Formel 1

Formel-1-CEO Chase Carey: Unsere Ziele sind langfristiger

Nach der ersten Saison der Formel 1 unter der Leitung von Liberty Media blickt der neue Formel-1-CEO Chase Carey im Interview auf die geleistete Arbeit.

Motorsport-Magazin.com - Die erste Saison unter ihrer Führung ist beendet. Hat sie ihre Erwartungen erfüllt?
Chase Carey: Ich habe ein gutes Gefühl beim aktuellen Stand. Mein Ziel war es eine Grundlage zu legen und ich denke, das haben wir in diesem Jahr geschafft. Es ist aber noch zu früh um einen Erfolg festzustellen, aber ich denke wir haben einige gute Initiativen gestartet.

Wir haben oft gesagt, dass wir eine Langzeitvision in den Sport bringen wollen. Unsere Ziele sind nicht innerhalb von drei Monaten oder einem Jahr zu erreichen. Unsere wirkliche Priorität liegt drauf, was wir in drei oder vier Jahren erreicht haben. Das bleibt weiterhin wichtig. Es bedeutet aber nicht, dass wir keine mittelfristigen Zwischenziele haben, aber wir sind noch am Anfang dessen, was wir erreichen wollen.

Die Formel 1 wird gerne als Piranha-Club bezeichnet. Waren sie deshalb über den Level der Kooperation von den Teams überrascht?
Es war ein Sport, in dem jeder ein wenig für sich stand. Wir haben über unser Ziel gesprochen, mehr eine gemeinsame Vision für den Sport zu schaffen. Wir hatten Meetings mit allen Sponsoren, Promotern und natürlich auch den Teams um unsere Pläne und Visionen zu teilen.

Wir wollen weiter großen Wettkampf auf der Strecke, aber um das zu erreichen, wollen wir zusammen an der Plattform arbeiten und für möglichst alle eine Win-Win-Lösung finden. Die Arbeit ist im Gange, denn man ändert die Kultur nicht über Nacht, aber ich denke unsere Philosophie kam gut an. Wir haben das Gefühl, dass noch viel Arbeit vor uns liegt, aber ich habe ein gutes Gefühl bezüglich des aufgenommenen Momentums.

Ist es eher als würdest du dich um ein einjähriges Baby kümmern oder eine 67-Jährige Person pflegen?
Ich bin nicht sicher, ob ich mich zu einem der beiden bekennen kann. Es ist lange her, dass ich ein einjähriges Baby in den Armen hatte und ich bin fast 67. Ich denke aber, es ist eher eine Balance. Die Geschichte des Sports ist unglaublich wichtig, es ist einer der großen Werte des Sports, der Teams, der Fahrer und der Helden der Vergangenheit. Während wir nicht vergessen sollten, die Geschichte zu feiern, darf das den Sport nicht einschränken, denn wir wollen neue Energie und Innovation in den Sport bringen.

Liberty Media will die Formel 1 wieder spannender machen - Foto: Ferrari

Das Preisgeld für die Teams ist in diesem Jahr geringer. Wie wurde das aufgenommen?
Wir haben klar gesagt, dass wir langfristig in den Sport investieren. In den letzten Jahren litt der Sport unter kontinuierlichem Kurzzeit-Fokus. Dadurch gingen viele Dinge nicht in die richtige Richtung, aber in diesem Jahr gingen die Besucherzahlen wieder hoch, genau wie die Zuschauerzahlen und daher denke ich, dass wir mit positivem Gefühl im Rücken weitermachen können. Der Sport hat frische Energie und Investment gebraucht.

Will man etwas zu vergrößern, so heißt ein amerikanisches Sprichwort, dann gibt es kein kostenloses Mittagessen. Wir hatten keine Organisation, die sich ordentlich entwickeln konnte, um den Sport aufzubauen. Wir hatten keine Forschung, kein Marketing, keine digitale Organisation und wenn man so etwas nicht hat, dann fällt man zurück. Baut man so etwas auf, hat man erst Kosten, bevor es Einnahmen gibt. Aber wir investieren in die ZUkunft des Sports.

Aus der Teamperspektive würde natürlich jeder gerne weiter die kostenlosen Mittagessen haben und gleichzeitig das Wachstum ohne Investition haben, aber so funktioniert die Welt nicht. Ich denke es gibt Verständnis und Anerkennung für das, was wir tun, denn wir sind uns einig, was für den Sport getan werden muss.

Haben sie mittlerweile eine Grundlage ihrer Vision, die sie den Teams präsentieren können?
Es ist nicht so, dass man ein fertiges Paket hat. Die Welt entwickelt sich laufend. Wir haben Dinge, die sich entwickeln und wir passen uns an. In ein bis zwei Jahren haben wir auch noch Dinge, die voranschreiten. Es ist nicht so, dass wir fertig sind und einen gefassten Plan umsetzen können.

Das Event in London war ein erster Schritt von Liberty Media - Foto: Sutton

Wir haben uns einige Dinge vorgenommen, aber die werden sich konstant entwickeln. Als wir das Jahr begannen, waren wir drei Leute. Jetzt haben wir ein Team aufgebaut und ein großer Teil der Organisation ist neu. Wir hatten zwar Mitarbeiter für Finanzen und Recht, aber wir hatten niemanden, der alles organisiert.

Es ist unmöglich, es allen recht zumachen und daher wird es unausweichlich Widerstand gegen ihre Maßnahmen geben. Sind sie darauf vorbereitet?
Daran ist nichts außergewöhnlich. Realistisch betrachtet ist das die Art wie die Welt funktioniert. Wenn man etwas mit mehreren Parteien angeht, haben die oftmals sehr verschiedene Ansichten. Man muss sich anschauen, was ihre Ansichten sind und was die geteilten Ziele sind. Wenn man sich auf Ziele einigt, ist das ein Anfang.

Wir haben zehn verschiedene Team-Ansichten, die aber alle dem Sport helfen wollen. Dabei wird es immer eine Dynamik geben und das respektiere ich, denn alle Teams wollen jedes Rennen gewinnen. Aber wenn nur ein Team jedes Rennen gewinnt, ist das kein guter Sport. Denn Sport basiert auf Konkurrenzkampf, unerwartetem und Drama. Wenn es vorhersehbar wird, verliert der Sport an Reiz.

Das gemeinsame Ziel ist, die Popularität des Sports zu verbessern. Welche Dinge werden dabei helfen, das Ziel zu erreichen?
Es gibt eine lange Liste von involvierten Parteien, daher ist es wie ein dreidimensionales Schachspiel. Man muss die richtige Balance finden. Wo wir die Kompromisse finden werden, um die Ziele zu erreichen kann ich jetzt noch nicht sagen. Wir müssen daher noch zu sehr die anderen Ansichten und Ziele verstehen.


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