Formel 1

Formel-1-Zeugnis: Carlos Sainz' Saison-Fazit 2017

Turbulente Formel-1-Saison 2017 für Carlos Sainz. Bei Toro Rosso ließ er Kvyat alt aussehen, bei Renault schlug er sich gut gegen Hülkenberg. Ein Rückblick.
von Jonas Fehling

Motorsport-Magazin.com - Die Formel-1-Saison 2017 liegt hinter uns. Es war ein Jahrgang, der Geschichte geschrieben hat: Nicht nur die spektakulären neuen Autos haben für neue Rekorde gesorgt, auch die Piloten. Motorsport-Magazin.com nimmt alle Fahrer der abgelaufenen Saison unter die Lupe. Jeden Tag arbeiten wir uns in unserem Adventskalender in der WM-Tabelle einen Platz vor. Heute in der Zeugniskonferenz: Carlos Sainz.

Steckbrief Carlos Sainz

Karriere 2017
GP-Starts 60 20
Siege 0 0
Bestes Rennergebnis 4 4
Podien 0 0
Ø Rennplatzierung 12,3 12,2
Ausfälle 19 8
Schnellste Runden o 0
Poles 0 0
Beste Startposition 5 6
Ø Position im Qualifying 12 11,45
Punkte 118 54

Die Qualifying-Performance 2017: Carlos Sainz gehörte zu jenen Fahrern, die von Strafen um bessere Startplätze gebracht wurden als es ihre Qualifying-Leistungen gerechtfertigt hätten. Bei Sainz allerdings nur knapp: Im Schnitt qualifizierte sich der Spanier auf Platz 11,45, startete aber von 11,65. Sein bestes Ergebnis holte Sainz in Monaco, wo er sich als Sechster qualifizierte. Sein schlechtestes Qualifying fuhr Sainz in Bahrain (P16), sodass er nur dort das Q2 verpasste. Totalausfälle waren am Samstag also absolute Mangelware vonseiten Sainz'.

Toro-Rosso-Kollege Daniil Kvyat musste die Schmach Q1-Aus dagegen einmal mehr über sich ergehen lassen. Im Quali-Duell hielt sich der Russe aber noch halbwegs auf Augenhöhe mit Sainz, verlor nur 6:8 gegen den Spanier. Auch der durchschnittliche Rückstand hielt sich in Grenzen. Anders gegen Kvyat-Nachfolger Pierre Gasly, den Sainz erwartungsgemäß 2:0 besiegte. Nach seinem Wechsel zu Renault folgten gegen den arrivierten Nico Hülkenberg allerdings drei Schlappen. Sainz' einziger Sieg gleich beim Debüt in den USA ist nur darauf zurückzuführen, dass der Deutsche im Q2 wegen technischer Probleme keine Zeit setzen konnte.

Die Renn-Performance 2017: Der wahre Wert des Carlos Sainz - zunächst noch für Toro Rosso - zeigte sich jedoch nicht im Qualifying, sondern im Rennen. Während Kvyat aus der meist recht ähnlichen Ausgangslage nur fünf Punkte machte, kam Sainz bei Toro Rosso auf ganz starke 48. Bitter für die Scuderia nur, dass Sainz auch mit Renault noch sechs Zähler erzielte - mit einem ganz starken Manöver gegen Sergio Perez über die Außenbahn in den USA. Genug, um in der WM noch vor Sainz' Ex-Team zu landen.

Sein absolutes Highlight setzte Sainz aber noch bei Toro Rosso - mit Platz vier in Singapur. Lowlights gab es jedoch auch mehr als nur eines (s.u. bei "negativ aufgefallen"). Ohne diese Zwischenfälle wäre für Sainz noch einmal deutlich mehr drin gewesen und so werfen diese Aussetzer einen zumindest kleinen Schatten auf eine sonst extrem starke Performance des Spaniers, die letztlich auch Renault nicht entging und ihm den vorzeitigen Aufstieg ins Werksteam einbrachte.

Das sagt Sainz selbst: "Insgesamt war es eine gute Saison und mit Renault ein wirklich großartiger Start für mich. Es gab viel zu lernen, da ich in ein Werksteam gekommen bin und das mitten in der Saison. Aber ich denke, dass wir dieser Herausforderung auf positive Weise begegnet sind. Noch befinde ich mich aber auf dem steilen Teil der Lernkurve."

Positiv aufgefallen: Daniil Kvyat bei Toro Rosso vor allem im Rennen (dann zählt es!) klar geschlagen, bei Renault immerhin sofort recht nah dran an Nico Hülkenberg

Negativ aufgefallen: Kollisionen mit Lance Stroll in Bahrain und Romain Grosjean / Felipe Massa in Kanada unnötig verschuldet, Dreher am Start in Baku, früher Abflug in Japan

Soll erfüllt? Ja. Insgesamt kann man Carlos Sainz trotz diverser Aussetzer, die ihn um die Bestnote bringen, nur für eine ganz starke Saison loben. Irgendwie steckte Sainz immer zwischen Wahnsinn und Genie. Doch unter dem Strich überwog das Genie. Die reine Racecraft war immer richtig stark. Daniil Kvyat hatte der Spanier bei Toro Rosso zumindest sonntags fast schon spielend im Griff. Nach seinem Wechsel zu Renault war Sainz zudem deutlich näher dran an Nico Hülkenberg als der ausgebootete Jolyon Palmer - und das sofort, aus dem Stand ohne jede Erfahrung im R.S.17.

MSM-Note: 2


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