Formel 1

Formel 1, Mercedes fürchtet Ferrari-Motor: China noch schlimmer

Mercedes geht nach dem Formel-1-Rennen in Bahrain 2019 der Stift: Ferrari plötzlich unschlagbar auf den Geraden. Vor China & Baku herrscht fast schon Angst.
von Jonas Fehling

Motorsport-Magazin.com - Ferrari hat in Bahrain nach einem überraschend schwachen Saisonstart in Australien sofort zurückgeschlagen. Mit Macht. Von Anfang bis Ende des Wochenendes verfügte die Scuderia über das klar schnellste Paket. Darüber täuscht auch der glückliche Mercedes-Doppelsieg nicht hinweg.

"Man sollte nicht denken, dass das am Sonntag das Performance-Ranking war. Der Ferrari war heute das schnellere Auto", sagt selbst Teamchef Toto Wolff. Man dürfe natürlich feiern, doch müsse sich Mercedes jetzt im Klaren sein, dass Arbeit zu tun ist. "Hamilton hätte keine Chance gehabt, den Ferrari anzugreifen", befindet auch Formel-1-Sportchef Ross Brawn.

Hamilton & Wolff: Australien, nicht Bahrain die Überraschung

Genauso sieht es Lewis Hamilton. "Wir wurden dieses Wochenende übertrumpft", sagt der Weltmeister trotz seines Rennsiegs. Das sei jedoch keine Überraschung gewesen. Sondern Australien. "Dort hatten wir eigentlich damit gerechnet drei oder fünf Zehntel hinten zu sein", so Hamilton. Wolff stimmt zu: "Wir hatten sie in Melbourne stark erwartet. Nach dem, was wir in Sachen Pace bei den Testfahrten in Barcelona gesehen hatte. Deshalb war eigentlich Melbourne die größere Überraschung als Bahrain.

Ein Aspekt der Ferrari-Stärke in der Wüste überraschte Wolff dennoch: Die Performance auf den Geraden. Schon am Freitag war Ferrari hier durchweg überlegen. Nicht nur am Ende der Geraden, sondern auch den anderen Messstellen. Da hieß es allerdings - auch von Ferrari selbst, nicht nur von Mercedes - , der gewaltige Abstand von Rot auf Silber liege einzig an bereits zu Testzwecken höheren Motormodi.

Ferrari Mercedes auf den Geraden überlegen

Doch auch am Samstag und Sonntag präsentierte sich das Bild ähnlich. Kein außerirdischer Unterschied mehr, doch der Ferrari-Vorsprung war noch immer auffällig. In etwa bei den von Hamilton genannten drei oder fünf Zehnteln. Warum? Weiterhin, weil die SF90 von Sebastian Vettel und Charles Leclerc auf den Geraden einfach auf und davon fuhren.

Genau deshalb geht bei Mercedes fast schon die Angst um: War das real? Und falls ja: Ist das überhaupt aufzuholen? "Es war sehr stark. Ihre Performance auf den Geraden ist unglaublich", sagt Teamchef Wolff fast schon fassungslos. "Die Power, die sie aufgerufen haben, ist unerreicht. Von niemandem. Im Qualifying waren es alleine auf den Geraden fünf Zehntel, glaube ich. Damit mitzuhalten, ist wirklich schwierig. Und ich denke, dass wir uns an dieses Performance-Level gewöhnen müssen, den meiner Meinung nach müssen wir Melbourne als den Ausreißer sehen."

Bottas graut vor China: Noch längere Geraden

Auch er habe Bedenken deshalb, bestätigt Valtteri Bottas. Vor allem mit Blick auf die unmittelbare Zukunft. "Die nächsten beiden Rennen in China und Baku verfügen über heftig lange Geraden. Sogar noch länger als hier [in Bahrain]. Ich denke, dass sie hier schon mehr als vier Zehntel pro Runde auf den Geraden geholt haben. Sie haben da massiv zugelegt. Ich denke nicht, dass wir da viel Zehntel finden können", fürchtet der Finne. Doch eine Chance habe Mercedes: "Wir müssen versuchen, es in den Kurven zu finden."

Toto Wolff sieht Ferrari deshalb jetzt erst einmal klar als Favorit. "Wenn sie diesen Power-Level halten können – und ich weiß nicht, warum ihr Motor kaputt ging", relativiert der Wiener mit Blick auf Leclercs Defekt im Rennen. "Aber wenn sie diese Level in Shanghai halten können, dann sind sie auf einem leistungssensiblen Kurs wie Shanghai die Favoriten. Ganz klar. Denn der Zugewinn an Rundenzeit dürfte dort sogar noch größer sein als in Bahrain."

Mercedes: Geht noch was mit dem Chassis?

Der in Bahrain gegenüber Ferrari höhere Abtriebslevel habe jedenfalls nicht den Unterschied gemacht, versichert Wolff. "Wir haben kalkuliert, dass das vielleicht eine Zehntel ausgemacht hat. Es geht um die schiere Power", betont Wolff. "Aber das ist die Analyse von 24 Stunden und natürlich haben wir heute und gestern viele Daten gesammelt", so Wolff am Sonntagabend nach dem Rennen. "Wir haben im Rennen heute unterschiedliche Power-Level gesehen. Das müssen wir jetzt alles begutachten."

Sollte es das Ergebnis der Detailanalyse genauso ausfallen, wäre das für Wolff eine besonders schlechte Nachricht für Mercedes. Zwar seien sowohl bei Chassis als auch Motor Rückstände nur schwierig aufzuholen. Bei der Power Unit sei es allerdings eine Ecke kniffliger. "Wenn es von Melbourne auf Bahrain wirklich diese Form von Motorentwicklung gegeben hat, dann ist das etwas, dass du unmöglich aufholen kannst. Zumindest ist es das für uns", so der Mercedes-Teamchef trotz der seit Jahren führenden Motorenabteilung aus Brixworth als Ass im Ärmel.

"Deshalb müssen wir wirklich verstehen, welche Rolle das Chassis bei all dem vielleicht doch gespielt hat. Denn das Chassis befindet sich auf einer fortwährenden Entwicklungskurve, die du so steil wir möglich zu halten versuchst. Aber auf der Power-Unit-Seite sind die Regeln jetzt schon sehr reif, sodass die Zugewinne kleiner und kleiner ausfallen. Wir sprechen da über Millisekunden von einem Motorupgrade zum nächsten. Oder vielleicht einer Zehntel oder zwei. Größer Sprünge sind eher unüblich."


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