Formel 1

Formel 1, Haas erklärt Force-India-Protest: Gleichheit für alle

Haas F1 protestiert in Abu Dhabi gegen die Boliden von Force India. Steward-Entscheidung vertagt. Doch jetzt nennt Teamchef Günther Steiner erste Details.
von Jonas Fehling

Motorsport-Magazin.com - Der Protest des Haas F1 Teams gegen Force India in Abu Dhabi liefert der Formel 1 am letzten Rennwochenende der Saison 2018 noch einmal eine Kontroverse. Am Donnerstag lancierte die FIA ein entsprechendes Dokument, das allerdings kaum Details bot. Einziger offizieller Hinweis: Es geht um die beiden Boliden von Esteban Ocon und Sergio Perez.

Offenbar ein ziemlich komplexer Fall. Einem Bericht von Auto, Motor und Sport zufolge soll ein Zusammenhang mit der Übernahme des Force-India-Teams im Sommer bestehen. Haas stufe die Boliden des Konkurrenten als illegal ein, weil der aktuelle Eigner des Teams diese gar nicht konzipiert habe. Der Protest sei zudem das letzte Mittel, weil Haas sich bereits seit Wochen darüber wundert, wieso Force India seine Antrittsprämie behalten darf.

Haas vs. Force India: Entscheidung erst Samstag

Am Donnerstag wurde allerdings nur entschieden, dass für Freitagvormittag eine ausführliche Anhörung anvisiert ist. Um elf Uhr Ortszeit wollten die Stewards erneut Teamverantwortliche vorsprechen und Dokumente einreichen lassen. Wenig später die nächste Vertagung: Aufgrund des Umfangs werde frühestens vor dem dritten Training am Samstag eine Entscheidung fallen.

Dementsprechend dünn ist die Faktenlage auch mehr als 24 Stunden nach Bekanntwerden des Protests noch. Immerhin Haas-Teamchef Günther Steiner stellte sich am Freitagabend, wie zuvor von Haas versprochen, im Fahrerlager den Medien, darunter auch Motorsport-Magazin.com.

Teamchef Steiner erklärt: Haas geht es um Gleichberechtigung

Worum es bei dem Protest konkret geht, wollte Steiner auf Nachfrage zum Thema Besitzerverhältnisse Force Indias allerdings nicht verraten. "Es gibt da keine einfache Antwort, kein klares ja oder nein. Da steckt viel hinter. Und wenn ich jetzt etwas sage, könnte das sehr schnell falsch rüberkommen", so Steiner zu MSM.

Nur den grundlegenden Kern offenbarte der Tiroler eindeutig - und bestätigt damit offen den Zusammenhang mit dem Preisgeld-Ärger. Dieser Protest sei jetzt einfach das letzte Mittel gewesen, so Steiner. "Wir dachten schon [in Spa, erstes Rennen für Force India unter neuer Lizenz, Anm. d. Red,] daran, wollten aber vermitteln und eine Lösung finden. Wir haben aber nie weder positive noch negative Antwort bekommen [von den Verantwortlichen bei FIA und Liberty Media], sondern gar keine Antwort. Und an einem gewissen Punkt musst du dann tun musst, was du tun musst."

Force India nicht das eigentliche Ziel

"Worum es uns geht, ist Gleichheit für alle Teams. Wir kamen unter ganz bestimmten Umständen in die Formel 1. Uns war bewusst, was wir zu tun hatten. Und wir haben all das gemacht. Aber wir haben das Gefühl, dass es dieses Mal mit Force India nicht gemacht wurde. Deshalb streben wir nach Gleichbehandlung oder zumindest einer Erklärung, warum es nicht gemacht wurde", erklärt der Haas-Teamchef.

Konkret um Force India gehe es Haas gar nicht, man wolle nicht speziell diesen Konkurrenten anschwärzen. Vielmehr geht es dem Team einfach um Grundsätzliches. "Das Problem ist größer als Force India. Wir wollen nur, dass alle gleich behandelt werden. Das ist alles, was wir wollen. Wir wollen nicht mehr (Geld, Anm. d. Red.), wir wollen nur, dass jeder auch in Zukunft weiß, was er zu tun hat", so Steiner zu Motorsport-Magazin.com.

Haas will Präzedenzfall schaffen

"Denn so schaffst du einen Präzedenzfall. Und du musst einen Präzedenzfall für die Zukunft schaffen", erklärt Steiner. "Wir wollen nicht mehr Geld für uns, wir wollen nur, dass es gerecht zugeht und so, wie es in den Regeln steht. Denn wir haben uns daran gehalten, als wir in die F1 gekommen sind."

Nur edle Absichten also bei Haas? Sonderlich gut für das Image eines Teams wirkt ein Protest gegen ein anderes dennoch nie. Erst zuletzt geriert auch Renault in die Kritik, weil die Franzosen ausgerechnet Haas angeschwärzt hatten. Steiner sieht das jedoch entspannt. Für ihn habe Renault keinen Imageschaden erlitten. "Und wieso sollten wir ein schlechtes Image bekommen? Wenn du für etwas kämpfst, das du für richtig hältst, dann bringt dir das kein schlechtes Image ein", meint Steiner.

Weitere Schritte möglich, Force India unbekümmert

Je nachdem wie die Stewards entscheiden, werde Haas noch weitere Schritte überlegen müssen, so der Teamchef. "Ich habe keine Ahnung, was sie jetzt machen. Ich gehe über die Brücke wenn ich sie erreiche. Sie könnten mit einer Übergangslösung kommen und ich sitze hier nur und spekuliere. Wir schauen dann. Es hängt davon ab, was sie entscheiden. Wenn es keinen Sinn macht, das weiterzuverfolgen, dann machen wir es nicht. Wenn doch, wenn wir einen anderen Weg sehen, es zu machen, dann werden wir es auch", so Steiner.

Sein Pendant auf Force-India-Seite geht unterdessen davon aus, dass sich das Thema sofort eindeutig auflösen wird. "Als der Protest eingereicht worden war, war es überhaupt keine Überraschung. Aber erwartet haben wir es vorher auch nicht wirklich. Aber es ist gut, dass jetzt alle Informationen den Stewards vorgelegt werden können, sodass sie bald eine Entscheidung auf guter Informationsbasis treffen werden", so Otmar Szafnauer.

Steiner hingegen rätselt, wie sein Kollege zu dieser Zuversicht gelangt. "Ich weiß nicht, warum er das sagt, aber er hat sicher seine Gründe. Doch am Ende entscheidet nicht er, sondern die Stewards."


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