Formel 1

Alonsos Formel-1-Opfer: Nie Zeit für Frau oder Kinder gehabt

Fernando Alonsos Formel-1-Karriere endet in Abu Dhabi. Was ihm Michael Schumacher bedeutet, worauf er stolz ist und welchen Preis die F1 für ihn hatte.
von Florian Becker

Motorsport-Magazin.com - Fernando Alonso wird beim Finale in Abu Dhabi sein letztes Formel-1-Rennen bestreiten. Mit dem Spanier verlässt einer der größten Fahrer der Geschichte den Sport. Vor dem letzten großen Auftritt lässt er seine Karriere noch einmal Revue passieren. Weshalb Michael Schumacher einen speziellen Platz in seinen Erinnerungen hat, worauf er besonders stolz ist und welche nutzlosen Ratschläge er den Rookies gibt.

"Diese Autos zu fahren ist etwas ganz Besonderes. Egal ob du 14. wirst oder aufs Podest fährst oder gewinnst. Wenn du im Qualifying oder nur im Training rausgehst und diese Autos fährst, diese Technologie bekommst du nirgendwo anders", erklärt Alonso, warum er die Königsklasse des Motorsports auch trotz aller Kritik in den vergangenen Jahren vermissen wird. Letztendlich ist das in der jetzigen Phase seines Lebens aber nicht genug, um ihn zum Weitermachen zu motivieren.

"Es gibt auch negative Aspekte in der Formel 1. Ich bin 17 Jahre hier und habe der Formel 1 mein ganzes Leben verschrieben. Keine Zeit für Freunde, Familie, eine Frau oder Kinder. Es braucht deine volle Hingabe, um erfolgreich zu sein. Aber ich habe nun andere Prioritäten", so der 37-Jährige, der erst kürzlich verkündete, sich 2019 auch in keiner anderen Rennserie den Stress antun zu wollen, eine komplette Saison zu bestreiten.

Alonsos beste Erinnerung aus der Formel 1: Menschen statt Siege

Erinnerungen hat er aus 311 Rennen mehr als genug, auf die er im kommenden Jahr reflektieren kann. Alonso erlebte die höchsten Höhen und die tiefsten Tiefen einer Formel-1-Laufbahn. Sein bester Moment? "Die Saison mit Lewis", lacht Alonso, als er an die Skandalsaison 2007 bei McLaren Mercedes erinnert. Viel mehr als einzelne Rennen oder Erfolge hält er aber etwas ganz anderes in Ehren.

"Das Beste, was ich aus meiner F1-Zeit mitnehme, sind die Leute, mit denen ich hier gearbeitet und mein halbes Leben verbracht habe", sagt er. "Mit talentierten Ingenieuren, Designern, Mechanikern und den Medien verbringe ich viele Tage in einer Saison." Und auch der Grund, weshalb er die Formel 1 verlässt, wird ihm in guter Erinnerung bleiben: "Wie du die Rennen angehst, die Disziplin. Wenn du in anderen Serien fährst, erkennst du, dass die Formel 1 eine Stufe höher ist. Du versuchst immer Perfektion zu erreichen, alle zwei Wochen, überall auf der Welt",

Ein denkwürdiges Rennen fällt ihm dann aber doch noch ein. "Valencia 2012. In einer normalen Welt würden wir das nie nochmal gewinnen", verweist er auf einen Sieg, den er vom elften Startplatz einfuhr. "Bei 100 Versuchen würden wir 99 Mal nicht gewinnen. Strategie, Überholmanöver, alles funktionierte, obwohl das Auto nicht besonders gut war." Auf dem Weg zu 32 Siegen und zwei WM-Titeln stand er den größten Piloten der letzten zwei Jahrzehnte gegenüber.

Schumacher steht für Alonso über allen anderen - aber nicht weil er so schnell war

Dass Michael Schumacher für ihn immer einen besonderen Platz einnehmen wird, machte er in der Vergangenheit mehrfach klar. Der Grund dafür sind allerdings nicht die Duelle auf der Rennstrecke, wie Alonso verrät: "Als ich in die Formel 1 gekommen bin, hat er den Sport dominiert. Als ich Go-Kart gefahren bin, hat er alles gewonnen und plötzlich fuhr ich Rad an Rad gegen ihn. Das war zu dieser Zeit etwas sehr Besonderes."

