Formel 1

Formel-1-Rennkalender: Silverstone wackelt, Miami-Lage knifflig

Liberty Media bastelt eifrig am Rennkalender für die Zukunft der Formel 1. Für 2019 steht der Plan, danach kann sich viel ändern. Update von F1-Boss Carey.
von Jonas Fehling

Motorsport-Magazin.com - Die Formel-1-Chefs von Liberty Media feilen aktuell an der Zukunft der Königsklasse. Es geht um Motoren, Regeln, Budgets - und den Rennkalender. Für 2019 ist dieser bereits verabschiedet (mit Deutschland!), doch schon im Jahr danach scheint so gut wie alles möglich.

Fix ab 2020 dabei ist der neue Vietnam Grand Prix in Hanoi, wie die Formel 1 vor gut einer Woche mitteilte. Für Liberty Media ist es der erste selbst eingefädelte Neueinsteiger. Doch dann geht es bereits los. Aktuell ein großes Thema: Wie geht es mit dem Großbritannien GP weiter?

Formel 1 2019 zum letzten Mal in Silverstone?

Silverstone verfügt nur noch über einen gültigen Vertrag für die kommende F1-Saison 2019. Für alles danach muss neu verhandelt werden: Im Juni hatte der Streckeneigner, der British Racing Drivers' Club, eine Ausstiegsoption gezogen. Damit ist die ursprüngliche Laufzeit bis 2026 hinfällig. Hintergrund war einmal mehr die Last einer immensen Antrittsgebühr, die sich im Fall des Silverstone-Vertrags wegen einer vereinbarten Dynamik sogar jährlich erhöhen sollte.

Seitdem wird an einer Lösung gearbeitet. Der Fortschritt? Fragwürdig. "Es sind laufende Verhandlungen. Deshalb wollen wir nicht viel dazu sagen. Aber sind auf jeden Fall aktive Gespräche", sagte nun F1-Boss Chase Carey. Was noch neutral klingt, entpuppt sich mit einer weiteren Aussage der Liberty-Verantwortlichen für die Formel 1 jedoch als deutlich negativer.

F1-Boss: Wissen um Wert Silverstones, aber ...

Gut scheint es offenbar nicht auszusehen. "Wir wissen um den Wert des Rennens in Silverstone", sagt Carey zwar. "Aber wir müssen auch an einen Ort, der für uns funktioniert. Und diese Diskussionen laufen noch. Es gibt immer andere Optionen und wir müssen sicherstellen, dass wir sie weiterentwickeln." Ein Bekenntnis zum Austragungsort des ersten Formel-1-Rennens überhaupt klingt anders.

Carey weiter: "Wir sind in der glücklichen Position, dass wir mehr Länder haben, die Rennen wollen als wir Rennen fahren können. Das ist eine gute Situation. Wir werden deshalb weiter die Optionen entwickeln, müssen dabei aber sicherstellen, dass wir die beste Entscheidung für die Fans, das Racing und für uns als Business treffen."

Mehr Anwärter für Rennkalender als Rennen möglich

Dass den Fans die Tradition, gerade den britischen Petrolheads Silverstone am Herzen liegt, ist Liberty also durchaus bewusst. Das lässt Carey nicht zum ersten Mal wissen. Aber reicht das? Vielmehr schienen zuletzt diverse andere Standorte im Fokus. Nicht nur wegen Vietnam, sondern auch Assen, Zandvoort, Kopenhagen und - allen voran - Miami.

In Florida sollt ursprünglich schon 2019 der ersehnte zweite US-Grand-Prix entstehen, doch diverse Verzögerungen haben dafür gesorgt, dass Liberty seine erste eigene Handschrift im Formel-1-Rennkalender nun doch nicht in der eigenen Heimat hinterlässt. Gänzlich abgeblasen ist Miami allerdings nicht. "Miami ist ein schwebender Prozess", stellt Carey klar.

Zweiter USA GP in Miami: Diverse Parteien machen Probleme

"Da sind viele Parteien involviert, was bei einem Straßenrennen auch nicht ungewöhnlich ist. Makropareiten und Mikroparteien, das ist ein zeitaufwändiger Prozess", erklärt Carey. Damit zielt der F1-Boss insbesondere auf diverse Anrainer des geplanten Streckenlayouts. Nicht alle sind glücklich, jedes Jahr Platz für die Formel 1 machen zu müssen. Da bringt es auch nichts, dass der zuständige Stadtrat der F1 längst sein Go gegeben hat. Zuletzt wurden daher bereits alternative Streckenführungen überlegt.

Doch nicht nur das. Auch, um die Zweifler umzustimmen, organisierte die Formel 1 passend zum USA Grand Prix in Austin ein Fanfestival in Miami. "Das war eine Hilfe. Ich denke, da hat es jeder in Miami für eine tolle Erfahrung gehalten. Die Begeisterung war großartig, 80.000 Leute waren da und so gut wie alle Kommentare positiv. Das war ein positiver Schritt", freut sich Carey. "Aber es braucht Zeit, weil man in Miami so viele Anlaufstellen hat."

USA GP genießt Priorität

Unabhängig davon gebe es in den Vereinigten Staaten aber noch diverse weitere Möglichkeiten. "Die USA bleiben auf jeden Fall die Priorität. Wir sind aber auch noch anderswo in den USA in Gesprächen, nicht nur in Miami. Aber Miami könnte für uns ein toller Event sein, weltweit , nicht nur in den USA", sagt Carey.

Doch wie viele Grands Prix sind unter dem Strich überhaupt sinnvoll? Hier schwebt Liberty Media die magische Zahl 25 vor Augen. Doch im Fahrerlager zeigen sich davon die wenigsten begeistert. Zuletzt graute es davor niemand geringerem als dem Weltmeister. "Die aktuelle Saison fühlt sich an, als hätten wir bereits 25 Rennen. Also glaube ich nicht, dass wir das noch mehr ausbauen sollten. Ich fand 18 Rennen pro Saison immer ganz in Ordnung", so Lewis Hamilton.

Wie viele Rennen sind zu viel? Hamilton: Bei 25 bin ich weg!

Wie ernst es dem Briten damit ist? Sehr ernst: "Die Erholungszeit ist heute schon kurz. Ich habe den Eindruck, dass ich schon mit der Vorbereitung für die nächste beginne, kaum ist die Saison vorbei Jedenfalls ist es sehr wahrscheinlich: Wenn wir 25 GP haben, dann bin ich weg!"


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