Formel 1

Formel 1 Netflix-Serie: Deshalb war Mercedes nicht dabei

Die Formel-1-Serie "Drive to Survive" auf Netflix musste in ihrer ersten Staffel ohne Ferrari und Mercedes auskommen. Toto Wolff erklärt, warum.
von Benny Degen

Motorsport-Magazin.com - "Drive to Survive", die Netflix-Serie über die Hintergrund-Geschehnisse in der Formel-1-Saison 2018, erfreut sich aktuell großer Beliebtheit. Die einzigen beiden Teams, die sich nicht über die Schulter schauen lassen wollten, waren die WM-Anwärter Mercedes und Ferrari.

"Der Hauptgrund war, dass ich das Gefühl hatte, es könnte potentiell eine große Ablenkung darstellen", erklärte Mercedes-Teamchef Toto Wolff. "Es erzeugt eine andere Umgebung, wenn man seinen ‚Inner Circle' im Team hat, den man versucht, zu beschützen, und dann schwingt da plötzlich ein Mikrofon über deinem Kopf rum und es ist eine Kamera auf dich gerichtet." Er fügte aber hinzu, dass auch die Entscheidung Ferraris, nicht teilzunehmen, eine Rolle spielte. "Insbesondere, weil unser Hauptgegner nicht mitgemacht hat".

Offenbar hatte man bei Mercedes Sorgen, dass diese Ablenkung so groß hätte sein können, dass am Ende der Titelgewinn gefährdet worden wäre. "Ich hatte das Gefühl, dass es uns in unserer Performance beeinträchtigt hätte und deshalb habe ich entschieden, dass das für uns nichts ist", erklärte Wolff. Die Sponsoren des Werksteams habe es nicht geärgert, auf der Werbe-Bühne Netflix nicht zu erscheinen.

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Mercedes in Staffel 2 dabei?

"In einer gewissen Hinsicht habe ich sogar gute Rückmeldungen bekommen, dass wir nicht dabei waren.", erzählte der 47-Jährige. "Das Narrativ ist ja sehr interessant, es werden Geschichten erzeugt, die nicht die Offensichtlichen sind wie Mercedes gegen Ferrari. Einige unserer Sponsoren und Follower haben gesagt, man bekommt ja von manchen anderen Teams sonst nie etwas zu sehen. Und die hatten das Gefühl, dass das von unserer Seite Absicht war."

2019 werden die Dreharbeiten für eine zweite Staffel in einem Jahr weitergehen. Dafür ist bei Mercedes laut Wolff noch nichts ausgeschlossen. "Da bin ich offen. Ich habe auf meinem Weg hierher die ersten drei Folgen geschaut und ich mochte schon einiges daran. Die Produktion ist toll, wie es gemacht ist, das ist schon auf einem sehr hohen Level. Und deshalb werden wir uns jetzt mal Gedanken machen und dann evaluieren wir, ob wir das wollen oder nicht", lässt er die Tür noch offen.

Neue Einblicke sogar für Teamchefs

Der heimliche Star der Serie, Haas-Teamchef Günther Steiner, fand es hingegen schade, dass die beiden großen Teams des Sports in der Serie nicht auftauchten. "Es ist unglücklich, denn die Fans hätten sicherlich gerne mehr von ihnen gesehen, schließlich sind es die stärksten Teams." Gleichzeitig zieht der Tiroler jedoch in Zweifel, ob der Charakter der Serie, denn er in maximaler Authentizität sieht, dann noch derselbe geblieben wäre. "Wenn Ferrari und Mercedes mitgemacht hätten, hätten sie sicher selbst entschieden, welches Material von ihnen gezeigt worden wäre." Das sei so nicht der Fall gewesen.

Der Blick hinter die Kulissen hat derweil nicht nur den Fans, sondern sogar Wolff selbst neue Einblicke verschafft. So zum Beispiel beim Konflikt zwischen Cyril Abiteboul und Christian Horner, den Teamchefs von Renault und Red Bull. "Ich dachte eigentlich, Cyril und Christian wären Freunde", wunderte sich der Weltmeister-Teamchef, obwohl er die betreffende Folge noch gar nicht gesehen hatte.

Und Mattia Binotto, dem neuen Mann an der Spitze Ferraris, offenbarte sich dadurch sogar der Grund für die Sitzordnung bei der Pressekonferenz. "Zumindest verstehe ich jetzt, warum die zwei hier (Horner und Abiteboul) an den entgegengesetzten Enden des Tisches sitzen." Horner selbst spekulierte in der Pressekonferenz am Freitag bereits auf einen neuen Kampf, sollte Mercedes tatsächlich für die zweite Staffel einsteigen. "Vielleicht gibt es dieses Jahr dann ja einen Streit zwischen Cyril und Toto." Man wird sehen...


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