Formel 1

Formel 1, Mexiko 2018: Die heißesten Fragen vor dem Rennen

Lewis Hamilton kann sich zum Weltmeister krönen, Sebastian Vettel sucht den Weg aus der Krise. Im Hinterhalt lauert Red Bull. Die Brennpunkte in Mexiko.
von Florian Becker
Formel 1 2018: Brennpunkte vor dem Mexiko GP: (07:02 Min.)

Viva Mexico! Die Formel 1 zieht für das 18. der 21 Rennen im Kalender 2018 von den USA in sein südlich gelegenes Nachbarland weiter. In Austin war Rennsieger Kimi Räikkönen nicht die einzige große Überraschung. Fast genau so verblüffend war die Tatsache, dass Mercedes patzte und Lewis Hamilton den Titel nicht vorzeitig sicherstellte. Leider keine Überraschung mehr war Sebastian Vettels erneuter Patzer. Kann Mercedes seinen kleinen Fehler ausbügeln und gelingt es Vettel endlich seine Pleitenserie zu beenden? Die Brennpunkte Mexiko.

Mexiko-Brennpunkt #1: Kommt Vettel aus dem Tief?

Sebastian Vettels Saison 2018 ist in der zweiten Saisonhälfte zu einem regelrechten Albtraum verkommen. Der Ferrari-Pilot, einst noch heißer Anwärter auf den WM-Titel, befindet sich seit seinem bitteren Fehler in Hockenheim auf einer Talfahrt, die lediglich beim Sieg in Spa-Francorchamps kurzzeitig gebremst wurde. Spätestens die Kollision mit Daniel Ricciardo in Austin zeigte, wie tief das Loch ist, in das der viermalige Weltmeister in den letzten Rennen gefallen ist.

"Klar, das muss nicht sein", rang Vettel unmittelbar nach dem Rennen am RTL-Mikrofon um Worte. "Wenn's mal läuft, dann läuft's." In solch einer Situation befand sich Vettel in seiner Karriere allerdings noch nie. Das Selbstvertrauen und die Sicherheit im Zweikampf scheinen ihn nach den vielen Fehlschlägen für den Moment verlassen zu haben. Doch es gibt Hoffnung. Lewis Hamilton hatte 2011 eine ähnliche Seuchensaison, bei der fast jedes Duell, vornehmlich mit Felipe Massa, in einer Kollision endete.

Der Brite fand zurück zu alten Tugenden und fährt Jahre später stärker als je zuvor. Max Verstappen war in den ersten Saisonrennen der Bad Boy, der Wochenende um Wochenende in jedes Fettnäpfchen trat. Auch er hat sich mittlerweile rehabilitiert. Vettel kann also durchaus der Befreiungsschlag aus dem Teufelskreis gelingen, auch schon in Mexiko. Der Ferrari war zumindest in den USA wieder siegfähig. Ob es in Mexiko aber auch der Fall sein wird, ist für Vettel fraglich. "Wir verstehen es noch nicht," sagte er über den plötzlichen Aufwärtstrend.

Mexiko-Brennpunkt #2: Löst Mercedes die Probleme?

Mercedes und Probleme, diese zwei Wörter in einem Satz zu nennen war in den letzten paar Monaten so gut wie ausgeschlossen. In Austin leistete sich das Weltmeister-Team seit langer Zeit wieder ein Wochenende, an dem es sein Potential nicht voll ausschöpfte. Der Silberpfeil mutierte in den USA wieder zum Reifenfresser, was Hamilton schlussendlich den Sieg und die vorzeitige Titelverteidigung vermasselte.

Die Gründe lagen auf der Hand. Durch die verregneten Trainings fehlten schlichtweg die Longrun-Daten, um für das Rennen das richtige Reifenmanagement parat zu haben. Ein Problem, dass den Teams in Mexico City wahrscheinlich nicht blühen wird. Der Wetterbericht sagte mittlerweile wieder einen trockenen Trainingsfreitag vorher. Dementsprechend ist es unwahrscheinlich, dass sich das Bild von Austin bei Mercedes wiederholt.

