Formel 1

Formel 1: Flop-5 - Fahrer mit Palmer-Format

Jolyon Palmer ließ sich in der Formel 1 2017 gnadenlos von Nico Hülkenberg vorführen. Aber schlimmer geht immer. Fünf historische Beispiele:
von Jonas Fehling

Luca Badoer: Rekord! 0 Punkte in 51 GP

1999 hatte Badoer die größte Chance auf Punkte - er lag am Nürburgring auf P4 bis zum Ausfall - Foto: Sutton

469 Testtage, fast alle für Ferrari, absolvierte Luca Badoer in der Formel 1 - Rekord. Und dennoch: Als Edeltester gilt der Italiener nicht gerade, hält Badoer doch einen weiteren Rekord. Und der fällt dramatisch weniger ruhmreich aus: Bei seinen 51 Renneinsätzen schaffte es der Test-Dauerbrenner kein einziges Mal in die Punkte. Mehr Rennen ohne Zähler weist kein anderer Pilot der F1-Geschichte auf. Bei seinen zwölf Grands Prix für Lola 1993, sechs für Forti 1996 und 31 für Minardi 1995/99 mag das noch akzeptabel sein - zumal damals nur die ersten Sechs Punkte erhielten. Doch schaffte es Badoer selbst dann nicht in die Punkte, als Ferrari seinen Reservisten 2009 zwei Rennen lang für den verletzten Felipe Massa ins Einsatzcockpit beförderte - und da gab es immerhin schon für Platz 8 einen Zähler. Badoer, im Qualifying beide Male abgeschlagen Letzter, kam jedoch nicht über P14 beim Belgien GP hinaus - während Kimi Räikkönen gewann.

Alex Yoong: Besser beim Wasserski geblieben

Alex Yoong sah kein Land gegen die Teamkollegen Alonso und Webber - Foto: Sutton

Während Badoer mit dem F3-Titel zumindest vor seiner F1-Karriere einen Erfolg vorweisen konnte, startete Alex Yoong seine kurze Zeit in der Formel 1 ohne nennenswerte Würden - einmal abgesehen von drei Triumphen bei den malaysischen Wasserski-Meisterschaften. Ins kalte Wasser geworfen wurde Yoong somit 2001, als er drei Rennen vor Saisonende dank potenter Sponsoren das Minardi-Cockpit von Tarso Marques, ebenfalls kein Top-Talent, übernahm. Im Qualifying kam Yoong dabei nie über den letzten Platz hinaus, während Fernando Alonso gleich zwei Mal ins Mittelfeld vorstieß. Doch auch in seiner ersten vollen Saison 2002 überzeugte Yoong bei Minardi nur dank seiner Mitgift. Während Mark Webber in seinem ersten Rennen sensationell zwei Punkte einheimste, scheiterte Yoong im Saisonverlauf gleich drei Mal an der Qualifikation, sah nur fünf Mal das Ziel. In Ungarn und Belgien sortierte Minardi den Malayen sogar völlig aus. Wegen zu schwacher Leistungen setzte das Team lieber auf Anthony Davidson. Doch Yoong pumpte seine Geldgeber an, kehrte für die drei finalen Läufe zurück - nur, um erneut zwei Mal auszuscheiden. Das frühe Ende seiner Formel-1-Ambitionen.

Taki Inoue: "Ganz sicher einer der schlechtesten"

Taki Inoue (vorn) war für Pleiten, Pech und Pannen bekannt - Foto: Sutton

Sofort weiter im Paydriver-Land: Taki Inoue! Mehr als den Namen muss man da eigentlich nicht mehr sagen, zieht sich Takachiho auf Twitter doch selbst höchst öffentlichkeitswirksam durch den Kakao. 18 Rennen bestritt der Japaner Mitte der 90er Jahre, nur fünf davon beendete er. Zuvor hatte sich Inoue bereits in der Formel 3000 durch völlige Erfolglosigkeit und diverse selbstverschuldete Unfälle einen Namen gemacht. Doch mit Geld geht in der Formel 1 bekanntlich alles. 1994 kaufte er sich im letzten Rennen bei Simtek ein und qualifizierte sich mit satten drei Sekunden Rückstand auf seinen Teamkollegen. Inoues erste volle Saison lief nicht im Ansatz besser, die Rückstände hielten sich konstant in ähnlicher Größenordnung. Damals astronomische 4,5 Millionen Dollar ließen es sich seine Sponsoren kosten, Inoue beim Scheitern zuzusehen. Keines der 17 Saisonrennen beendete er vor seinen Teamkollegen Gianni Morbidelli und Massimiliano Papis. Noch dazu zog er das Pech wie magisch an: In Ungarn wurde er vom Medical Car angefahren und verletzte sich am Bein, in Monaco krachte das Safety Car in seinen gecrashten Boliden, der sich samt des unangeschnallten Japaners überschlug - Gehirnerschütterung! Fast 20 Jahre später gestand der Japaner: "Während meiner gesamten Formel-1-Karriere habe ich nie ein Auto überholt. Ich glaube, ich bin ganz sicher einer der schlechtesten Formel-1-Fahrer aller Zeiten."