Piloten wie Hamilton, Vettel oder Verstappen sind fahrerisch zwei Jahrzehnte später für ihn durch die logische Evolution des Sports weiter als der Rekordweltmeister. "Wir hatten und haben jetzt gerade vielleicht die talentierteste Generation. Die Fahrer sind besser vorbereitet. Mit viel Zeit in Simulatoren und unterschiedlichen Nachwuchsprogrammen kommen sie auf einem Level in die F1, das damals undenkbar war", so Alonso.

Aus der Nostalgie heraus kann Schumacher für Alonso aber niemand das Wasser reichen: "Wenn ich einen Fahrer nennen müsste, wäre es Michael. Aber aus emotionalen Gründen, nicht aus technischen." Mit dem Deutschen hat er außerdem gleich mehrere Dinge gemein. Nicht nur, dass beide durch Flavio Briatore ihre große Chance samt des großen Durchbruchs in der Formel 1 erhielten.

Fernando Alonso und Michael Schumacher standen sich 2006 im Titelduell gegenüber - Foto: Sutton

Alonso stolz auf Formel-1-Hype in Spanien

So wie Schumacher Mitte der 1990er die deutschen Fans mobilisierte, machte Alonso dies Anfang der 2000er Jahre in seinem Heimatland. "Ich bin darauf sehr stolz. Man realisiert erst mit der Zeit, wie viele Menschen in Spanien, vor allem in meiner Heimat Asturien, den Sport jetzt verfolgen", sagt der spanische Nationalheld. "Wie viele in mein Museum in Oviedo kommen und dann zum ersten Mal Kart fahren. Motorsport war in meinem Land vorher keine Tradition, die F1 wurde nicht einmal im TV übertagen."

Die wachsende Popularität des Motorsports in Spanien veranlasste ihn 2015 zum Launch der Fernando Alonso Karting School. Dem Nachwuchs seinen Spirit mit auf den Weg zu geben, ist ihm ein genauso wichtiges Vermächtnis wie die Erfolge in der Formel 1. "Ich habe immer versucht, mein Bestes zu geben. Mit den Kids in der Kartschule zu arbeiten, und versuche ihnen und den Fans mit meinem Wissen zu helfen, das ich habe. Und auch mit den Möglichkeiten, die ich damals nicht hatte. Wenn sie Träume und Talent haben, freue ich mich, ihnen zu helfen", sagt er.

Alonso-Anekdote für die Formel-1-Rookies

In der Saison 2018 betätigte er sich auch schon für seinen McLaren-Nachfolger Lando Norris als Lehrmeister. Für diesen und die anderen Rookies hat er allerdings nicht mehr die nützlichsten Ratschläge parat, für den Ernstfall beim Saisonauftakt in Melbourne. "Mein Rat ist nicht wertvoll, weil ich 2001 mein Debüt mit Minardi gegeben habe", erinnert er an seine Anfänge in der Königsklasse beim absoluten Hinterbänkler-Rennstall.

"Ich konnte das Auto vor Australien nicht testen. Das Team war dabei Pleite zu gehen, die Autos wurden erst in letzter Sekunde nach Australien geflogen. Am Donnerstag wurde das Lenkrad das erste Mal aufs Auto gesteckt", fügt er an und ergänzt mit einem Schmunzeln. "Am Boxenausgang bin ich fast in die stehenden Autos gefahren, weil ich den Knopf für den Leerlauf nicht finden konnte."

Fernando Alonso gab 2001 für das Hinterbänkler-Team Minardi sein Debüt - Foto: Sutton

Formel-1-Comeback nicht ausgeschlossen: Tür für Alonso weiter offen

2019 wird Alonso weiter für Toyota in der WEC fahren und auch sein Start bei den Indy 500 mit McLaren ist bereits fix. Die Zukunft über das kommende Jahr hinaus lässt er völlig offen. Ähnlich wie Ende 2016 Jenson Button, möchte er herausfinden, ob bei ihm die Lust auf die Formel 1 nach einem Jahr Pause vielleicht zurückkehrt. "Im Moment ist es schwierig, daran zu denken. Aber die Tür ist nicht geschlossen. Denn ich weiß nicht, wie ich mich im nächsten Jahr fühle", erklärt er.

"Ich habe das mein ganzes Leben lang gemacht. Vielleicht verzweifle ich im April oder Mai schon auf dem Sofa und versuche, einen Weg zurück zu finden. Aber das ist nicht der Plan. Es geht mehr um mich selbst. Wenn ich zurückkomme, dann nicht aus einem speziellen Grund. Es gibt keine Deadline oder so. Es wird davon abhängen, wie ich mich Mitte nächsten Jahres fühle."


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