Formel 1

Formel 1 Testfahrten: Ferrari holt Hammer raus, Red Bull crasht

Bestzeitenjagd am vorletzten Tag der Formel-1-Testfahrten 2019 in Barcelona. Ferrari knackt die 1:17er-Marke deutlich. Heftiger Red-Bull-Crash.
von Jonas Fehling

Motorsport-Magazin.com - Ferrari lässt nach Problem und Pech an den beiden Auftakttagen der zweiten Testwoche der Formel-1-Testfahrten 2019 in Barcelona am vorletzten Tag wieder die Muskeln spielen: Charles Leclerc durchbricht am Vormittag deutlich die 1:17er Schallmauer, fährt auf Niveau der Polezeit aus 2018. Den Nachmittag prägen Rennsimulationen - und ein heftiger zweiter Crash von Red-Bull-Pilot Pierre Gasly.

Das Ergebnis: Ganz klare Angelegenheit: An Charles Leclercs Bestzeit von 1:16.231 Minuten reichte niemand auch nur im Ansatz heran. Mehr als sechs Zehntel lag der Ferrari-Pilot mit dieser neuen absoluten Gesamtbestzeit der bisherigen Wintertestfahrten vor dem zweitschnellsten des Tages, Toro Rossos Alexander Albon. Warnung an alle anderen: Leclerc merkte dazu bereits an, Ferrari sei noch immer nicht ans Limit gegangen. Noch dazu legte auch ein erster Blick auf die Rennsimulationen nahe, dass Ferrari auch im Renntrimm vorne ist.

Die beiden waren mit ihren Runden auf den weichsten verfügbaren Pirelli-Reifen (C5) die ersten und bisher einzigen Fahrer unter der 1:17er-Marke. Zum Vergleich: Im Vorjahr stand eine Gesamtbestzeit von 1:17.182 Minuten, aufgestellt von Sebastian Vettel, ebenfalls am vorletzten Tag. Zur Pole Lewis Hamiltons beim Spanien GP fehlte Leclerc aber noch eine Zehntel - zumal am Wochenende 2018 keine so weichen Reifen zum Einsatz gekommen waren.

Zum ersten Mal ohne Bestzeit blieb diese Woche damit McLaren. Lando Norris kam allerdings noch immer auf P5, gefolgt von Red Bulls Pierre Gasly, Daniel Ricciardo und Nico Hülkenberg von Renault, Lance Stroll und Antonio Giovianzzi im Alfa. Die Top-8 nutzten für ihre Zeiten allesamt die C5-Mischung, genauso George Russell auf P11. Nur Hamilton, Magnussen, Bottas und Grosjean waren mit anderen Mischungen unterwegs.

Pos Fahrer Team Zeit Reifen Runden
1 Leclerc Ferrari 1:16.231 C5 138
2 Albon Toro Rosso 1:16.882 C5 118
3 Norris McLaren 1:17.084 C5 84
4 Gasly Red Bull 1:17.091 C5 65
5 Ricciardo Renault 1:17.204 C5 65
6 Hülkenberg Renault 1:17.496 C5 73
7 Stroll Racing Point 1:17.556 C5 103
8 Giovinazzi Alfa Romeo 1:17.639 C5 71
9 Grosjean Haas 1:17.854 C4 16
10 Hamilton Mercedes 1:18.097 C2 85
11 Russell Williams 1:18.130 C5 140
12 Magnussen Haas 1:18.199 C3 53
13 Bottas Mercedes 1:18.862 C3 97

Die Fleißtabelle: Im Kampf um den Titel des Rundenkönigs ging es deutlich enger zu als bei den Bestzeiten. Doch auch hier war Leclerc Hauptbeteiligter. Der Monegasse lieferte sich ein Duell unter Youngstern mit George Russell. Am Ende hatte der Brite mit 140 Runden knapp die Nase vorne, auch weil Leclerc ganz kurz vor Schluss noch auf der Strecke ausrollte. Für Ferrari dennoch eine gelungene Wiedergutmachung nach der verpassten Zeit durch den Vettel-Crash am Vortrag und die technischen Probleme um Leclerc am Dienstag.

Legt man den Rundenkönig jedoch nicht als Fahrer, sondern als Team aus, so ändert sich das Bild deutlich. Renault ist auch noch auf Augenhöhe mit Williams und Ferrari, aber Mercedes allen meilenweit voraus. Lewis Hamilton und Valtteri Bottas drehten bei erneut geteilter Arbeit stolze 182 Runden auf dem Circuit de Barcelona-Catalunya.

Auch am anderen Ende der Rundentabelle ging es knapp zu. Die wenigsten Runden schafften Haas, nach den nächsten technischen Problemen (s. Abschnitt 'Die Zwischenfälle'), Alfa Romeo und Red Bull nach einem zweiten Unfall (s. Abschnitt 'Die Zwischenfälle')

Tests 2019: So liefen die Rennsimulationen in Barcelona: (07:11 Min.)

Die Zwischenfälle: Lange so wenige wie bisher nur am zweiten Testtag der ersten Woche, dafür ein heftiger: Für die erste der nur drei Unterbrechungen durch rote Flaggen sorgte am vorletzten Testtag dabei derselbe Mann wie am genannten zweiten Tag von Woche eins: Pierre Gasly. Der Franzose hatte seinen Red Bull RB15 ein zweites Mal bei den Wintertestfahrten 2019 verloren.

Dieses Mal nicht im langsamen Schlusssektor, sondern in der ultraschnellen Rechtskurve neun. Dort schlug das Auto durchaus heftig in die Streckenbegrenzung ein. Der Tag war gelaufen, Red Bulls zweite Rennsimulation zerstört. Schon am Vortag hatten die Bullen ihr Pensum durch einen Ausritt Max Verstappens nicht wie geplant umsetzen können. Unterbrochen wurde die Session für rund 25 Minuten.

Deutlich unspektakulärer fiel der zweite Zwischenfall des Tages aus. Gut eine Stunde vor Teste Ende rollte Lance Stroll im Racing Point auf der Gegengeraden einfach aus. Offenbar ein technischer Defekt am RP19. Dieses Mal dauerte die Rotphase mangels nötiger Kontrollen der Streckenbegrenzung nur halb so lang. Kurz vor Schluss rollte ein paar Meter früher auch noch der Ferrari von Charles Leclerc aus - dieses Mal immerhin kein großer Zeitverlust. Wie Ferrari kurz nach der Session mitteilte, zeichnete ein Problem mit dem Auspuff verantwortlich - wie bei Kunde Haas also.

Ohne Rot, aber genauso ärgerlich lief es unterdessen bei Haas. Nach 53 Runden für Kevin Magnussen am Vormittag musste das Team den Nachmittag mit Grosjean fast komplett abblasen. Erst 45 Minuten vor Feierabend pilotierte der Franzose den VF-19 wieder aus der Boxengasse. Immerhin für etwas mehr als nur eine Installationsrunde. Die wertvolle Testzeit gekostet hatte ein Auspuffleck. Zur Erinnerung: Vier Rotphasen hatte Haas an den bisherigen Tagen schon verursacht.

Probleme auch bei Toro Rosso: Weil die Hydraulik zwickte, musste auch das Red-Bull-B-Team eine Rennsimulation von Alex Albon abbrechen.


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