Formel 1

Formel 1: Beinahe-Unfall von Perez & Monaco-Marshals hat Folgen

Nachwehen einer nur knapp verhinderten Katastrophe: Nachdem Sergio Perez in Monaco fast einen Marshal überfuhr, ermittelt die FIA. Ausrichter verteidigt.
von Jonas Fehling

Motorsport-Magazin.com - Die beim Großen Preis von Monaco 2019 nur knapp verhinderte Katastrophe rund um Sergio Perez und zwei beinahe von dem Racing-Point-Piloten überfahrene Streckenposten führt zu Nachbeben hinter und vor den Kulissen der Formel 1: Der Veranstalter verteidigt sich, die FIA untersucht und spricht eine Sicherheitswarnung aus.

Aber der Reihe nach. Überhaupt erst Wellen geschlagen hatte der Vorfall, nachdem Perez selbst kurz nach dem Rennen via Social Media eine Onboard-Aufnahme der brenzligen Szene veröffentlichte. Dort war klar zu sehen, wie knapp der Mexikaner einen Unfall mit den Marshals am Boxenausgang verhinderte.

Ausrichter verteidigt sich: Erlaubnis & keine Gefahr

Der Vorfall ereignete sich unter Safety-Car-Bedingungen, weil zuvor Charles Leclercs Ferrari Teile auf der Strecke verteilt hatte. Genau darauf berief sich wenig später der Automobile Club de Monaco (ACM), Ausrichter des Rennens im Fürstentum.

In der lokalen Tageszeitung 'Nice Matin' verteidigte sich der ACM zunächst damit, auf Anweisung der Rennleitung gehandelt, also die beiden Marshals zum Wegräumen der Trümmer auf die Strecke geschickt zu haben. Diese Erlaubnis - für jedes einzelne, spezifische Betreten - ist in der Formel 1 zwingend notwendig. Darüber informiert der Rennleiter, Michael Masi, den Clerk of the Course, bei jedem Grand Prix in einem Sicherheitsmeeting.

ACM kritisiert auch Perez

Noch dazu habe sich das Ganze eben unter einem Safety Car und doppelten gelben Flaggen rund um den gesamten Kurs abgespielt, verteidigt sich der ACM weiter. Das hätte auch ein aus der Box kommendes Auto, also Perez, eigentlich nicht ignorieren können. Daher sei die Sicherheit der Marshals sichergestellt gewesen. Die Marshals selbst seien daher kein unnötiges Risiko eingegangen. Der Vorfall sei für den ACM damit abgeschlossen, ob auch die FIA ermitteln wolle, bleibe abzuwarten.

Genau dazu ist es inzwischen gekommen, wie gut eineinhalb Wochen später am Donnerstag vor dem Kanada GP in Montreal bei Racing Point durchklingt. "Die FIA wird den Marshals in Zukunft wiederholt einbläuen, dass sie nicht auf die Strecke dürfen, ohne eine Erlaubnis erteilt bekommen zu haben", sagt Racing Points Sportdirektor Andy Stevenson.

Racing Point: Keine Erlaubnis für betreffenden Abschnitt

Zuvor war das Team selbst nach dem Rennen in Monaco in Eigeninitiative auf die FIA zugegangen, um das Thema anzusprechen. Interessant: Stevenson zufolge habe im konkreten Fall diese Erlaubnis nicht vorgelegen. Das widerspricht der Stellungnahme des ACM und entspricht Informationen von Motorsport-Magazin.com, wonach für betreffenden Streckenabschnitt tatsächlich keine Erlaubnis der FIA vorlag, sondern nur für die Kurven 12 und 17, welche die größten Hotspots verlorener Ferrari-Teile bildeten.

Weil Sicherheit in jedweder Ausprägung für die FIA bekanntlich an höchster Stelle steht, wird ein Bericht des Vorfalls für FIA-Präsident Jean Todt und Peter Bayer, Generalsekretär für Motorsport zusammengestellt.

FIA will noch intensiver vor Sicherheitsrisiken warnen

Darüber hinaus will die FIA bei künftigen Events den Streckenposten Videos des Vorfalls zeigen, um diese so zu warnen und ihnen einzuprägen, welche Gefahren bei unerlaubtem Betreten der Rennstrecke drohen.

Nicht zuletzt soll ein Bericht des ACM selbst verlangt und ein umfangreiches Debriefing mit den Verantwortlichen abgehalten werden, um einer Wiederholung vorzubeugen.

Perez dank Formel-1-Regeln aus dem Schneider

Perez begrüßt diese Reaktionen, sei der Vorfall doch sehr ernst gewesen und müsse zwingend aufgearbeitet werden. "Es war sehr unglücklich, dass die Marshals genau dort waren und sehr viel Glück, dass ich sie nicht getroffen habe." Beschuldigen möchte der Mexikaner für den Zwischenfall weiterhin niemanden.

Einzig die Kritik des ACM auch an ihm selbst, weist Perez zurück. "Natürlich bist du unter Safety-Car-Bedingungen, klar. Du musst einer Zeit [Zeitvorgabe, auch Delta genannt] folgen. Aber ich habe die Regeln eingehalten. Wir haben diese Deltas, denen wir folgen müssen und es gibt besondere Zeiten, wenn du diesem Delta nicht folgen musst ", schildert Perez. Zum Beispiel an genau der betreffenden Stelle. Zwischen Boxengassenausgang und Safety-Car-Linie zwei darf beschleunigt werden.

Perez: Wenn er weitergelaufen wäre, dann ...

Umso unglücklicher, dass sich genau dort nun die Streckenposten befanden. "Es war dann echt ein hektischer Moment. Das erwartest du als Fahrer nicht, vor allem nicht am Boxenausgang wenn alle ihre Stopps machen und du so schnell wie möglich zur Safety-Car-Linie zwei kommen willst, um sicherzustellen, dass du die Position hältst. Auch wenn du unter SC-Bedingungen bist, kann dieser Moment sehr kritisch sein."

Einmal der Gefahr bewusst, habe er daraufhin kaum noch etwas tun können. "Ich habe gebremst, aber gleichzeitig wollte ich die Reifen nicht blockieren lassen, um lenken zu können. Alles ging so schnell. Ich sah einen wegrennen und der anderen hielt gerade im richtigen Moment an. Wenn er weitergelaufen wäre, dann hätte ich nirgendwo mehr hinkönnen."


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