Formel 1

Formel 1, Brasilien 2017: Enger Vierkampf im Mittelfeld

Das Mittelfeld lag am Trainingsfreitag in Sao Paulo dicht zusammen. Zwischen Force India, Williams, Renault und McLaren bahnt sich ein Vierkampf an.
von Florian Becker

Motorsport-Magazin.com - Am ersten Trainingstag für den Grand Prix von Brasilien 2017 lagen nicht nur Mercedes, Ferrari und Red Bull an der Spitze eng beisammen. Hinter den Top-Teams zeichnet sich beim vorletzten Rennen der Formel-1-Saison im Mittelfeld ein enger Kampf ab. Williams-Pilot Felipe Massa präsentierte sich zeitweise als Best of the Rest. Force India, Renault und McLaren sind dem Lokalmatador jedoch auf den Fersen. Abgeschlagen waren hingegen Toro Rosso und Haas.

Lediglich 0,389 Sekunden trennten im 2. Freien Training am Nachmittag Esteban Ocon und Sergio Perez. Nach diversen Kollisionen zwischen den beiden Force-India-Teamkollegen dürfte dieser Abstand bei der Teamführung gleich in mehrerlei Hinsicht für entspannte Gesichter sorgen - denn zwischen den beiden Streithähnen liegen nicht nur drei Zehntel, sondern auch vier Konkurrenten.

Hinter dem Siebtplatzierten Esteban Ocon reihten sich am Nachmittag Boliden von Williams, Renault und McLaren ein - erst dann folgte Perez auf Position zwölf. Der Kampf im Mittelfeld verspricht angesichts dieser Konstellation in Brasilien besonders spannend zu werden. Und das schon am Samstag, wie Alonso erwartet. "Die Zeiten sind sehr eng. "Es gibt zu viele Kandidaten für die letzten paar Plätze im Q3", so der Spanier.

Die Reihenfolge der Teams im Training war beinahe ein direktes Abbild der Gesamtwertung. Ocon und Perez fixierten in Mexiko vorzeitig den vierten Platz für Force India, weshalb das Team am Freitag in Interlagos viel experimentierte. "Der Tag war am Ende zur Hälfte ein Wintertest und zur Hälfte ein normaler Freitag", erklärt der stellvertretende Teamchef Robert Fernley, der am Vormittag einen seiner Boliden Mercedes-Junior George Russell überließ.

Sergio Perez musste für den jungen Briten Platz machen, weshalb er im Vergleich zum Teamkollegen etwas Aufholbedarf hatte. Der Mexikaner hatte mit den heißen Temperaturen im zweiten Training zu kämpfen. "Es war nicht einfach, die Balance bei dem hohen Abbau der Reifen anzupassen", gibt er zu Protokoll. Beim ehemaligen Erzrivalen Williams, der Platz fünf mit 76 Punkten mehr oder weniger sicher hat, zeichnete sich das übliche Bild ab.

Formel 1 Brasilien 2017: Die Top-5 Brennpunkte zum Rennen: (02:46 Min.)

Williams: Massa startet gut in sein letztes Formel-1-Wochenende in Brasilien

Lokalmatador Felipe Massa, der 2017 wohl definitiv das letzte Mal mit der Formel 1 vor heimischem Publikum in Interlagos auftritt, war am Vormittag als Siebter noch erster Verfolger der Top-Teams. Im zweiten Training musste er sich um lediglich eine halbe Zehntelsekunde Ocon geschlagen geben. Teamkollege Lance Stroll war in beiden Sessions mit einer halben Sekunde Rückstand und mehr erneut abgeschlagen.

"Wir hatten im 2. Freien Training ziemliche Probleme mit dem Verkehr, weshalb ich keine perfekte Runde fahren konnte", begründet der 18-jährige Kanadier seinen Rückstand auf Massa. Stroll, der dieses Jahr bereits mehrfach unter nassen Bedingungen hat aufhorchen lassen, hofft für den Samstag abermals auf Regen: "Wir waren im Regen immer konkurrenzfähig. Wenn das im Qualifying eintritt, ist es also kein Problem."

Richtig spannend ist an den letzten beiden Rennwochenenden der Kampf hinter Force India und Williams. Zwischen Toro Rosso auf Rang sechs und Haas auf Position acht der Herstellerwertung liegen lediglich fünf Punkte. Im Sandwich der beiden Underdogs liegt das Werksteam von Renault, das beim Trainingsauftakt in Brasilien den besten Job der drei Teams erledigte.

Renault: Hülkenberg und Sainz in Sao Paulo auf Top-10-Kurs

"Wir hatten in beiden Sessions einige gute Runden um herauszufinden, wo wir uns verbessern müssen. Aber das Auto ist nicht meilenweit von dem entfernt, wo wir es haben wollen", erklärt Hülkenberg, der Interlagos seit seinem ersten Auftritt im Jahr 2010 zu seinen Favoriten im Rennkalender zählt. Der Deutsche landete am Nachmittag als Neunter in den Top-10. Auch bei Renault wurden bereits Teile für 2018 getestet.

