Formel 1

Formel 1, Monaco 2018: Die 7 Schlüsselfaktoren zum Rennen

Dreikampf zwischen Red Bull, Ferrari und Mercedes. Monaco schreit nach einem Taktik-Krimi. Wer stoppt zur besten Zeit? Entscheidet am Ende ein Safety Car?
von Florian Becker

1. - S wie Startaufstellung

Es stimmt, dass Monaco auf dem Papier aufgrund seiner Charakteristik was das Überholen angeht vielleicht die unspektakulärste Rennstrecke im Kalender ist. Eine aufregendere Startaufstellung als für den Grand Prix 2018 hat die Formel 1 jedoch seit langem nicht mehr gesehen. Daniel Ricciardo erwies sich mit der zweiten Pole seiner Karriere und in Monaco abermals als absoluter Spezialist für den anspruchsvollen Straßenkurs. Dahinter sorgen Sebastian Vettel im Ferrari und Lewis Hamilton im Mercedes für einen echten Dreikampf der Top-Teams.

Auch im Mittelfeld dürfte wie mittlerweile gewohnt wieder richtig die Post abgehen. Mit Esteban Ocon im Force India vor Fernando Alonso im McLaren und Carlos Sainz im Renault sind die Startpositionen sechs bis neun bunt gemischt. Genau so abwechslungsreich geht es weiter mit Sergey Sirotkin im besten Williams und Charles Leclerc im besten Sauber auf den Positionen 13 und 14. Abgerundet wird die Action von Romain Grosjean, Kevin Magnussen und Max Verstappen auf den letzten drei Startplätzen.

2. - S wie Start

Der Start ist in Monaco immer eine besonders heikle Angelegenheit. Alle Piloten wissen, dass dieser Moment im Regelfall der mit Abstand beste ist, um Plätze gutzumachen. Hat sich das Feld nach St. Devote erst einmal geordnet, geht bei ungestörtem Rennverlauf erst bei den Boxenstopps wieder etwas. Bis zur ersten Kurve sind es von der Pole Position aus 226 Meter. "Der Weg zur ersten Kurve ist hier nicht weit genug, leider", so Alonso, der darauf hofft, dass beim Start vielleicht ein anderes für Monaco typisches Ereignis stattfindet.

"Ricciardo gegen Vettel und Hamilton starten von den ersten drei Plätzen, das könnte uns eine Chance geben, denn die erste Kurve wird für sie sehr interessant wenn sie miteinander kämpfen", so der McLaren-Pilot. Dass in Monaco auch schnell Mal der Platz ausgehen kann, hat die Geschichte mehrfach gezeigt. Berühmt sind die Bilder der Startkollisionen der Jahre 1980, 1995 und 2012. Wenn es zu einer Berührung kommt, ist die Kettenreaktion meist unvermeidbar. Mit den seit 2017 wieder breiteren Autos ist es außerdem wieder schwieriger geworden, sich im 20-köpfigen Feld zu arrangieren.

3. - S wie Strategie

Kaum ein S wird in Monaco größer geschrieben als die Strategie. Ohne Regen oder andere unvorhersehbare Ereignisse wie eine Safety-Car-Phase hat der Boxenstopp auf dem engen Stadtkurs für gewöhnlich als einziger Faktor die Macht, das Rennergebnis in irgendeiner Art oder Weise zu drehen. 2018 gibt es für Under- oder Overcut so wie es aussieht aber nur eine einzige Chance, denn eine Strategie mit mehr als einem Boxenstopp wird es am Sonntag kaum geben. "Sie sollten uns dazu zwingen, mehrere Hypersofts oder Ultrasofts einzusetzen. Besonders auf einer Strecke, wo du nicht überholen kannst", klagt Hamilton.

Er wird wie der Rest der Top-10 das Rennen auf dem Hypersoft starten. Dahinter kann das Mittelfeld wie immer frei taktieren. Es darf erwartet werden, dass der eine oder andere Pilot den Grand Prix auf Ultrasoft in Angriff nimmt und hofft, damit am Ende das große Los zu ziehen. "Das ist echt schwierig. Es hängt davon ab, wann du auf ein Safety Car spekulierst. Wenn es spät kommt, und das passiert hier manchmal, könntest du mit einem Start auf Ultrasoft gut unterwegs sein und hoffen, dass du gegen Runde 50 auf den Hypersoft wechseln kannst", so Renaults Technikchef Nick Chester.

