Formel 1 / Hintergrund

Formel-1-Zukunft Teil 1: So steht es um Macht, Geld & Motoren

Die Formel 1 arbeitet an vielen Fronten an ihrer Zukunft. Liberty Media gibt Auskunft über den Stand beim Concorde Agreement, Budgets und TV bzw. Streaming.
von Christian Menath

Motorsport-Magazin.com - Seit knapp zwei Jahren beherrscht Liberty Media nun die Formel 1. Seither ist viel passiert: Bernie Ecclestone wurde als Geschäftsführer abgesetzt, stattdessen eine regelrechte Führungsriege installiert. Das Trio um Chase Carey, Ross Brawn und Sean Bratches hat seither schon viel verändert.

Weil Liberty Media ein börsennotierter Konzern ist, müssen die Amerikaner regelmäßig Geschäftszahlen offenlegen und Investorenkonferenzen abhalten. Der dritte Quartalsbericht war am 8. November für das Geschäftsjahr 2018 fällig. Ein guter Zeitpunkt, um die vorgelegten Informationen zu analysieren und eine Bestandsaufnahme der Formel 1 zu machen.

Concorde Agreement - die Formel 1 ab 2021

Es ist das wichtigste Kapitel. Die aktuellen Verträge zwischen kommerziellem Rechteinhaber (Liberty Media), der FIA und den Teams laufen bis einschließlich 2020. Einst Concorde Agreement genannt, sind es heute bilaterale Verträge zwischen den einzelnen Parteien. Das große Ganze aber blieb: Es geht darum, wie der Sport geregelt wird und wer wie viel Geld erhält. Dadurch wird auch geregelt, wer überhaupt an der Formel 1 teilnimmt.

Deshalb steht die Zukunft der Formel 1 auf dem Spiel: Während die reinen Rennteams wie Williams, Force India, Sauber und Co. keine Wahl haben - sie existieren nur mit der Formel 1 - haben die großen Werksteams sehr wohl eine Wahl. Gönnt sich ein Hersteller den Luxus der Formel 1? Deshalb drohen Mercedes, Ferrari und Co. regelmäßig mit Ausstieg.

Die Geldverteilung ist ein zentraler Streitpunkt. Aktuell erhalten Mercedes, Ferrari und Red Bull enorme Extra-Zahlungen. Auch McLaren und Williams bekommen zusätzliches Geld für ihre historischen Errungenschaften über das Preisgeld hinaus. Vor allem Ferraris Bonuszahlungen sind den kleinen Teams ein Dorn im Auge. Aber verlässt Ferrari die Formel 1 sollte es die zusätzlichen Millionen nicht mehr geben?

Einst war es Bernie Ecclestone der Strippenzieher bei den Verhandlungen - Foto: Sutton

Genau deshalb sind die Verhandlungen so schwer. "Wir reden lieber nicht öffentlich darüber", sagte Formel-1-Boss Chase Carey auf der Investorenkonferenz. "Es gibt keine Deadline, die uns Druck macht, aber wir hätten lieber früher als später eine Lösung. Wir haben interne Ziele, aber es wäre nicht konstruktiv, diese zu kommunizieren. Dadurch entstünde eine Dynamik, die uns nicht hilft."

Aktuell hakt es an dieser Front noch. Die Teams treffen sich nun regelmäßig ohne Liberty Media und organisieren sich selbst. In Brasilien spalteten sich die Teams schon in zwei Lager: Mercedes, Ferrari und Red Bull trafen sich auf der einen Seite des Fahrerlagers, während sich die restlichen Teams separat bei Haas trafen.

Formel-1-Budgetgrenze: Nur noch 150 Millionen?

Ein zentraler Bestandteil der Diskussionen für die Fomel-1-Zukunft ab 2021 ist auch die Budgetgrenze. Um die Zweiklassengesellschaft zu beenden, sollen die großen Teams nicht mehr unbeschränkt Geld ausgeben dürfen. Mercedes und Co. sehen zwar ein, dass sie zu viel Geld ausgeben, doch mit einer fixen Budgetgrenze verlieren sie ihre Garantie, vor den kleinen Teams zu sein. Hier sind die Verhandlungen ähnlich schwierig wie beim Preisgeld.

Chase Carey hat keinen einfachen Weg vor sich - Foto: Sutton

Ursprünglich war eine Budgetgrenze von rund 150 Millionen Dollar angedacht. Inzwischen wird diese Summe aber nach und nach aufgeweicht. Manche sprechen von einer schrittweisen Reduktion, um sich auch beim Personal langsam diesen Regionen nähern zu können. Andere sprechen von einer generellen Anhebung der Obergrenze.