Ricardo Rosset: Mr. DNQ

Am Limit war oft nicht genug: Ricardo Rosset - Foto: Sutton

Für Tyrell war die Saison 1998 nach dem Verkauf der Startberechtigung an British American Tobacco ein Übergangsjahr. Das Traditionsteam beendete sein letztes Jahr in der Formel 1 punktelos als klares Schlusslicht. Während Toranosuke Takagi sich bei jedem Saisonlauf qualifizierte, verkam die Vorstellung von Fahrer Nummer zwei - Ricardo Rosset - zur Farce. Stolze fünf Mal, bei damals nur 16 WM-Läufen, misslang dem Brasilianer die Qualifikation. Sonst scheiterte im gesamten Saisonverlauf kein anderer Fahrer auch nur ein einziges Mal an der 107-Prozent-Hürde. Noch dazu sah Rosset lediglich vier Mal die Zielflagge. Schon die Verpflichtung des ehemaligen Vize-Champions der Formel 3000 hatte unter keinem guten Stern gestanden. Ken Tyrell hielt Rosset für völlig ungeeignet, doch Craig Pollock (BAR) nutzte seine Entscheidungsgewalt und votierte für den Brasilianer mit der dicken Geldbörse. Die Zweifel an Rosset bestätigten sich nicht nur in den Ergebnislisten, sondern spiegelten sich auch im Verhalten der Tyrell-Crew. So tauschte das Team an Rossets Paddock-Scooter gerne mal die Buchstaben und bevorzugte klar Takagi. Nach diesen Erfahrungen beendete Rosset nicht nur seine Formel 1, sondern gleich seine gesamte Motorsport-Karriere.

Yuji Ide: Und weg war die Superlizenz

Yuji Ide - Der langsamste F1-Pilot aller Zeiten? - Foto: Sutton

Der Prototyp des erfolglosen Formel-1-Fahrers schlechthin. Mit dem japanischen Duo Yuji Ide und Takuma Sato startete 2006 das neue Team Super Aguri sein F1-Engagement. Lang sollte diese Fahrerpaarung jedoch nicht Bestand haben. Nach nur vier Saisonläufen empfahl die FIA dem neuen Rennstall, die rollende Schikane Ide doch bitte nicht mehr an einem Rennwochenende einzusetzen. Unmittelbar zuvor hatte Ide in Imola Midland-Pilot Christijan Albers derart abgeräumt, dass sich der Niederländer gleich mehrfach überschlug. Schon beim folgenden Europa GP saß Ide nicht mehr im Super Aguri. Kurz vor dem Spanien GP bestätigte das Team, dass die FIA dem 31-Jährigen die Superlizenz gleich für die gesamte Saison entzogen hatte. Weder 2006 noch irgendwann anders kam Ide noch einmal in einem Formel-1-Boliden zum Einsatz. Die Bilanz des Vizemeisters der Formel Nippon 2005: vier Grands Prix, drei Ausfälle, bei der einzigen Zielankunft vom Teamkollegen (dem Vorletzten Takuma Sato) überrundet.

Mehr Artikel im Motorsport-Magazin

Dieser Artikel stammt aus der Printausgabe von Motorsport-Magazin.com. Du willst mehr solche Artikel lesen? Dann sichere dir drei Ausgaben unserer Printausgabe zum Vorzugspreis. Darin findest du in jeder Ausgabe neben interessanten Interviews auch spannende Hintergrundgeschichten, Technikerklärungen, History-Erlebnisse, spektakuläre Hochglanzbilder und noch viel mehr. Worauf wartest du noch? Sichere dir das Motorsport-Magazin preiswerter, früher als im Einzelhandel und bequem zu dir nach Hause!


Weitere Inhalte:
Motorsport-Magazin.com fragt
Wir suchen Mitarbeiter