Formel 1

Formel 1, Bottas steht zu Funkspruch: Beste Grüße an die Hater

Valtteri Bottas teilte nach dem Sieg in Melbourne kräftig aus. Der Mercedes-Pilot steht zu seinen harten Worten. 2018 ist erledigt, Selbstvertrauen zurück.
von Florian Becker

Motorsport-Magazin.com - Valtteri Bottas sorgte nach seinem Sieg in Australien mit einem gesalzenen Funkspruch für Aufsehen. Seine Kritiker bekamen gleich nach der Zieldurchfahrt im Boxenfunk ihr Fett weg. "An alle, die sich angesprochen fühlen: Fickt euch!" Bottas komprimierte ein Jahr voller Enttäuschungen und Frust über die Schwarzmaler in diesen einen Satz. Harte Worte, zu denen er auch nach dem Moment des Triumphes steht.

"Ich bin mir sicher, dass die Leute für die es bestimmt war, wissen, dass sie gemeint sind", so der Mercedes-Pilot, der 2018 ein Jahr voller Fehlschläge erlebte. Nachdem er in der ersten Saisonhälfte in Bahrain, China und Aserbaidschan jeweils knapp den Sieg verpasste, musste er sich ab Hockenheim auch noch für die Weltmeisterschaft von Lewis Hamilton opfern.

Sowohl in Deutschland als auch in Russland musste er dem Teamkollegen den Vortritt lassen. Bottas verlor seinen Biss, war nur noch ein Schatten seiner selbst. In wenigen Wochen wurde er von einem Siegfahrer zum Wingman, musste in den Medien und sozialen Netzwerken Hohn und Spott über sich ergehen lassen.

"Die Liste ist ziemlich lang, leider. Aber so läuft das halt", stellt Bottas klar, dass seine Ansage an all diejenigen gerichtet war, die ihn für abgeschrieben erklärten und sogar noch vor dem ersten Rennen 2019 die Ablösung durch Esteban Ocon vorhersagten.

Bottas' Fuck-You-Funkspruch war nicht geplant

Bottas' Funkspruch war ruhig und gelassen. Kein befreiender Schrei, kein Gefühlsausbruch. Geplant hatte er die Retourkutsche aber nicht. "Die Nachricht kam einfach. Ich wollte nur meine besten Grüße ausrichten, mehr nicht", so der 29-Jährige."Ich habe nicht darüber nachgedacht und es nicht geplant."

Seinen vierten Formel-1-Sieg bezeichnete Bottas als das beste Rennen seines Lebens. Nachdem er 2017 in Russland, Österreich und Abu Dhabi jeweils nur knapp gewonnen hatte, dominierte er in Melbourne nach Belieben und kam 20 Sekunden vor Hamilton ins Ziel. Teamchef Toto Wolff sah den Valtteri Bottas, den er lange vor der Formel 1 unter seine Fittiche nahm.

"Valtteri ist bärenstark aus dem Winter gekommen. Ich kenne den Jungen aus den Nachwuchsserien, wo er nach Belieben dominiert hat. Diesen Bottas haben wir gesehen", so der Österreicher am RTL-Mikrofon.

Wolff war es, der Bottas 2018 zum Wingman machte. Was als anerkennende Worte für dessen Opfer im Sinne des Teams gemeint wurde, stigmatisierte den Piloten. Während Bottas sich dem Kreuzfeuer der Kritiker ausgesetzt sah, stütze ihm Mercedes stets den Rücken.

Mercedes F1 2019: Kann Valtteri Bottas Weltmeister werden?: (09:19 Min.)

Bottas hakt 2018 ab: Für mich ist es jetzt erledigt

"Natürlich gibt es viele Menschen, die dich unterstützen. Das weiß ich sehr zu schätzen. Diese Menschen standen immer hinter mir", so Bottas. "Im Sport geht es immer auf und ab. Die echte Unterstützung kannst du sehr einfach erkennen."

In der Pleitensaison 2018 kam jedoch das andere Gesicht des Fahrerlagers und des Business zum Vorschein. "In schwierigen Zeiten gibt es dann auch immer die andere Seite, die sehr viel negativer ist. Das ist ein Zeichen ihrer Schwäche", sagt der wiedererstarkte Silberpfeil-Pilot.

"Ich kann nicht sagen, dass die Kritik unfair war, denn jeder kann sagen, was auch immer er will. Aber wer sich angesprochen fühlt, sollte manchmal in den Spiegel schauen und darüber nachdenken, wieso er so etwas macht. Für mich ist es jetzt erledigt."

Erfolge für Selbstvertrauen eines F1-Piloten essentiell

Trotz der Unterstützung durch Mercedes lag es im Winter an ihm selbst, die Scherben seines Selbstvertrauens aufzusammeln und wieder zusammenzufügen. "Im Sport, besonders in diesem, ist das Selbstvertrauen, dass du durch die Resultate bekommst, eine gigantische Hilfe", erklärt er.

"Es gibt dir einen großen Boost, selbst durch die schwierigen Zeiten, die so oder so kommen - in jeder Saison. Aber du erinnerst dich immer an die guten Zeiten und ziehst daraus Stärke. Daraus, zu wissen, dass du so etwas vollbringen kannst."

Der Sieg beim Saisonauftakt war nach der Dürreperiode wichtig, um aus der Negativspirale, in der sein Jahr 2018 endete, auszubrechen. "Das ist genau der Sieg, den ich wollte und er wird mir für dieses Jahr viel Auftrieb geben. Es war der perfekte Start ins Jahr, ganz anders als letztes Jahr."


Weitere Inhalte:
Wir suchen Mitarbeiter
Mitarbeiter Motorsport Designer Journalismus Programmierer Video