Formel 1

Formel 1, Mercedes-Felge zurück: Ohne Angst vor Ferrari-Protest

Mercedes beendete den Freitag in Abu Dhabi an der Spitze. Rückkehr der kontroversen Felge. Valtteri Bottas in Bestform, Lewis Hamilton entgeht Strafe.
von Florian Becker

Motorsport-Magazin.com - Mercedes schloss den Trainingsfreitag der Formel 1 in Abu Dhabi durch Valtteri Bottas' Bestzeit an der Spitze ab. Mit beiden WM-Titeln im Gepäck fahren die Silberpfeile beim Finale ohne Druck und völlig sorgenfrei. Weltmeister Lewis Hamilton gönnt sich die Startnummer 1 und entgeht abermals einer Strafe. Das Team überlegt, zum Abschluss der Saison noch einmal die kontroversen Felgen einzusetzen.

"Wir wollten nicht, dass die Weltmeisterschaft am grünen Tisch entschieden wird", erklärt Teamchef Toto Wolff am Mikrofon von Sky Sports F1, weshalb Mercedes zuletzt auf die zur Kühlung der Hinterreifen gedachten Distanzstücke an der Felge verzichtete. "Wir sahen keinen massiven Vorteil, aber dieses Wochenende können wir ihnen auch nochmal eine Chance geben."

"Die Weltmeisterschaft ist entschieden, also können wir nach dem letzten Rennen auch eine Kontroverse haben. Das hat keinen Einfluss mehr auf die Weltmeisterschaft", begründet der Österreicher, weshalb Mercedes das Risiko eines Protestes nun nicht mehr scheut. Ein besonders hohes Risiko bestand aber ohnehin nicht.

"Ferrari mochte sie nicht, aber wir haben die Erlaubnis der FIA, sie einzusetzen" sagt Wolff. "Aber wir wollten Querelen vermeiden, es war eine sehr heiße Angelegenheit." Im Training fuhren Bottas und Hamilton schon mit den gelöcherten Distanzstücken. Ob sie auch in Qualifying und Rennen zum Einsatz kommen, ist noch nicht entschieden.

Bottas in Topform: Darauf müssen wir jetzt aufbauen

Sportlich lief es für Mercedes mit der Bestzeit auf jeden Fall planmäßig, auch wenn Bottas am Ende nur vier Hundertstel vor Max Verstappen im Red Bull lag. "Das zweite Training war richtig gut. Das Auto vermittelte mir Vertrauen und ich konnte es so fahren, wie ich es wollte", so der Finne, der 2017 in Abu Dhabi die Pole und den Sieg holte.

"Mein Ziel ist es an diesem Wochenende, das Ergebnis aus dem Vorjahr zu wiederholen", sagt der 29-Jährige, dem in der laufenden Saison aus diversen Gründen noch nicht der Sprung auf die oberste Stufe des Podests gelang. Deshalb mahnt er: "Es ist schön, die Zeitenliste anzuführen, aber darauf müssen wir jetzt aufbauen."

Hamilton landete mit 0,207 Sekunden Rückstand auf die Bestzeit hinter dem Red-Bull-Duo. Der Weltmeister erlebte einen mehr oder weniger ereignisreichen Freitag. Vor allem das erste Training verlief etwas holprig. Auf seinem Weg zurück an die Box verpasste er durch einen Verbremser die Boxeneinfahrt, blieb auf der Strecke stehen und setzte zurück.

Hamilton entgeht Strafe, Mercedes-Motor in Ordnung

Das eigentliche Vergehen war das Überfahren der Boxeneingangslinie. Da der Zwischenfall nach Ablauf der 90 Minuten Trainingszeit stattfand und die Gefährdung eventuell folgender Piloten ausgeschlossen war, sprachen die Stewards lediglich eine Verwarnung aus. Für Hamilton ist es Nummer zwei in der laufenden Saison. Bei einer weiteren würde ihm eine Startplatzstrafe drohen.

Abgesehen davon hatte Hamilton einen guten Tag. Vor allem, nachdem sein Motor zuletzt in Brasilien Ärger gemacht hatte. "Wir haben einige Checks an der Power Unit von Lewis durchgeführt. Bislang sieht alles normal aus", so Mercedes' leitender Ingenieur an der Strecke, Andrew Shovlin.

Hamilton hat Red Bull in Abu Dhabi auf der Rechnung

Der Brite rückte im FP1 außerdem mit der Startnummer 1 auf der Front seines F1 W09 aus. Es war das erste Mal seit Sebastian Vettel in der Saison 2014, dass der Weltmeister die ihm gebührende Startnummer zur Schau stellte. Hamilton fährt ansonsten auch als amtierender Champion mit der Startnummer 44. Mit dieser war er auch wie gewohnt auf sämtlichen Timing Screens gelistet.

Die Aktion war allerdings eine einmalige Sache und einzig im Sinne der Show. "Mir persönlich gefällt es nicht", so Hamilton. "Es war nur für eine Session und hat nichts zu bedeuten. Der Grund, weshalb ich es gemacht habe, war, dass ich seit sechs Jahren hier bin und wir Weltmeister waren aber nie die Nummer eins auf dem Auto hatten. Ich dachte einfach, dass es cool ist."

Ob 44 oder 1, ob kontroverses Felgenkonzept oder nicht, Mercedes darf sich auch beim letzten Wochenende in Abu Dhabi zu den Favoriten zählen. Die Rolle des Hauptkonkurrenten geht aber wieder an Red Bull. "Red Bull hat heute schnell ausgesehen. Sie sind normalerweise im Training und Rennen schnell, deshalb bin ich mir sicher, dass es dieses Wochenende genauso sein wird", rechnet Hamilton abermals mit dem Underdog unter den Top-Teams.


Weitere Inhalte:
Wir suchen Mitarbeiter