Formel 1

Formel 1 Australien: Darum drückte Bottas Hamilton 20 Sekunden

Lewis Hamilton verliert erneut trotz Pole ein Formel-1-Rennen in Melbourne. Mercedes-Teamkollege Valtteri Bottas überlegen. Vier Gründe als Erklärung.
von Jonas Fehling

Motorsport-Magazin.com - Sechs Mal in Folge hat Lewis Hamilton jetzt beim Australien GP die Pole Position erzielt. Doch einzig in der Formel-1-Saison 2015 münzte er die beste Ausgangslage auch in das beste Ergebnis um. Nach zuletzt zwei Niederlagen gegen Sebastian Vettel im Ferrari musste sich der Mercedes-Pilot beim Rennen im Albert Park von Melbourne 2019 nun seinem eigenen Teamkollegen geschlagen geben.

Und das deutlich, mit einer regelrechten Packung: Valtteri Bottas drückte dem amtierenden und fünffachen Weltmeister beim Saisonauftakt stramme 20 Sekunden. Zu keinem Zeitpunkt schien der Bottas-Triumph gefährdet. Eher im Gegenteil: Vielmehr wackelte hinten raus Hamiltons zweiter Platz gegen Max Verstappen im Red Bull Honda. Aber wieso? Dafür gibt es gleich mehrere Gründe.

#1 - Lewis Hamilton verhaut den Start

Die Vorentscheidung im Duell der überlegenen Mercedes lieferte beim Australien GP sofort der Start. Bottas kam von P2 weitaus besser aus der Startbox, beschleunigte Hamilton auf dem nur gut 200 Meter kurzen Sprit zur ersten Kurve locker aus. "Mein schlechter Start war schon ärgerlich, da müssen wir einfach mehr trainieren", knarzt Hamilton.

Australien GP 2019: Wie stark war Bottas? Wie schwach Ferrari?: (08:02 Min.)

Die Schuld nimmt der Brite voll auf seine Kappe. "Ich hatte vielleicht einfach zu viel Wheelspin, war vielleicht einfach zu grob mit der Kupplung", schildert Hamilton. "Ich muss das nochmal genauer überprüfen, aber einen tollen Job habe ich da bestimmt nicht gemacht." Allerdings habe sein Teamkollege auch seinerseits einen umso besseren Job erledigt. "Valtteri hatte einfach den besseren Start", lobt Hamilton. Wichtig sei zu diesem Zeitpunkt zuvorderst aber gewesen, dass Mercedes die Doppelführung gehalten habe.

#2 - Früher Stopp wegen Vettel-Undercut

Im ersten Stint tat sich an der Spitze daraufhin nicht viel. Bottas war schnell genug, sodass selbst Hamilton nie nahe kam. Zumal eine Attacke bei gleichen Material im überholfeindlichen Albert Park trotz neuer Aero-Regeln ohnehin kaum möglich ist. Den finalen Gnadenstoß für alle Siegchancen Hamiltons gegen Bottas bescherte dem Briten dann Ferrari. Schon in Runde 13 versuchte Sebastian Vettel einen Undercut, den Mercedes mit Hamilton umgehend konterte.

Die Folge der Parade war ein extrem langer Schlussstint von 44 Runden auf dem Medium für Hamilton. Bottas hingegen kam erst acht Runden später, seine Reifen verfügten im zweiten Stint also über mehr Körner. Am Boxenfunk hinterfragte Hamilton daraufhin die Strategie. Mercedes erklärte die nötige Reaktion auf Ferrari. Hamilton jedoch glaubte nicht, das Rennen so mit diesem Satz beenden zu können. Mercedes war ebenfalls unsicher. Hamilton geriet in einen Teufelskreis.

"Das war nicht klar und ich denke, dass ihm das Sorgen bereitet hat", verteidigt Teamchef Toto Wolff die Performance seines Champions. "Die Strategie war durch die Situation, in der ich mich befunden habe, natürlich nicht ideal", sagt Hamilton selbst. "Da wusste ich sofort, dass das Rennen erledigt war. Ich wusste, dass mich das auf lange Sicht in Probleme bringen wird. Aber sonst denke ich, einen guten Job gemacht zu haben. Nur am Start habe ich ziemlich viel verloren."

Wolff bestätigt: "Er hat versucht, die Reifen zu managen und gleichzeitig das Auto schnell zu fahren, was es sehr knifflig macht. Das war heute die Schwierigkeit für ihn. Wir konnten ihm nicht mit Sicherheit sagen, ob er es mit den Reifen bis zum Ende schaffen kann, aber wir mussten uns gegen den Undercut absichern und das war natürlich sehr früh. Das erklärt am Ende den großen Unterschied in der Pace [zu Bottas, Anm. d. Red.]."

#3 - Beschädigter Unterboden am Hamilton-Mercedes

Damit nicht genug. Wie Mercedes nach dem Rennen mitteilte verschärfte Hamiltons Situation zusätzlich ein Schaden an seinem W10. Genauer gesagt am Unterboden. Aus noch ungeklärter Ursache war dort vor dem linken Hinterrad ein Stück des extrem für die Performance relevanten Teils weggebrochen. "Das dürfte seine Herausfoderungen, die er mit der Balance hatte noch verschärft haben", so Mercedes.

"Ich war nicht ganz happy mit der Balance", bestätigt der Brite selbst. Aber dieser Part sei halb so wild gewesen. "Ich habe das Heck schon ziemlich früh etwas verloren, etwa in Runde vier, konnte aber nicht wissen, dass etwas gebrochen war. Ich weiß nicht, woher das kam. Vielleicht ein Trümmerteil. Etwas fühlte sich dann nicht ganz richtig an, aber das war nicht das Ende der Welt. Deshalb hatte ich auch kein Problem, das Rennen als Zweiter zu beenden. Max war am Ende kein Problem und P2 ist auch nicht ärgerlich. Für das Team war es ein gutes Wochenende. Darauf können wir aufbauen."

#4 - Valtteri Bottas' bestes Rennen seiner Karriere

Letztlich noch ein Grund, der mit Hamilton selbst absolut nichts tun hat. Valtteri Bottas war an diesem Sonntag schlichtweg eine Bank. Der Neuzugang unter den Bartträgern im Fahrerlager präsentierte sich Down Under so stark wie nie zuvor, schaffte nach seiner so harten Saison 2018 sofort den so wichtigen Befreiungsschlag.

"Das war das beste Rennen, das ich je gefahren bin", meint Bottas selbst. Mercedes-Teamchef Toto Wolff streute dem Finnen daraufhin Rosen ohne Ende. "Valtteri hat im Rennen einen herausragenden Job gemacht", adelt auch Hamilton seinen Teamkollegen, 2019 vielleicht weit weniger Wasserträger als bislang ...


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