"Wir haben im ersten Training einige Tests für unser 2018er Design absolviert", lieferte Technik-Direktor Nick Chester die Erklärung für die Plätze 15 und 16 für Sainz und Hülkenberg am Vormittag. "Die Zeiten aus dem zweiten Training sind eher repräsentativ für unser Pace hier." An seinem dritten Rennwochenende im R.S.17 war Sainz von Beginn an wieder auf Augenhöhe mit Hülkenberg.

"Ich habe das Gefühl, erneut Fortschritte gemacht zu haben und habe noch mehr Selbstvertrauen im Auto", so der Spanier. Die Pace für die Top-10 und WM-Punkte hatte Renault schon an den vergangenen Wochenenden, doch mangelnde Zuverlässigkeit kostete viele Punkt. Am Freitag in Interlagos liefen beide Boliden einwandfrei, womit die Franzosen im Kampf um Platz sechs derzeit am besten dastehen.

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Toro Rosso erneut mit Renault-Problemen

Bei der direkten Konkurrenz von Toro Rosso und Haas war der Abstand zu Renault beträchtlich. Im 2. Freien Training landete das immer noch frische Toro-Rosso-Duo Pierre Gasly und Brendon Hartley auf den Rängen 16 und 17. Am Vormittag hatten beide Fahrer wieder einmal Defekte an ihren Renault-Power-Units zu beklagen und konnten im FP1 demzufolge gar keine Erkenntnisse sammeln.

Hartley Problem stellte sich im Nachhinein glücklicherweise als weniger gravierend heraus, als zunächst angenommen. "Das Problem sah schlimmer aus, als es war. Es war etwas sehr simples innerhalb des Motors, das sehr viel Rauch verursachte, den jeder gesehen hat. Aber wir konnten es ohne weitere Probleme in Ordnung bringen", erklärte Chef-Renningenieur Jonathan Eddolls.

Bei Gasly war es hingegen ein Problem von etwas größerer Tragweite. "Die MGU-H in Pierres Auto streikte", so Eddolls. Dabei hatte das Team für das Wochenende in Brasilien ohnehin schon Neuteile in beiden Autos verbaut und jeweils Startplatzstrafen von zehn Positionen hinnehmen müssen. Durch die neuerlichen Defekte kommen nun weitere Strafversetzungen hinzu. Keine guten Vorzeichen im Kampf um wichtige Preisgeld-Millionen für Platz sechs bei den Konstrukteuren.

Haas abgeschlagen, McLaren optimistisch

Nicht viel besser als bei Toro Rosso lief es im Hause Haas. Zwar hatten die US-Amerikaner längst nicht mit derart vielen technischen Gebrechen zu kämpfen, doch in Sachen Pace spielten Romain Grosjean und Kevin Magnussen am Freitag in Sao Paulo überhaupt keine Rolle. Am Nachmittag übernahm Ferrari-Junior Antonio Giovinazzi den Boliden von Magnussen und landete mit knapp drei Sekunden Rückstand auf die Bestzeit auf dem letzten Platz.

"Wir fuhren viele Runs mit vollem Tank", erklärt der Italiener seinen Rückstand. Grosjean war mit 1,7 Sekunden Rückstand und Platz 15 im 2. Freien Training jedoch kaum konkurrenzfähiger, was den Kampf mit den Rivalen im Mittelfeld anging. Der Franzose kämpfte abermals mit der Balance seines Fahrzeugs und war auch neben der Strecke zu sehen. "Am Nachmittag waren wir nicht sonderlich schnell", konstatiert er.

Besser unterwegs war da McLaren. Obwohl Fernando Alonso in beiden Sessions von technischen Problemen bei seinem Trainingsprogramm gestört wurde, landete der 36-Jährige am Nachmittag auf Platz zehn. "Wir haben das Programm am Ende nicht wie erhofft abspulen können, aber wir haben versucht unsere Prioritäten abzuarbeiten", so Alonso, der mit den Ergebnissen dennoch zufrieden war.

Teamkollege Stoffel Vandoorne hatte vor allem bei der Rennpace ein gutes Gefühl. "Die Longrun-Performance war extrem positiv. Es war eine unserer stärksten dieses Jahr", so der Belgier, der in der zweiten Session jedoch zweieinhalb Zehntel hinter dem Teamkollegen lag. Alonso ist überzeugt, dass der MCL32 mit etwas Feintuning noch an der Konkurrenz von Force India, Williams und Renault vorbeiziehen kann: "Von unserem Auto kommt noch mehr, wenn wir etwas am Setup finden."


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