Formel 1

Formel 1, Italien GP 2018: Die heißesten Fragen vor Monza

Sebastian Vettel reist mit Rückenwind zum Ferrari-Heimspiel nach Monza. Folgt der nächste Sieg über Lewis Hamilton oder schlägt der Mercedes-Star zurück?
von Florian Becker
Formel 1 2018: Brennpunkte vor dem Italien GP: (06:10 Min.)

Die Formel 1 zieht von einer legendären Rennstrecke gleich weiter zur nächsten: Nur eine Woche nach Spa-Francorchamps steht der Große Preis von Italien in Monza auf dem Programm. Rechtzeitig zum Ferrari-Heimspiel hat Vettel in Belgien seine erste Chance nach der Sommerpause genutzt, um den Rückstand auf Lewis Hamilton zu verkürzen. Kann der WM-Anwärter der Scuderia vor den Augen der Tifosi gleich nachlegen? Oder geht Ferraris Achterbahnfahrt im Titelkampf weiter? Die Brennpunkte im Autodromo Nazionale di Monza.

Brennpunkt #1: Startet Vettel eine Siegesserie?

Mit seinem Sieg in Spa reduzierte Vettel den Rückstand in der Gesamtwertung nicht nur von 24 auf 17 Punkte, er zog nach Siegen auch zum 5:5 gegen Hamilton gleich. Vor wenigen Wochen schienen Vettel die WM-Ambitionen in Hockenheim und Budapest fast schon aus den Fingern zu gleiten, ein Rennen später scheint er wieder voll zurück im Geschäft zu sein.

"Ich bin in Einklang mit dem Auto gekommen. Das ist ein gutes Gefühl auch für Monza, alle neuen Teile, die wir gebracht haben, haben funktioniert, nichts ist schief gegangen", freute sich Vettel. Freude hat der SF71-H ihm 2018 schon häufig bereitet, doch immer wenn es mal zu laufen schien konterte Hamilton oder er leistete sich wie in Frankreich oder Deutschland folgenschwere Schnitzer.

Der Ferrari ist gut genug, um das Momentum auf seine Seite zu holen und Mercedes mit weiteren Siegen unter Druck zu setzen - doch Fahrer und Team müssen sich am Riemen reißen, damit das Titelrennen nicht doch wieder in Richtung Hamilton kippt. Bei acht ausstehenden Rennen kann jeder Fehler den vorzeitigen K.o. in der WM bedeuten. Etwas, das Vettel erst 2017 schmerzlich erfahren musste.

Brennpunkt #2: Hält Ferrari dem Druck stand?

Genau wie Vettel muss auch Ferrari nun das von Hamilton viel zitierte A-Game bringen. Doch immer wenn Ferrari zum Höhenflug ansetzt, stellt man sich nur allzu gerne selbst ein Bein. Eine verpatzte Qualifying-Strategie wie zuletzt bei Kimi Räikkönen oder eine Unachtsamkeit im Eifer des Gefechts, wie in Spa als die Crew Vettels Auto unaufgebockt über den Asphalt schleifte, können schwerwiegende Folgen haben.

In Italien lastet der Druck gleich doppelt auf Ferrari. Neben dem WM-Kampf wiegt auch die Erwartungshaltung der Tifosi schwer. Auch wenn Fahrer und Team es nur ungerne zugeben, von Ferrari werden in Monza stets Wunder erwartet, wie sie die Scuderia in der Vergangenheit schon ablieferte. Der Doppelsieg 1988 im ersten Rennen nach dem Tod von Enzo Ferrari und der Triumph Michael Schumachers in dessen erster Saison mit Ferrari 1996 sind nur zwei Beispiele dafür.

Mehr als der eigene Mythos wird letztendlich aber der Titelkampf die größte Last auf den Schultern Ferraris sein. Der Sieg in Spa war eine Pflichtübung und ihm entgegen stehen immer noch zwei zuletzt schwache Qualifyings, in denen Hamilton im Regen besser ablieferte. Ferrari muss in allen Disziplinen performen, wenn sie Mercedes beim Heimrennen und in der WM bezwingen wollen.

Spa 2018: Darum waren Vettel & Ferrari stärker als Mercedes: (07:59 Min.)

Brennpunkt #3: Wer hat den stärksten Motor?

Monza ist Mercedes-Land. So war es zumindest in den vergangenen vier Jahren, seit 2014 die Power Units Einzug in der Formel 1 hielten. Die Silberpfeile gewannen seitdem ununterbrochen und ohne Konkurrenz. Dreimal stand Hamilton ganz oben auf dem Podest. "Letztes Jahr waren wir das ganze Wochenende am Drücker und Ferrari hatte sein schlechtestes Wochenende der Saison was die Performance anging", erinnert Mercedes-Teamchef Toto Wolff.

Der Motorenvorteil von Mercedes ist 2018 jedoch Geschichte und auch das Kräfteverhältnis dürfte in Monza ein anderes sein. "Das letzte Rennen wo wir am schnellsten waren, war Silverstone. In Frankreich und Österreich waren wir ziemlich gut, aber seitdem war Ferrari in Hockenheim schneller, Budapest war auch keine Überraschung und Spa war auch in der Vergangenheit schon knifflig für uns", so der Österreicher.

Nach 13 Rennen kann man mit Sicherheit sagen: Sowohl im Qualifying als auch im Rennen hat Maranello dieses Jahr mehr Dampf an der Kette. Spätestens Spa dürfte den endgültigen Beweis dafür geliefert haben. Der Grand Prix von Italien wird 2018 längst keine so klare Angelegenheit wie in den letzten Jahren werden. Eher im Gegenteil: Mercedes dürfte sich in der Rolle des Jägers wiederfinden.

Brennpunkt #4: Wer wird dritte Kraft in Monza?

Wie der Kampf an der Spitze der WM hat auch das Rennen um den Titel des Best of the Rest in Spa wieder an Intensität gewonnen. Haas ist bis auf sechs Zähler an das strauchelnde Renault herangerückt. Die Franzosen können von Glück reden, dass Force India nach dem Besitzerwechsel sämtliche Punkte gestrichen wurden. Ansonsten wären die Pinken nach Spa sogar auf fünf Punkte dran. So steht das Team mit 18 Punkten an neunter Stelle.

In Belgien ließen Force India und Haas nicht nur Renault blass aussehen, im Regen landeten beide Teams sogar vor Red Bull. In Monza steht den Renault-befeuerten Teams das wohl härteste Wochenende der Saison bevor. Die Power Unit der Franzosen ist gegen Mercedes und Ferrari mittlerweile völlig chancenlos. Tatsächlich könnte Haas mit Ferraris Power-Paket im Heck in Monza sogar Red Bull gefährlich werden.

Brennpunkt #5: Was ist für die kleine Scuderia drin?

Monza bedeutet nicht nur Heimspiel für Ferrari, sondern auch für Toro Rosso. Das im Faenza beheimatete Team liegt zwar gleich um die Ecke von Imola, doch seitdem die Formel 1 in Italien nur noch in Monza fährt, ist das Highspeed-Mekka auch für Red Bulls Schwesterteam die sportliche Heimat. Zwischen 1985 und 2005 war die kleine Truppe als Minardi in der Königsklasse bekannt und avancierte so auch ohne große Erfolge zu einer festen Größe.

Nach der Übernahme feierte Toro Rosso 2008 mit Sebastian Vettels Sieg ausgerechnet in Monza den bisherigen Höhenpunkt der Teamgeschichte. Zehn Jahre später gestaltet sich die Wiederholung einer solchen Sensation schwierig. Der Honda-Motor ist zwar längst nicht so schwach wie von McLaren stets bemängelt, doch um in Monza Bäume auszureißen reicht es noch nicht. Ein weiteres Top-10-Resultat wäre wohl das höchste der Gefühle.


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