer Favoritenrolle sprechen. Natürlich wolle er, wolle Ferrari siegen. "Wir haben einen sehr starken Willen. Vor allem in Monza, dass ja ein sehr wichtiges Rennen für uns ist", sagt Vettel. "Daran muss uns niemand erinnern."

Vettel hinterfragt Ferrari-Vorteil durch Vollgaslayout

Doch selbst wenn die Tendenz eben zeige, dass Ferrari auf Kursen mit langen Geraden und hohen Vollgasanteil - Stichwort Bahrain - deutlich besser zurecht komme, müsse das noch gar nichts bedeuten. "Du weiß nie", sagt Vettel. "Es gibt hier ja noch immer Kurven. Es ist ja kein Dragrace! Da muss noch immer viel zusammenkommen über ein GP-Wochenende."

Man müsse eben auch einen gewissen Realismus wahren. "Wir sind natürlich nicht die Favoriten", sagt Vettel sogar. "Wir wurden im letzten Rennen ziemlich heftig geschlagen und sind noch mmer in der Position, jede Menge Boden gutmachen zu müssen. Darauf muss unser Hauptaugenmerkt liegen."

Vettel: Ferrari-Probleme werden uns auch in Spa treffen

Alles wettmachen werde das gegenüber Ungarn völlig andere Streckenlayout nicht. "Der Zeitverlust, den wir in bestimmten Streckenabschnitten hatten, wird uns auch hier treffen. Wie sehr und wie viel wir kompensieren können werden wir dann sehen", sagt Vettel.

Formel 1 2019: 5 Brennpunkte vor dem Belgien GP: (10:11 Min.)

Von einem Selbstläufer auszugehen wäre für Vettel nichts als Torheit. "Wir führen die WM nicht an, also können wir gar nicht der Favorit sein", meint Vettel. Auch nicht vor dem Hintergrund des bis heute letzten Vettel-Sieges - genau vor einem Jahr an selber Stelle in Spa. Das spielt für Vettel keine Rolle. "Wichtig ist für uns nur, dass wir über die nächsten Rennen wieder den Anschluss finden, Schritte nach vorne machen und einen positiven Trend für die zweite Saisonhälfte und den Start ins nächste Jahr einleiten."

Vettel lässt Mercedes-Update kalt: Fokus sowieso anderer

Dass das möglich sei habe zuletzt Red Bull bewiesen, so Vettel. "Die waren zu Beginn der Saison hinter Mercedes und vielleicht auch hinter uns. Gerade sind sie vor uns und näher an Mercedes dran als wir", schildert der Deutsche. "Aber Mercedes sind die Besten und die, die es zu schlagen gilt - und danach streben wir. Wir wollen schlagen, wer auch immer der Beste ist. Dafür kämpfen wir."

Während es Vettel also vielmehr um die mittel- bis langfristige Entwicklung geht, lieferte Mercedes kurzfristig eine neue Sorgenfalte für Ferrari. In Belgien kommt ein silbernes Update für die Power Unit. Das spielt für Vettel jedoch keine Rolle bei seiner Zurückweisung der Favoritenrolle. "Ich weiß ja nicht, ob es ihnen dabei um mehr Power oder Zuverlässigkeit geht, wo da ihre Priorität liegt", winkt Vettel ab. "Aber wenn es mehr PS sind, wird es natürlich härter." Ferrari jedenfalls werde in Belgien kein Update nachschießen, so Vettel.


Weitere Inhalte:
Wir suchen Mitarbeiter
Mitarbeiter Motorsport Designer Journalismus Programmierer Video