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Formel 1 / Historisches

Gunnar Nilsson - Eine schwedische Tragödie

Die Formel 1 sah viele Tragödien. Jene des Schweden Gunnar Nilsson endete jedoch nicht im Heldentod auf der Strecke, sondern im Kampf gegen den Krebs.
von Jo Klausmann

Motorsport-Magazin.com - In der Geschichte der Formel 1 gibt es viele Beispiele, wie tragisch eine Laufbahn zu Ende gehen kann. Einen ganz besonderen Platz nimmt aber das Schicksal des Schweden Gunnar Nilsson ein.

Als aufstrebendes Talent im Windschatten seines Landsmannes und Freundes Ronnie Peterson kam er nach England um dort Formel 3 zu fahren. Er gewann im Jahre 1975 dann sogar die "BP Super Visco" F3 Meisterschaft und bestritt daraufhin einige Einsätze für March in der Formel 2. Wiederum auf Empfehlung von Peterson kam er in den Genuss eines Werksvertrages mit BMW für die Marken-WM 1976. (zusammen mit D. Quester Sieger bei den 1.000 km von Österreich in Zeltweg).

Gunnar Nilssons Karriere endete tragisch. - Foto: Sutton

Anlässlich eines Tests von BMW im Herbst 1975 im italienischen Mugello verpflichtete ihn Lotus Team Manager Peter Warr im Auftrag von Firmenchef Colin Chapman für die Formel 1 Saison 1976. Lotus, Ende `75 sowohl finanziell als auch sportlich auf wackeligen Beinen, konnte sich einen hoch bezahlten Superstar wie R. Peterson nicht mehr leisten, und musste sich nach günstigeren Alternativen umsehen. Mit Mario Andretti, der ab dem 4. Rennen zum Team stieß, hatte man einen leistungsbezogenen Vertrag aushandeln können. Er war die ideale Ergänzung zum jugendlichen Nilsson, und mit dem Typ 77 war man allmählich wieder auf dem Weg zur Spitze der F1.

Nach zwei mäßigen Vorstellungen in Brasilien und Long Beach, platzte beim GP in Jarama der Knoten für Gunnar Nilsson. Mit einem blitzsauberen dritten Platz etablierte sich der Schwede in der Weltelite. Ein Podiumsplatz in Österreich und weitere Platzierungen in den Punkten reichten für den hervorragenden zehnten Platz in seiner ersten Saison.

Die Beziehung zwischen Andretti und Nilsson entwickelte sich vergleichbar zu der zwischen Jackie Stewart und Francois Cevert fünf Jahre früher beim Tyrrell Team. Nilsson war ein lernbegieriger Schüler und absolut ergeben und loyal seiner Nummer Eins gegenüber. Im Fahrerlager war man sich sicher, dass einmal ein ganz Großer aus ihm werden würde.

Mit der Vorstellung des Typs 78 war Lotus im Jahre 1977 dann wieder der Maßstab in der Formel Eins. Das erste "Wing-Car" war allen anderen überlegen, nur die mangelnde Zuverlässigkeit und ein paar Fahrfehler Andrettis hielten Lotus vom Titelgewinn ab.

Der Schwede und sein Lotus. - Foto: Sutton

So startete Nilsson solide in die neue Saison, mit Punkterängen in Brasilien und Spanien. Seine große Stunde schlug aber im Regen von Zolder, als er bei immer wieder wechselnden Bedingungen die Nerven behielt, und im Endspurt gar den kommenden Weltmeister Niki Lauda niederrang. Nilsson feierte einen viel umjubelten ersten Grand Prix Sieg, und jedermann gönnte es dem sympathischen Schweden. Weitere starke Auftritte in Dijon und Silverstone führten ihn in der WM-Tabelle nach oben.

Im Spätsommer aber, wurden seine Leistungen unregelmäßiger. Von körperlichem Unwohlsein und Ermüdung war die Rede, ärztliche Untersuchungen aber ergaben keine Resultate. Ein letztes Mal ließ er sein Können aufblitzen, als er beim vorletzten Lauf in Mosport den Lotus in die zweite Reihe stellte.

Für 1978 erwartete man bei Lotus die Rückkehr von Ronnie Peterson, und so musste sich Nilsson nach einem neuen Team umschauen. Er unterschrieb einen Vertrag für das neue Arrows Team, war aber nicht mehr in der Lage den Wagen zu fahren. So also bestritt Gunnar Nilsson am 23. Oktober 1977 sein letztes Rennen im japanischen Mount Fuji.

Speziell für diesen einen Auftritt, lackierte man den Wagen in den roten Farbtönen von Imperial Tobacco, der Muttergesellschaft von John Player. Ein seltsamer Anblick, ein roter Werks-Lotus in der Blütezeit der "black and gold winning machines".

Nilssons Auftritt in Japan war blass, und, was niemand wissen konnte; es sollte das letzte Mal sein, dass er ein Formel 1 Auto bewegen würde. Weitere Arztbesuche folgten, und die niederschmetternde Diagnose lautete: Krebs.

Gunnar Nilsson in Zandvoort 1977. - Foto: Sutton

Er unterzog sich Chemotherapien und kämpfte bravourös gegen die Krankheit, felsenfest davon überzeugt, wieder Rennen fahren zu können. Seinen Kollegen stattete er sogar beim englischen GP in Brands Hatch 1978 einen Besuch ab. Das Schicksal aber wollte es anders. Nilsson verstarb am Morgen des 20. Oktober 1978 in London – gerade einmal 29 Jahre alt.

Kurz vor seinem Tod rief er noch die "Gunnar Nilsson Cancer Treatment Campaign" ins Leben, eine Organisation zur Krebsbekämpfung, speziell bei Kindern. Im Juli 1979 wurde dann sogar ein F1 Rennen zugunsten der Stiftung veranstaltet: die "Gunnar Nilsson Memorial Trophy" in Donington...