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Formel 1 / Historisches

Manfred von Brauchitsch - Der Motorsport war sein Leben

Ein Nachruf auf den legendären Mercedes-Silberpfeilpiloten Manfred von Brauchitsch.
von Stephan Heublein

Motorsport-Magazin.com - Manfred von Brauchitsch, ehemaliges Mitglied der erfolgreichen Mercedes-Benz Rennmannschaft in der "Silberpfeil"-Ära der Dreißigerjahre, ist am 05.02.03 im Alter von 97 Jahren an seinem Wohnsitz in Gräfenwarth bei Schleiz gestorben.

Dazu Professor Jürgen Hubbert, Vorstand der DaimlerChrysler AG verantwortlich für die Mercedes Car Group: "Dem Können und dem Enthusismus von Manfred von Brauchitsch verdanken wir wichtige Erfolge der Silberpfeile. Er wird uns und allen Motorsportbegeisterten unvergesslich bleiben."

Manfred von Brauchitsch führte ein Leben für den Motorsport. - Foto: Mercedes

Und Norbert Haug, Mercedes-Benz Motorsportchef: "Wir alle sind traurig über den Tod von Manfred von Brauchitsch. Er ist der Mitbegründer des Mythos Silberpfeil, der erste Gewinner in einem Grand-Prix-Rennwagen mit diesem Namen. Manfred von Brauchitsch war unserem Rennteam bis zuletzt eng verbunden. So war er einer der ersten Gratulanten bei Mika Häkkinens erstem Weltmeisterschafts-Titelgewinn 1998. Er und wir pflegten bis zu seinem Tod eine enge Verbindung, wir alle werden ihn als großen Rennfahrer unseres Hauses in Erinnerung behalten."

Manfred von Brauchitsch war ein Draufgänger am Volant und deshalb Liebling der rennbegeisterten Zuschauer, die an jenem Tag beim Eifel-Rennen 1934 von den Sitzen sprangen und jubelten, während sich die Stimmen der Rundfunkreporter überschlugen, als einer der neuen Mercedes-Benz Silberpfeile gleich beim ersten Einsatz mit Manfred von Brauchitsch am Steuer als Sieger die Ziellinie kreuzte!

Zu seinen härtesten Konkurrenten zählten damals neben seinen Team-Kollegen Rudolf Caracciola und Luigi Fagioli so bekannte Rennfahrer-Persönlichkeiten wie Tazio Nuvolari und Achille Varzi.

Der Rennsport war sein Leben

Manfred von Brauchitsch fährt beim Gaisbergrennen 1929 Tourenwagen-Bestzeit. - Foto: Mercedes

Am 15. August 1905 in Hamburg geboren, entdeckte Manfred von Brauchitsch nach bestandenem Abitur seine Liebe zu Motorrädern, die ihn zwangsläufig zum Motorrad-Rennsport führte. Ein schwerer Unfall beendete allerdings 1928 nicht nur plötzlich seine Karriere als Motorradrennfahrer vorzeitig, sondern ebenso seine Laufbahn als Berufsoffizier.

Doch der inzwischen 23-jährige von Brauchitsch entsagte seiner Rennsportleidenschaft deshalb keineswegs, sondern wandte sich mit viel Engagement dem Automobil-Rennsport zu.

Bereits 1929 gewann er sein erstes Rennen auf einem 225 PS starken, privaten Mercedes-Benz SS-Sportwagen: Beim Internationalen Gaisbergrennen in Österreich markierte er neben seinem Sieg gleichzeitig noch mit einem Durchschnitt von 72,6 km/h einen neuen Streckenrekord für Tourenwagen!

Von Brauchitsch beim internationalen Eifelrennen 1934. - Foto: Mercedes

Den großen Durchbruch erkämpfte sich Manfred von Brauchitsch 1932 beim Avus-Rennen in Berlin. Sein großer Rivale in diesem schweren Rennen fuhr damals auf Alfa Romeo und hieß Rudolf Caracciola, sein späterer Mercedes-Benz Teamkollege!

Während des ganzen Rennens klebte Manfred von Brauchitsch mit seinem stromlinienverkleideten Mercedes-Benz SSKL am Heck des Alfa-Monoposto von Caracciola. Dabei schonte er den Motor und wartete auf seine Chance. Sie kam in der letzten Runde: Im richtigen Augenblick setzte er die Leistung seines gewaltigen Kompressormotors für Sekunden voll ein und schoß unter dem stürmischen Beifall der Zuschauer an Caracciola vorbei und als Sieger durchs Ziel!

Er hatte aber nicht nur dieses Rennen in letzter Sekunde gewonnen, sondern mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 194,4 km/h auch einen neuen Klassen-Weltrekord über die 200-Kilometer-Distanz aufgestellt.

Von Brauchitsch beim Start in Donington 1937 - Foto: Sutton

Manfred von Brauchitsch konnte seine Erfolgsserie auf dem SSKL auch im folgenden Jahr unter anderem mit Siegen beim Kesselberg-Rennen und Schauinsland-Bergrennen fortsetzen. 1934 wurde er von dem legendären Rennleiter Alfred Neubauer offiziell ins Daimler-Benz Werksteam geholt.

Nach seinem Silberpfeil-Triumph auf dem Nürburgring beim Eifelrennen 1934, schien Manfred von Brauchitsch allerdings vom Pech verfolgt zu sein. Am Ort seines großen Erfolges verunglückte er nur wenige Wochen später während des Trainings zum Großen Preis von Deutschland schwer. Zwar errang er in den folgenden Jahren bei zahlreichen großen Rennen vordere Plätze, einen Sieg konnte er allerdings erst wieder 1937 beim Großen Preis von Monaco erringen. Wie früher untermauerte er seinen Erfolg mit einem neuen Streckenrekord.

Seinen letzten großen Sieg errang Manfred von Brauchitsch 1938 beim Großen Preis von Frankreich.

Manfred von Brauchitsch - Der Motorsport war sein Leben. - Foto: Sutton

Nach dem Krieg orientierte sich Manfred von Brauchitsch beruflich neu. Im Herbst 1948 wurde er zum Sportpräsidenten des neugegründeten Automobilclubs von Deutschland (AvD) gewählt. 1954 verlegte er seinen Wohnsitz in die DDR. Dort bewarb er sich 1957 bei der Gründung des Allgemeinen Deutschen Motorsport Verbandes (ADMV) erfolgreich um die Position des Sportpräsidenten. 1960 folgte seine Berufung zum Präsidenten der "Gesellschaft zur Förderung des olympischen Gedankens in der DDR".

Auch nach seiner aktiven Zeit ist Manfred von Brauchitsch dem Motorsport und der Marke Mercedes-Benz auf das Engste verbunden geblieben. Bis zuletzt galt sein besonderes Interesse der Formel 1 und er hatte große Freude daran, seinen Sportsgeist bei heutigen Piloten der Königsklasse wie Mika Häkkinen und David Coulthard wiederzufinden.

Bis zu seinem Tode lebte Manfred von Brauchitsch mit seiner Frau Liselotte in Gräfenwarth bei Schleiz in Thüringen...