Formel 1

Formel-1-Technik: Renault trickst mit Auspuff am Heckflügel

Das Anblasen von Aero-Elementen mit Abgasen ist in der Formel 1 verboten. Renault hat trotzdem einen Weg gefunden, mit Abgasen Abtrieb zu erzeugen.
von Christian Menath

Motorsport-Magazin.com - Immer wieder versuchten Formel-1-Teams in der jüngeren Vergangenheit ungenutzte Auspuffgase für aerodynamische Zwecke zu missbrauchen. Durch geschickte Positionierung der Auspuffendrohre wurde beispielsweise der Diffusor angeblasen.

Als der angeblasene Diffusor verboten wurde, kamen die Teams mit dem Coanda-Auspuff um die Ecke. Die Position der Auspuffendrohre war zwar vorgeschrieben, allerdings konnten mit geschickt geformten Bodywork und Zuhilfenahme des Coanda-Effekts die Gase weiterhin an gewünschte Stellen transportiert werden.

Seit der Turbo-Hybrid-Ära gibt es nur noch ein zentrales Auspuffrohr, dessen Position auch noch recht restriktiv vorgeschrieben ist. Und trotzdem nutzten die Teams die Gase dazu, um den sogenannten Monkey-Seat effektiver zu machen. Seit der Saison 2018 ist nun auch der Monkey Seat verboten.

Renault packt Auspuff nach oben

Und was macht Renault? Die Franzosen kommen zum Wintertest mit einem an der Unterseite auffällig beschichteten Heckflügel, der Temperaturen von heißen Auspuffgasen gut abkann. Dazu sitzt der Auspuff deutlich höher als bei der Konkurrenz. Der Verdacht liegt also nahe, dass Renault die Gase des Auspuffs weiterhin nutzt.

Technikchef Bob Bell macht auch gar kein kein Geheimnis daraus, dass man hier das Reglement bis an die Grenzen ausreizt. Das Hauptrohr nutzt die maximale Höhe von 55 Zentimeter komplett aus. Zusätzlich ist der Winkel der letzten 15 Zentimeters des Rohrs festgeschrieben. Der Auspuff darf hinten maximal 5 Grad angestellt sein. Und auch hier nutzt Renault das Reglement aus.

Zwar zielt der Auspuff noch immer nicht auf Bodywork, bläst den Heckflügel also nicht direkt an, aber dennoch kann so der Abtrieb gesteigert werden, indem die Luftströmung an der Unterseite durch Abgase beschleunigt wird.

Allerdings steht der Abtrieb bei angeblasenen Teilen in Relation zu den Auspuffgasen - und die verändern sich. Deshalb arbeiten die Aerodynamiker auch eng mit der Motorenabteilung zusammen, um einen Abgasstrom zu haben, wenn Abtrieb benötigt wird.

"Wir sind ein Werksteam, natürlich arbeiten wir hier im Rahmen des Reglements zusammen", bestätigt Bob Bell Motorsport-Magazin.com. Allerdings hat die FIA in den letzten Jahren auch hier viele Lücken geschlossen, Motoren-Mappings können nicht mehr so stark zum Anblasen von Aerodynamik-Elementen missbraucht werden. Zündwinkel und Co. sind inzwischen stark eingeschränkt.


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