Chef-Tiefstapler Toto Wolff sieht in Mexiko auch eine ganz andere Herausforderung für sein Team. "Das Autodromo Hermanos Rodríguez stellt angesichts seiner Höhenlage und den Anforderungen an die Autos sowie die Power Units einen Sonderfall im Rennkalender dar. Die Strecke gehörte in den vergangenen Jahren zu unseren schwächeren Wochenenden und wir erwarten dort einen harten Kampf gegen Ferrari und Red Bull", glaubt der Österreicher.

Mexiko-Brennpunkt #3: Schlägt Red Bull wieder zu?

Um ein Haar hätte Red Bull in Austin schon wieder den großen Coupe gelandet. Verstappen fuhr mit einer weiteren makellosen Performance bis auf den zweiten Platz vor und überquerte die Ziellinie nur eine Sekunde hinter Rennsieger Kimi Räikkönen. Mit etwas mehr Power im Heck wäre der Niederländer wohl auch vorbeigekommen - und genau aus diesem Grund bedeutet Mexico City gute Nachrichten für die Bullen.

Durch die Höhenluft wird das Leistungsdefizit des Renault-Aggregats kaschiert. 2017 lieferte Verstappen mit Platz zwei im Qualifying den Beweis, als er um nicht einmal eine Zehntel an seiner ersten Pole Position in der Königsklasse vorbeischrammte. Dieses Jahr täte er gut daran das nachzuholen, denn um Vettel als jüngsten Pole-Sitter der Geschichte abzulösen, bleibt ihm nur noch bis zum 13. Dezember 2018 Zeit. Dann erreicht er Vettels 21 Jahre und 72 Tage.

Vor einem Jahr konnte Verstappen zumindest das Rennen für sich entscheiden. "Ich freue mich zurück nach Mexiko zu kommen, der Kurs liegt unserem Auto besser. Der Sieg hier letztes Jahr war ein tolles Gefühl", sagt er. Für Teamkollege Daniel Ricciardo könnte Mexiko die letzte Chance sein, sich mit einem Top-Resultat von Red Bull zu verabschieden. Der Australier wartet seit seinem Sieg in Monaco auf einen Podestplatz.

Mexiko-Brennpunkt #4: Wer wird vierte Kraft?

Ähnlich überraschend wie an der Spitze war in Austin der Ausgang des Kampfes im Mittelfeld. Wie Ferrari erlebte Renault eine Wunderheilung und übernahm wieder das Kommando. Hülkenberg und Sainz landeten einen wichtigen Punktsieg im Kampf um Platz vier bei den Konstrukteuren, während Haas wieder Federn ließ. In der Gesamtwertung liegen die US-Amerikaner nun 20 Punkte hinter Renault.

Genau wie für Red Bull spielt Mexiko auch den Franzosen in die Karten, und das nicht nur was den Motor angeht. "Es gibt dort eine Reihe langsamer Kurven, vor allem in dem dramatischen Stadion-Sektor, und diese Art Kurven tendieren dazu, unserem Auto zu liegen", so Technik-Chef Nick Chester. Für Haas sind das keine schönen Vorzeichen. Auf der Rechnung haben müssen die beiden Rivalen allerdings wieder Force India, deren Bolide jedes Wochenende konkurrenzfähig ist.

Mexiko-Brennpunkt #5: Fällt in Mexiko die WM-Entscheidung?

In Austin wurde es nichts mit der Feier für Lewis Hamiltons fünften WM-Titel. Angesichts des üppigen Vorsprung von 70 Punkten besteht allerdings kaum ein Zweifel daran, dass die Entscheidung nur bis auf Mexiko vertagt wurde. Letztendlich müsste Vettel den Rückstand am kommenden Wochenende auf unter 50 Punkte reduzieren, um den Mercedes-Piloten an der Titelverteidigung zu hindern.

Hamilton ist der Titel sicher, solange er in Mexiko mindestens Siebter wird. Vettel hingegen muss in jedem Fall gewinnen, um die WM offen zu halten. Mit 18 Punkten für einen zweiten Platz würde er selbst bei einem Ausfall Hamiltons den Rückstand nur auf 52 Punkte reduzieren, was bei zwei ausstehenden Rennen und damit maximal 50 zu vergebenen Zählern nicht ausreichen würde.


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