Alex Marquez überraschte am Freitag am Sachsenring nicht nur das gesamte MotoGP-Paddock, sondern auch sich selbst. Trotz des vor zwei Wochen erlittenen Bruchs in der linken Hand fuhr er die zweitschnellste Zeit, sogar schneller als Bruder Marc. Steht da etwa mehr als Schadensbegrenzung ins Haus?

Viel besser als erwartet! Alex Marquez will keine Regenhilfe

"Es ist viel besser als erwartet. Heute morgen nahm ich es locker und fühlte mich nicht allzu zufrieden mit dem Motorrad. Ich pushte noch nicht am Limit. Aber heute Nachmittag war es wichtig in Q2 einzuziehen, besonders beim Blick auf die Wettervorhersage für Morgen", berichtete der Gresini-Pilot, dass er erst im Training richtig ernst machte. Dann war nurmehr einer schneller. Mehr dazu in unserem Bericht:

Der Hinweis auf die Wettervorhersage kommt nicht von ungefähr, denn am Samstag soll es mit hoher Wahrscheinlichkeit regnen. Auch wenn es dann aufgrund der niedrigeren Geschwindigkeit weniger anstrengend wäre, so ist der angeschlagene WM-Zweite kein Fan dieser Aussicht: "Körperlich hilft es schon, denn es ist weniger anspruchsvoll. Aber die Sturzgefahr ist deutlich höher. Mir wäre es trocken lieber. Erstens weil ich schnell bin und Zweitens, weil du dann mehr Kontrolle hast. Aber du musst es nehmen, wie es kommt."

Wie entwickelt sich die gebrochene Hand? Fahrt ins Ungewisse für Alex Marquez

Dass er den Speed hat, bedarf kaum noch eines Beweises. Die Frage lautet, ob er auch die 15 Runden im Sprint und die 30 Runden im Grand Prix durchhalten kann. Darauf konnte er keine Prognose abgeben: "Solche Verletzungen werden manchmal immer besser und manchmal immer schlimmer. Es bestehen also Zweifel für morgen. Mal sehen, wie es nach dem Aufstehen ist. Ich werde es Session für Session bewerten, meine 100 Prozent geben und nicht zu weit vorausdenken."

Alex Marquez (BK8 Gresini Racing MotoGP)
Alex Marquez will sich Session für Session steigern, Foto: IMAGO / Alexander Trienitz

Obwohl es sich um eine Fahrt ins ungewisse handelt, sieht er aber auch noch Potential. "Ich fahre nicht im Fluss, es ist alles noch sehr steif", berichtet der 29-Jährige. Der Freitag stellte seine Ausfahrt auf einem Motorrad nach der Operation vor zwei Wochen dar. Auch ein Superbike oder Ähnliches hatte er nicht pilotiert. Demensprechend muss das noch etwas geschmeidiger werden. Doch er hofft auf Hilfe durch die Rennaction: "Ich glaube mit dem Adrenalin verschwindet das alles wieder, wenn der Start erfolgt."

Alex Marquez mit Verband an der Hand in der Gresini-Box
Alex Marquez fährt mit Verband an der Hand, Foto: Gresini Racing

Lädierte Hand nur in einer Situation ein Handicap auf dem MotoGP-Bike

Die linke Hand scheint tatsächlich keine großen Probleme zu bereiten, mit einer Ausnahme. Sie wird beim Startprozedere gebraucht. Alex Marquez gibt zu, dass hier ein Risiko besteht: "Es gibt eine größere Wahrscheinlichkeit, dass ich am Start einen Fehler begehe. Ich hoffe einfach auf einen normalen Start. Einfach einen Standart-Start und gut in Kurve 1 ankommen." Vor dem ersten Start geht es aber erstmal ins Qualifying am Samstagvormittag. Für dieses hat er sich das Leben durch den souveränen Einzug ins Q2 schon einmal leichter gemacht. Und wer weiß, vielleicht stehen ja noch weitere positive Überraschungen bevor?

Ob Bruder Marc Marquez nach dem Freitag in echten Problemen steckt, erfahrt ihr derweil in diesem Artikel: