Formel 1

Entscheidet die Zuverlässigkeit über den Titelgewinn?

Nicht nur die Performance wird in diesem Jahr über den Titelgewinn entscheiden. Auch die Zuverlässigkeit spielt eine entscheidende Rolle.
von Stephan Heublein

Motorsport-Magazin.com - Sven Heidfeld empfindet es als "unglaublichen Wahnsinn", dass das schnellste Auto im Starterfeld noch immer nicht eine oder gar beide WM-Wertungen anführt.

In der Realität sieht es sogar noch schlimmer aus: Trotz des Sieges von Juan Pablo Montoya in Silverstone und der neuerlichen Machtdemonstration eines wie wild durch das Feld nach vorne preschenden Kimi Räikkönen, hat sich der Rückstand des Finnen in der Fahrerwertung nach elf Rennen auf 51:77 Punkte vergrößert. Aber zumindest in der Konstrukteurs-WM konnten die Silbernen ihren Rückstand auf 15 Punkte und einen Stand von 87:102 verkürzen.

McLaren braucht mehr Zuverlässigkeit - aber nicht bei Renault

Wir brauchen Ausfälle von Renault.
Martin Whitmarsh

Dennoch wissen die Silbernen, dass der oder die Titel sich von Rennen zu Rennen immer weiter von Woking in Richtung Enstone entfernen. "Wir hätten die letzten acht Rennen gewinnen müssen", ärgert sich CEO Martin Whitmarsh über die erstaunlich vielen technischen Probleme am selbst von Renault und Fernando Alonso anerkannt besten Auto - dem MP4-20. "Aber wir haben sie nicht gewonnen."

Unter anderem, weil gerade WM-Kandidat Räikkönen mehr als nur Pech hatte: Ein Reifenschaden in Malaysia, ein Antriebsdefekt in Imola, ein Aufhängungsbruch in Folge eines Reifenschadens am Nürburgring sowie zwei Motorschäden in den Trainings in Frankreich und Großbritannien.

Im Gegenzug dazu kam Fernando Alonso nur einmal nicht ins Ziel: Nach seinem Fehler in Montreal, als er mit seinem R25 auf der Flucht vor dem Ice Man die Mauer küsste. Ansonsten hielt sein gelb-blauer Bolide sogar wenn es technische Probleme gab. Und dies könnte der Unterschied zwischen den beiden Titelanwärtern und letztlich sogar der entscheidende Faktor im WM-Kampf sein: Während bei Kimi Probleme zu Ausfällen oder Motorwechseln führten, gewann Fernando in Imola sogar mit einem stark angeschlagenen Auto das Rennen vor Michael Schumacher.

Die Franzosen möchten konservativ zum Titel fahren. - Foto: Sutton

Entsprechend weiß man im McLaren Technology Centre, was die Stunde geschlagen hat. "Wenn Renault ein- oder zweimal ausrutschen sollte, dann sind wir in beiden Meisterschaften wieder da", prophezeit Whitmarsh. Den Konstrukteurstitel hält er in einem solchen Fall aber für einfacher zu erringen als den Fahrertitel. "Wir machen aber keine Vorhersagen. Wir sagen nur, dass wir es schaffen können und dass wir da sein werden. Dafür müssen wir aber noch viele Rennen gewinnen." Das klare Ziel ist es deshalb beim Deutschland GP einen Doppelsieg einzufahren. "Und darauf zu hoffen, dass jemand anderes Renault Punkte wegnimmt."

Konservative Herangehensweise bei Renault

Danach sieht es momentan allerdings nicht aus. Denn weder Ferrari noch British American Racing, Williams oder Toyota konnten Renault zuletzt das Wasser reichen. Somit bleibt für Kimi & Co nur die Hoffnung auf Probleme und Ausfälle bei der Briatore-Truppe.

Und das dies die einzige Chance der Silbernen ist, wissen natürlich auch die Franzosen von Renault, die in den kommenden Rennen entsprechend vorsichtig zu Werke gehen möchten und werden. "Im Vergleich zu unseren Rivalen, die aufholen und deshalb unvermeidlich Risiken eingehen müssen, können wir ab sofort konservativ arbeiten", kündigt Chefrenningenieur Pat Symonds eine taktische Vorgehensweise der Gelb-Blauen an.

Mclaren muss größere Risiken eingehen als wir.
Pat Symonds

Demzufolge wisse man ganz genau, was es bedeute "um jeden Preis voll attackieren" zu müssen. "Denn das haben wir im letzten Jahr versucht um B·A·R im Kampf um Rang zwei der Konstrukteurs-WM hinter uns zu halten." Und damals ging die Taktik nicht auf: Die Richards-Truppe wurde WM-Zweiter und Renault musste sich mit Rang drei begnügen. Das soll 2005 nicht noch einmal geschehen, weswegen man nun lieber konservativ und überlegt an die Rennwochenenden herangeht und sich auch einmal mit Rang zwei begnügt. Schließlich spricht das Punktesystem mit dem geringen Abstand zwischen dem Sieger und dem Zweiten für die Franzosen.

Einen großen Unterschied zwischen den beiden Teams sieht Symonds allerdings nicht. "Wenn ich etwas finden müsste, dann würde ich sagen, dass sie etwas genauer und strenger sind, während wir einfallsreicher und etwas mehr abenteuerlustig sind."

Für Fernando Alonso und sein Team bleibt zu hoffen, dass die konservative Vorgehensweise sie dieser Stärke nicht beraubt. Denn dann könnte am Ende, wenn es wirklich zählt, vielleicht doch noch das beste Auto die WM-Wertung anführen.


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