4. - S wie Safety Car

Womit wir dann auch beim nächsten, logischen S wären: Das Safety Car. In den letzten fünf Jahren lag die Wahrscheinlichkeit für einen Einsatz von Bernd Mayländer bei sage und schreibe 100 Prozent. Kein Monaco GP ohne Gelbphase ist beinahe schon eine Faustregel. Seit 2013 rückte es acht Mal aus. Selbst ohne Regen reicht ein kleiner Fahrfehler aus, um das gesamte Rennen für das ganze Feld über den Haufen zu werfen. Wie schnell das in Monaco passieren kann, sieht man schon in den Trainings.

Im Rennen über 78 Runden ist die Konzentration ein wichtiger Faktor. "Du hast es immer im Hinterkopf, denn das Risiko und die Belohnung dafür sind allgegenwärtig", so Pole-Sitter Ricciardo. "Es ist keine Überraschung, dass diese Dinge hier passieren können. Hier gibt es keinen Platz für Fehler." Neben klassischen Fahrfehlern sind auch übermotivierte Überholversuche ein häufiger Grund für eine Safety-Car-Phase. Vor allem in Rascasse sehen die Piloten oft Lücken, die eigentlich nicht existieren.

5. - S wie Sonntagswetter

Immer wieder sorgt Regen in Monaco für chaotische und ereignisreiche Rennen. Anfang der Woche sah es noch so aus, als ob das auch in diesem Jahr eintreten könnte. Die Regenwahrscheinlichkeit für den Sonntag lag da noch bei 50 bis 90 Prozent, inklusive Gewitter. Mittlerweile hat sich das jedoch geändert. Für den Rennstart sind leichte Wolken bei 24 Grad Celsius Außentemperatur angesagt. Die Chance auf Regen beträgt nur noch neun Prozent. Mit 35 Prozent ist die Regenwahrscheinlichkeit erst in den Abendstunden wieder etwas höher - für die F1 wohl zu spät. Andererseits sind auch die Meteorologen bekanntermaßen nicht gerade eine Bank. Wer weiß, vielleicht kommt der Schauer ja doch ein paar Stunden früher...

6. - S wie Stallregie

Beim Sieg von Sebastian Vettel vor Kimi Räikkönen im vergangenen Jahr war das Geschrei groß, nachdem Ferrari seine Nummer eins vermeintlich per Overcut am Teamkollegen vorbeigeschleust hatte. Tatsächlich könnte der Grand Prix 2018 abermals für Kontroversen sorgen. Ricciardo kann der Teamkollege vom letzten Startplatz wohl eher keine strategische Schützenhilfe leisten - was Verstappen aber vermutlich wohl ohnehin nicht tun würde.

Für Ferrari und Mercedes könnte es aber umso verlockender sein, die beiden schlechter platzierten Piloten - namentlich Valtteri Bottas und Kimi Räikkönen in den Dienst des Teams zu stellen. Letztendlich könnte in Monaco selbst ein Pilot auf komplett heruntergerittenen Hypersofts einen Gegner noch in Schach halten, der schon auf Ultrasoft gewechselt hat. Alles was die beiden Finnen dafür tun müssen, ist, nicht zu weit von ihren Zielobjekten abreißen zu lassen. Um nach dem Boxenstopp vorne zu bleiben, müssten die einen Vorsprung von etwa 23 Sekunden herausfahren.

Bei Ferrari und Mercedes könnten die Finnen strategisch eingesetzt werden - Foto: Sutton

7. - S wie Sieger

Die besten Karten hat von der Pole aus ohne jeden Zweifel Daniel Ricciardo. Der Australier dominierte bereits 2016 in Monaco, verlor am Sonntag jedoch den sicher geglaubten Sieg aufgrund eines Fehlers seiner Boxencrew. Die Reifen standen bei seinem alles entscheidenden Stopp nicht bereit, Ricciardo verlor die Führung und den Sieg an Hamilton. "Es wird okay sein. Morgen gibt's keinen Regen, also passt das schon", gibt er sich zuversichtlich.

Unter den aktuellen Fahrern sind Hamilton, Vettel und Alonso die erfolgreichsten im Fürstentum. jeweils zwei Mal waren sie beim prestigeträchtigsten Rennen im Kalender schon siegreich. Während Alonso viel Glück brauchen wird um zu erhöhen, haben die anderen beiden Piloten gute bis sehr gute Chancen. Räikkönen zählt mit einem Triumph ebenfalls zu den Monaco-Spezialisten, hat von Platz fünf aber kaum bessere Chancen als ein Alonso.


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