Formel 1

Formel 1, Force India dreht auf: Keine Angst vor Umbruch

Force India befindet sich an einem einschneidenden Moment der Teamgeschichte. Neuer Eigner bringt mehr Geld denn je. Nur Chance oder auch Risiko?
von Jonas Fehling

Motorsport-Magazin.com - Force India ist ein Phänomen. Seit dem Einstieg in die Formel 1 2008 ging es für das Team mit dem extrem kleinen Budget von Jahr zu Jahr so gut wie immer nur bergauf. Allerdings nur sportlich. Hier setzte der Rennstall gerade in den jüngsten Jahren allerdings nicht für möglich gehaltene Glanzlichter, platzierte sich zuletzt dank hoher Effizienz zweimal in Folge auf Rang vier der Konstrukteurswertung.

Doch finanziell war es bei Force India immer ein Krampf. Der Rennstall operierte Spitz auf Knopf, musste noch unter F1-Boss Bernie Ecclestone immer wieder um vorzeitige Preisgeldausschüttungen bitten, Boliden wurden spät fertig, debütierten nur mit Verzögerungen, Updates fanden ihren Weg nur langsam an die stets VJM getauften Rennautos.

Force India im Umbruch: Endlich keine Geldsorgen mehr

VJM - für Vijay Mallya. Doch der langjährige Teamchef und -besitzer ist jetzt jedoch nicht mehr da. Nachdem Force India im Sommer 2018 in die kontrollierte Insolvenz geriet wechselte der Rennstall den Eigner. Jetzt ist ein Konsortium um Milliardär Lawrence Stroll am Ruder. Ein Gespann, dass im Bieterverfahren den Zuschlag erhielt, weil es die beste Zukunftsperspektive für das aktuell als Racing Point Force India firmierende Team in Aussicht stellte.

Diese besagt mitunter: Jeder Menge Investment. Zum ersten Mal überhaupt muss sich Force India deshalb ab sofort keinerlei Gedanken mehr um seine wirtschaftliche Lage machen - eine noch immer schwelende Frage, ob es als formaler Neueinsteiger jetzt noch Preisgeld-berechtigt ist, einmal ausgenommen.

Force India will seine Effizienz bewahren

Im Gegenteil: Force India dreht jetzt richtig auf, kann sogar investieren. Mehr Personal, eine neue Fabrik und Co. sind längst in Planung. Sergio Perez hat jetzt auch offiziell verlängert - und schwärmte im Zuge dessen am Donnerstag in Austin bereits von einer seiner Ansicht nach rosigen Zukunft für die Pink Panther.

Der neue Teamchef Otmar Szafnauer pflichtet dem Mexikaner bei. "Ich bin ebenfalls voller Optimismus. Ich bin optimistisch, dass wir das Team wachsen lassen können. In den Bereichen, in denen wir noch wachsen können, um an Performance zu gewinnen", sagt Szafnauer am Rande des USA GP. Endlich könne Force India Dinge realisieren, die bisher so nicht möglich waren.

Szafnauer: "Da geht es um Personal und Infrastruktur. Jetzt sind wir in der Lage, da bei beidem nachzulegen. Wir müssen das aber auf kluge und angemessene Art machen. Aber es stimmt mich optimistisch." Heißt: Force India will trotz Umbruch und Wachstum auf keinen Fall seine größte Stärke verlieren: Effizienz.

"Wir waren immer sehr smart, wie wir alles gehandhabt haben. Aber ich sehe nicht, warum wir mit mehr Ressourcen nicht mehr dieselbe Entscheidungsstärke zeigen sollten", winkt Szafnauer jedoch ab, dass sein Team sich verrennen könnte. "Wir müssen unsere Effizienz auch mit mehr Ressourcen weiter beweisen, um den Output zu bekommen, den wir wollen. Und das ist mehr Performance."

Wachstum ohne Ende: Doch was, wenn Stroll den Stecker zieht?

In Relation zu den Top-Teams, meint Szafnauer damit. Denn selbst mit den jetzt großen Investments würde es gegen die allein auf diesem Weg noch nicht reichen. Die Effizienz bleibt also weiter gefragt. Diese Tugend darf Force India jedoch auch aus anderem Grund nicht verlieren. Um nicht tot gewachsen zu sein, sollten sich die neuen Investoren eines Tages wieder zurückziehen.

Ohnehin wolle man nicht übertreiben. "Wir gehen jetzt sowieso nicht über das hinaus, was wir bald als Budgetgrenze erwarten. Wir wachsen langsam und organisch", sagt Szafnauer im Gespräch mit Motorsport-Magazin.com. "Aber ein paar Dinge wie eine neue Fabrik werden wir nie wieder zurücknehmen", ergänzt er. "Und aus Personalsicht werden wir langsam und intelligent wachsen. Nein, nicht unbedingt langsam. Wir können schon schnell wachsen. Aber angemessen."

Den neuen Level halten müsse man im Fall der Fälle dann eben durch zusätzliche Unterstützung. "Wir bräuchten dann mehr von Anteilseignern, Sponsoren oder von der FOM", so Szafnauer. Insgesamt bereitet dieses Szenario dem Teamchef aktuell jedoch keine Sorgen, kommt gerade gar nicht vor.

Viel zu sehr liegt der Fokus auf dem Umbruch und darauf, Force India weiter nach vorne zu bringen. Geschehen soll das unterdessen zum Großteil mit denselben Sponsoren. Hier soll der Umbruch enden, auch wenn noch erst etwa die Hälfte der Partner die Kontrakte verlängert hat.

Sponsoren bleiben an Bord

"Es haben noch nicht alle unterschrieben. Aber es gibt keinen, der gesagt hat, er sei nicht mehr interessiert", so Szafnauer vor dem Hintergrund des Besitzerwechsels. "Ein paar einschließlich BWT sind noch nicht erneuert, aber das liegt einfach daran, dass dafür noch keine Zeit war", erklärt der Teamchef. Kein Wunder nach den turbulenten vergangenen Wochen für Racing Point Force India.

Apropos Racing Point. Noch nicht final geklärt ist, wie der Rennstall ab 2019 und dann hoffentlich langfristig genau heißen wird. Eine Umbenennung stand schon vor dem Sommer 2018 seit etwa zwei Jahren im Raum. Effektiv kam es dazu jedoch nie. Mit dem neuen Besitzer scheint nun jedoch der Zeitpunkt dafür gekommen. Bis Dezember soll auch dieses Thema endlich ein für alle mal abgehakt sein.


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