Formel 1

Formel 1, Vettel verliert halbe Minute: Strategie zu aggressiv

Für Sebastian Vettel und Ferrari ist das Formel-1-Rennen in Singapur ein Debakel. Als Topfavorit ins gestartet, landet er eine halbe Minute hinter Hamilton.
von Christian Menath

Motorsport-Magazin.com - Bitterer Abend für Sebastian Vettel in Singapur. Der Ferrari-Pilot verlor auch beim 15. Rennen zur Formel-1-Saison 2018 wertvolle Punkte im WM-Kampf auf Lewis Hamilton. Während sich Hamilton nach Monza den zweiten Sieg in Folge holte, musste sich der Ferrari-Pilot - hochfavorisiert in dieses Wochenende gestartet - mit Platz drei zufriedengeben.

Sechs Rennen vor dem Ende der Saison hat Vettel nun 40 Punkte Rückstand auf Hamilton. "Das hilft nicht", konstatierte Vettel nach dem Rennen sichtlich enttäuscht. "Ich habe zu Beginn des Wochenendes gesagt, dass wir selbst unser größter Gegner sind und wir haben nicht alles aus unserem Paket herausgeholt."

Vettel: Hatten nicht erwartet, hier 10 Punkte zu verlieren

"Lewis und Mercedes kamen hierher und hatten nicht erwartet, zehn Punkte auf uns gutzumachen und wir kamen nicht mit der Erwartung hierher, zehn Punkte zu verlieren. Aber nach dem Rennen ist das gerechtfertigt", musste Vettel anerkennen.

Einmal mehr unterlief Ferrari ein strategischer Fehler. Vettel konnte - von Rang drei gestartet - in Runde eins vor Kurve sechs an Verstappen vorbeigehen und lag schon auf Rang zwei hinter Lewis Hamilton. Im Glauben, Hamilton mit einem früheren Stopp überholen zu können, holte Ferrari Vettel in Runde 14 an die Box.

Singapur: Ferrari unterläuft nächster Taktik-Fehler

Weil Vettel vor dem Stopp Hamilton nicht wirklich im Getriebe hing, konnte Mercedes den Undercut locker abwehren, indem man Hamilton eine Runde später zum Stopp holte. Ferraris Strategie ging sogar nach hinten los, weil Vettel durch seinen Stopp hinter Sergio Perez zurückfiel und nicht sofort am Force-India-Piloten vorbeigehen konnte und dadurch Zeit verlor.

Dadurch erhielt Red Bull wiederum die Chance, Verstappen wieder vor Vettel zu bringen. Der Niederländer kam erst in Runde 17 zu seinem Stopp und setzte sich am Boxenausgang hauchdünn gegen Vettel durch.

Ferrari-Stopp: Falsches Timing & falscher Reifen

Zu allem Überfluss hatte sich Ferrari beim frühen Stopp auch noch für eine sehr aggressive Strategie entschieden und schraubte Vettel die Ultrasoft-Reifen auf, während Mercedes und Red Bull ihre Piloten mit Soft-Pneus für den zweiten Stint ausstatteten.

Von da an war Vettel nur noch in der Defensive. "Es war danach aufgrund der Reifen ein anderes Rennen. Ich war nicht davon überzeugt, dass ich bis zum Ende durchkommen kann, aber es war keine Option, noch einmal zu stoppen. Ich wusste, dass es mit einem zusätzlichen Stopp ohne Safety-Car nur noch maximal für Platz sechs reichen würde."

Vettel: Zweiter Stopp war unmöglich, nur noch Defensive

"Ich glaube, wir haben etwas probiert und wollten aggressiv sein aber das hat sich nicht ausgezahlt", bedauerte Vettel. Zu Beginn des Stints konnte der Deutsche noch an Hamilton und Verstappen dran bleiben, nach und nach musste er aber der Reifenstrategie Tribut zollen und fiel weiter zurück.

"Ich war nicht sehr zuversichtlich, dass die Reifen reichen würden", gestand Vettel. Doch am Ende konnte er mit mehr als 30 Sekunden Rückstand Rang drei ins Ziel retten. "Am Ende war es überraschend, dass Valtteri nicht schneller konnte." Der Finne kam auf frischeren Soft-Reifen zwölf Sekunden hinter Vettel ins Ziel.

Vettel verbietet sich Ferrari-Kritik

Obwohl die Strategie offensichtlich Platz zwei kostete, stellte sich Vettel hinter seine Ingenieure: "Ich verteidige das Team immer! Wenn die aggressive Strategie funktioniert, dann ist es großartig. Heute hat es zwar ziemlich deutlich nicht funktioniert und deshalb müssen wir uns ansehen, warum. Aber wenn es nicht funktioniert, ist es einfach zu kritisieren."

Trotz falscher Strategie musste Vettel am Ende zugeben: "Im Training sahen Kimi und ich sehr konkurrenzfähig aus. Die Plätze vier und fünf sind nicht das, was der eigentliche Speed unseres Autos ist. Aber im Rennen waren sie schneller. Wenn sie am Ende eine halbe Minute vor uns ins Ziel kommen, dann haben sie etwas besser gemacht - auch wenn wir unterschiedliche Rennen gefahren sind."


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