Formel 1

Formel 1 USA 2018: Hamilton stänkert gegen Mercedes-Strategie

Lewis Hamilton verliert trotz scheinbar geschickter Mercedes-Taktik in Austin gegen Räikkönen und Verstappen. Kritik an mehreren Teamentscheidungen.
von Christian Menath

Motorsport-Magazin.com - Lewis Hamilton hatte den WM-Titel beim Formel-1-Rennen in Austin zum Greifen nah, doch am Ende wurde die Entscheidung in der Fahrerweltmeisterschaft 2018 von den USA nach Mexiko verschoben.

Nach Sebastian Vettels Startplatzstrafe war die Ausgangssituation ideal, Hamilton ging von Pole aus ins Rennen, Vettel nur von Platz fünf. Doch als die größte Gefahr sollte sich schnell Kimi Räikkönen herausstellen.

Der Ferrari-Pilot ging auf Ultrasoft ins Rennen, Hamilton auf Supersoft. Räikkönen nutzte den Gripvorteil und beschleunigte Hamilton bei der Zufahrt auf Kurve eins aus. Von da an hing Hamilton hinter Räikkönen. "Im Nachhinein hätten wir auf Ultrasoft starten sollen. Die hatten einen Performance-Vorteil am Start, den wir verloren haben", ärgerte sich Hamilton. "Das war der falsche Reifen und so etwas haben wir in dieser Saison schon einmal gesehen."

Als in Runde elf das Virtuelle Safety Car ausgerufen wurde, wurde Hamilton dazu angehalten, das Gegenteil von Räikkönen zu machen. Der Ferrari-Pilot blieb draußen, also kam Hamilton zum Stopp. Mercedes zog dem Briten die Soft-Reifen auf.

Hamilton kritisiert: Falscher Start-Reifen, falsche Strategie

Zunächst sah es nach einem geschickten Schachzug aus: Hamilton kam trotz Stopp auf Rang drei zurück, hatte nur acht Sekunden Rückstand auf Räikkönen. Teamkollege Valtteri Bottas ließ Hamilton bereitwillig passieren, weshalb Hamilton schon schnell wieder in Räikkönens Heck war.

Mit stumpfen Waffen, den abgefahrenen Ultrasofts, wehrte sich Räikkönen noch einige Runden sehenswert gegen Hamilton auf frischen Soft-Pneus, ehe er in Führung liegend in Runde 21 zu seinem Stopp kam.

Von nun an hatte Hamilton das Zepter wieder in der Hand. Doch schnell wurde klar, dass Hamilton mit seinen Soft-Reifen nicht durchfahren würde. Zuerst zeigte der linke Hinterreifen Blistering, anschließend begann auch der rechte Hinterreifen aufzuplatzen.

"Von dem Zeitpunkt an, als wir in Runde elf zum Stopp kamen, was es klar, dass wir zweimal kommen mussten", so Hamilton. "Ich war überrascht, dass ich kommen sollte. Wir haben uns damit das Leben selbst schwer gemacht, überhaupt kämpfen zu können."

Hamilton: Zweiter Stopp war mir sofort klar

Rasant verlor Hamilton nicht nur Zeit auf Räikkönen, sondern auch auf die anderen Top-Piloten. Erst in Runde 36 entschied sich Mercedes dazu, Hamilton erneut an die Box zu holen. Für den Schlusssprint gab es erneut die Soft-Reifen.

Zwölf Sekunden musste Hamilton wieder aufholen - aber nicht nur auf Räikkönen, sondern auch auf Verstappen, der in der Zwischenzeit auf den Supersoft-Reifen eindrucksvoll aufgeschlossen hatte. "Aber ich wusste von Anfang an, was mit diesen Reifen passieren würde, wenn man so viel aufholen muss", so Hamilton.

Kurz vor Rennende schloss Hamilton auf Verstappen auf, der seinerseits unmittelbar an Räikkönen hing. In der vorletzten Runde kam es zum Angriff. Am Ende der langen Geraden schien Hamilton schon an Verstappen vorbei zu sein, doch der Zweikampf zog sich weiter bis in die langgezogene Dreifach-Rechtskurve. Hamilton rutschte raus, verlor Zeit und damit auch den Kampf um Platz zwei. In der Auslaufzone sammelte Hamilton viel Dreck auf und verlor dabei Reifentemperatur.

Hamilton: Vorsicht gegen Verstappen & Räikkönen oberstes Gebot

"Er hätte mich noch weiter abdrängen können", gestand Verstappen später. "Aber bei dir weiß man nie", scherzte Hamilton und erklärte seine Fahrweise: "Ich habe versucht, das Rennen zu gewinnen, aber Max und Kimi kämpfen nicht um die WM, da musste ich sehr aufpassen. Die Weltmeisterschaft wird nicht mit dummen Fehlern gewonnen. Ich habe ihm viel zu viel Platz gegeben, damit ich nicht rausgekegelt werde. Wenn ich gegen Seb gekämpft hätte, wäre ich viel aggressiver gewesen."

Doch am Ende war Hamilton nicht auf sich selbst sauer. "Es war nicht unser bester Tag. Ich hatte nicht wirklich Probleme, aber kollektiv als Team haben wir nicht die Leistung gezeigt, auch bei der Performance. Wir müssen zurück ans Zeichenbrett und uns zusammentun, um sicherzustellen, dass es nächste Woche wieder besser ist." Vor allem mit der Strategie haderte er: "Wenn wir das gleiche gemacht hätten wie Ferrari, hätten wir einen Kampf auf gleichen Reifen bis zum Rennende gehabt. Aber so war mir klar, was passieren würde."

Auch wenn Hamilton mit dem Wochenende unzufrieden war, in der Weltmeisterschaft konnte er dennoch erneut Punkte auf Sebastian Vettel gutmachen. Nach seinem Dreher landete Vettel nur auf Rang vier. Damit reichen Hamilton beim Rennen in Mexiko in einer Woche fünf Punkte, um vorzeitig Weltmeister zu werden.


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