Formel 1

Formel 1, Hamilton & Rosberg tadeln Verstappen: Risiko unnötig

Formel-1-Welmeister Lewis Hamilton sieht Max Verstappen bei seinem Unfall mit Esteban Ocon in Brasilien in der Mitverantwortung. Nico Rosberg stimmt zu.
von Jonas Fehling

Motorsport-Magazin.com - Lewis Hamilton gibt nach dem Brasilien GP der Formel 1 in Sao Paulo den Lehrmeister für Max Verstappen. Schon direkt im Fahrerraum nach dem Rennen tadelt der Weltmeister kurz vor der Zeremonie auf dem Podium den Red-Bull-Fahrer für dessen Zweikampf mit dem überrundeten Esteban Ocon.

Der Unfall mit dem Franzosen hatte Verstappen durch einen Dreher die Führung gegen Hamilton gekostet und für einen Eklat mit mehreren Eskalationsstufen bis hin zu Handgreiflichkeiten geführt. Den Crash selbst kreideten FIA-Stewards wie diverse Experten jedoch zuvorderst ganz klar Ocon an. Der Force-India-Pilot kassierte eine Stop&Go-Strafe.

Hamilton an Verstappen: Ocon hatte nichts zu verlieren, du schon

Hamilton jedoch sieht den Vorfall differenzierter. "Aber er darf sich zurückrunden", belehrt Hamilton Verstappen, der auf Nachfrage des Drittplatzieren, Kimi Räikkönen, gerade die Szene mit Ocon geschildert hatte, dabei immer noch seinen Frust deutlich zeigte. "Yeah, ich weiß", gesteht Verstappen daraufhin. "Aber du darfst nicht in den Leader crashen, der nichts Verrücktes anstellt."

Darauf gibt Hamilton zurück: "Du hattest aber mehr zu verlieren als er. Er hatte nichts zu verlieren, du alles." Jetzt weiß Verstappen keine Antwort mehr. Weil er weiß, dass Hamilton recht hat, er nur so den Sieg verlor, auch keine Konterchance mehr hatte, da sein Red Bull massiv beschädigt worden war? Möglich.

Hamilton stichelt: Nicht überrascht von Verstappen-Übereifer

Lewis Hamilton jedenfalls kommt auf seinen Punkt später in der Pressekonferenz erneut zurück. "Ich war nicht überrascht davon oder so", sagt Hamilton über den Moment, als er den Dreher Verstappens vor sich sah. Ein feiner Nadelstich gegen Verstappen, seinen vielleicht 2019 nächsten großen Rivalen.

Hamilton weiter: "Ich habe sie gegeneinander fahren gesehen, aber sie haben nicht um eine Position gekämpft. Ich wäre da anders herangegangen. Immerhin konnte er noch weiterfahren und niemand hat sich verletzt. Max geht immer aufs Ganze und irgendwann bekommst du dafür dann mal die Quittung."

Rosberg: Hamilton hat Recht, Verstappen muss da vorsichtiger sein

Zustimmung für diese Einschätzung erntet der Formel-1-Weltmeister ausgerechnet von einem seiner größten Kontrahenten der letzten Jahre: Ex-Teamkollege Nico Rosberg. Schon zuletzt zeigte sich der Weltmeister von 2016 mehrfach extrem begeistert von dem neuen Level, auf den sich Hamilton sportlich 2018 katapultiert hat. Jetzt stimmt er seinem alten Intimfeind im eigenen Team also auch noch bei gewissen Einschätzungen zu.

"Ich fand es ganz interessant, was Lewis gesagt hat. Denn ich bin da auch seiner Meinung", so Rosberg in seinem Youtube-Vlog zum Rennen. "Ich bin da bei Lewis Es ist Ocons gutes Recht, zu versuchen, wieder zurückzukommen und sich zurückzurunden. Das hat er versucht. Gut, sehr aggressiv. Aber er war schon daneben", sagt Rosberg.

Verstappen müsse da einfach mit mehr Maß an die Sache herangehen. Rosberg: "Da muss der Max sich vielleicht doch auch selbst sagen: 'da hätte ich vielleicht doch ein bisschen vorsichtiger sein müssen und zurückstecken müssen.' Das hätte er da auch machen können, es hätte ihn ja nichts gekostet. Ganz so deutlich, dass es 100 Prozent Ocons Schuld ist, bin ich deshalb nicht so. Ich bin da so lala. Schwierig." Hamilton benannte das Verhältnis der Schuld sogar prozentual: "Es waren nicht hundert Prozent, vielleicht eher 60:40 für mich."

Anders sieht es Christian Horner. Der Red-Bull-Teamchef sieht seinen Fahrer zu den vollen 100 Prozent unschuldig: "Ich denke nicht, dass das seine Verantwortung ist. Er ist am Ende der Raceleader und Ocon überrundet. Er (Ocon, Anm. d. Red.) hat ein Auto, das auf der Geraden so viel schneller ist. Was um Himmels willen hat er da gedacht, was er macht. Er hat es nicht gut gemacht. Er ist verantwortlich. Max musste sich sogar verteidigen in Kurve eins."


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