Formel-1-Teams bekommen 2019 weniger Geld

Bleiben wir beim Geld: Ganz glücklich sind die Teams derzeit nicht mit Liberty Media. Der Grund sind rückläufige Einnahmen aus dem Preisgeldtopf. Der kommerzielle Rechteinhaber schüttet einen gewissen Anteil seines Gewinns an die Teams aus. Blöd nur, wenn der Gewinn rückläufig ist - dann verdienen gleich alle Teams weniger.

Team-Zahlungen

Jahr 2017 2018
1. Quartal 47 45
Rennen im Zeitraum 1 1
2. Quartal 330 307
Rennen im Zeitraum 7 7
3. Quartal 273 344
Rennen im Zeitraum 6 8
Zahlungen Gesamt 650 704
Rennen 14 16
Mio $/Rennen 46 44

Angaben in Mio. US-Dollar

In den ersten beiden Quartalen gab es einen deutlichen Rückgang der Team-Zahlungen. Insgesamt gab es 25 Millionen weniger, die auf die zehn Teams ungleich verteilt werden. Der dritte Quartalsbericht lässt die Teams etwas aufatmen: Hier stiegen die Preisgeld im Vergleich zum Vorjahr um 26 Prozent. Damit ist das Minus der ersten beiden Quartale mehr als ausgeglichen.

Doch Vorsicht: 2018 fanden im dritten Quartal acht Rennen statt, 2017 lediglich sechs. Neben der Entwicklung der Boliden ist auch der Einsatz an den Rennwochenenden kein Pappenstiel. Pro Rennen verdienten die Teams 2018 jedenfalls weniger als im Vorjahr.

Insgesamt sanken die Einnahmen der Formel 1, dazu erhöhten sich die Ausgaben. Vor allem, weil Liberty Media weiterhin in technische Infrastruktur und den Ausbau des digitalen Angebots arbeitet. Waren in den vergangenen Jahren rund 50 Mitarbeiter der Formel 1 an der Strecke, sind es inzwischen 200. Das alles kostet Geld und lässt den Geld-Kuchen erst einmal schrumpfen.

Einnahmen Formula One Group

Jahr 2017 2018
1. Quartal 96 114
Rennen im Zeitraum 1 1
2. Quartal 616 585
Rennen im Zeitraum 7 7
3. Quartal 501 647
Rennen im Zeitraum 6 8
Einnahmen gesamt 1213 1346
pro Rennen 87 84

Angaben in Mio. US-Dollar

"Wir dürfen die kurzfristige Perspektive aber nicht über die langfristige Perspektive stellen", mahnt Carey. "2019 erwarten wir, die Möglichkeiten, die in der Formel 1 schlummern, extrahieren zu können." Liberty Media investiert derzeit Geld, um später mehr zu verdienen - so zumindest die Theorie.

Formel 1 im TV und im Livestream

Wie der Name schon sagt ist Liberty Media allen voran ein Medienunternehmen. Entsprechend liegt der Fokus auf der Vermarktung und der Distribution der Königsklasse. In Deutschland wird die Formel 1 seit dieser Saison nur noch auf RTL im TV übertragen, Sky verlor die Pay-TV-Rechte. Stattdessen wurde mit F1 TV ein eigener Stream auf den Markt gebracht.

Liberty Media arbeitet weiter an F1 TV - Foto: Screenshot/Formula1.com

Zu Beginn des Jahres verzögerte sich der Launch, dann kam es zu technischen Problemen. Deshalb wird F1 TV erst 2019 groß beworben, wenn die Kinderkrankheiten aussortiert sind. 2018 war sozusagen ein öffentlicher Beta-Test. Das Angebot wird dafür weiter ausgebaut, weitere Rennen kommen zum Archiv hinzu, das Live-Erlebnis verbessert.

Zahlen zu den Abonnenten gibt es nicht, dafür die der TV-Stationen. Insgesamt verzeichnet 2018 einen Rückgang bei den TV-Zuschauern. Drei Prozent verlor die Königsklasse trotz gutem WM-Kampf im Vergleich zum Vorjahr. Ausgerechnet Ferraris Heimat Italien ist daran schuld. Denn dort verschwand die Formel 1 komplett ins Bezahlfernsehen.

Dass der Rückgang moderat ausfällt, ist dem starken Aufwärtstrend in wichtigen, bisher deutlich unterentwickelten Märkten geschuldet. In den USA verzeichnet ESPN einen Zuwachs von 50 Prozent im Vergleich zu NBC, wo die Formel 1 bisher übertragen wurde. In China beträgt das Wachstum sogar 250 Prozent. Deshalb stimmen die TV-Zahlen trotz des kleinen Rückgangs positiv.

Im zweiten Teil zur Formel-1-Zukunft geht es um Motoren, Regeln und den Rennkalender.


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