Formel 1

Formel 1 2017 Monza: Hamilton knackt Schumachers Pole-Rekord

Verrücktes Regen-Qualifying in Monza: Lewis Hamilton knackt Michael Schumachers Rekord. Lance Stroll startet aus Reihe 1. Desaster für Sebastian Vettel.
von Robert Seiwert

Motorsport-Magazin.com - Trotz widriger Bedingungen beim Qualifying in Monza hat es Lewis Hamilton geschafft: Der Mercedes-Pilot knackte den Pole-Position-Rekord von Michael Schumacher. Hamilton sicherte sich im Regen die 69. Pole seiner Formel-1-Karriere und hat nun eine mehr auf dem Konto als der Rekord-Weltmeister. Vor einer Woche in Spa hatte Hamilton mit Schumi gleichgezogen.

Monza-Spezialist Hamilton: Im Königlichen Park fuhr er zum vierten Mal in Folge und zum insgesamt sechsten Mal auf den ersten Startplatz. Krimi in den Schlusssekunden des Qualifyings: Max Verstappen übernahm zunächst die Spitze vor Red-Bull-Teamkollege Daniel Ricciardo. Hamilton gelang es auf seiner allerletzten Runde, beide Red Bull hinter sich zu lassen.

Hamilton zum neuen Pole-Rekord am Sky-Mikro: "Vielleicht kann ich ihn Michael widmen, der die Messlatte und die Ziele gesetzt hat. Er hat die Latte Jahr für Jahr höher gelegt. Er hat dem Sport so viel gegeben. Vielleicht kann ich jetzt den Staffelstab nach seinem Sprint übernehmen und schauen, wie weit ich das ausdehnen kann."

Bittere Strafen für Red Bull

Ganz bitter für Verstappen und Ricciardo: Beide Fahrer kassieren wegen eines Motor-Wechsels Platzstrafen und fallen in der Startaufstelluing weit zurück. Verrückt: Dadurch startet am Sonntag Lance Stroll aus der ersten Reihe neben Hamilton. Der Formel-1-Rookie zeigte sich durchweg stark im Regen und sicherte sich im Q3 den vierten Platz.

"Das Auto fühlte sich einfach gut an und ich hatte Spaß", sagte Stroll. "Ich bin noch nie ein F1-Auto im Nassen gefahren und habe es einfach herumgeworfen. Hoffentlich haben wir morgen aus der ersten Startreihe ein gutes Rennen. An den letzten Wochenenden hatten wir viele Probleme, aber heute kam alles zusammen."

Desaster für Vettel beim Heimspiel

Einen Komplettausfall erlebte Ferrari beim Heimspiel. Sebastian Vettel wurde nur Achter, einen Platz hinter Kimi Räikkönen. "Keine Ahnung, was das Problem war", sagte Vettel zerknirscht. "Ich war überrascht, wie schnell die anderen waren. Da konnten wir nicht mithalten. Da gibt es ein paar Dinge, die wir uns anschauen werden. Etwas hat nicht funktioniert. Aber wir haben ein gutes Autos und müssen keine Angst haben."

Ähnlich durchwachsen lief es bei Hamiltons Teamkollege Valtteri Bottas: Platz sechs. Wegen der Strafen für Red Bull nimmt er den Italien GP vom vierten Startplatz hinter Hamilton, Stroll und Esteban Ocon auf. Der Force-India-Pilot überraschte ähnlich wie Stroll mit einer starken Leistung und erzielte mit Platz fünf das beste Qualifying-Ergebnis seiner bisherigen Karriere

"Das Auto war heute brillant und hatte eine perfekte Balance", jubelte Ocon. "Ich konnte bis an die Grenze gehen. Jetzt müssen wir den dritten Platz im Rennen behalten - ich will mein Podium! Wir haben das Auto für Regen angepasst, aber es funktioniert auch im Trockenen. Wir haben jetzt eine große Gelegenheit."

Zweieinhalb Stunden Unterbrechung

Wegen anhaltenden Regens und einem frühen Unfall von Romain Grosjean musste das Qualifying im Q1 unterbrochen werden. Es folgten zahlreiche Verschiebungen im 15-Minuten-Takt. Nach einer Unterbrechung von zweieinhalb Stunden und Sorge vor einer kompletten Absage entschied die Rennleitung, das Qualifying wieder aufzunehmen.

Qualifying - Session 3
Zwischenfälle: Verstappen-Quersteher in der Parabolica
Top-5: Hamilton, Verstappen, Ricciardo, Stroll, Ocon

Das war Q2: Stoffel Vandoorne sammelte zum Auftakt mit einem Riesen-Drift in der Parabolica Stilpunkte. Interessant: Die Piloten setzten sowohl auf die Regenreifen als auch auf Intermediates. Die grüne Inter-Mischung brachte zunächst nicht den entscheidenden Vorteil. "Der funktioniert nicht", beschwerte sich Sebastian Vettel am Funk - und fuhr wenig später Bestzeit, bevor Lewis Hamilton ihm die Spitzenposition mit sieben Zehnteln Abstand abluchste.

Max Verstappen stellte einmal mehr sein Talent auf nasser Strecke unter Beweis: Platz drei und 1,2 Sekunden schneller als Red-Bull-Teamkollege Daniel Ricciardo. Damit verwies Verstappen Vettel auf die vierte Position. Überraschend stark präsentierte sich Lance Stroll mit Platz fünf. McLaren-Pilot Stoffel Vandoorne schaffte es als Neunter ins Q3. Fernando Alonso - wegen Motorwechsel ohnehin am Ende des Feldes - schied auf Platz 13 vorzeitig aus.

Qualifying - Session 2
Zwischenfälle: -
ausgeschieden: Perez, Hülkenberg, Alonso, Kvyat, Sainz
Top-5: Hamilton, Bottas, Verstappen, Vettel, Stroll

Das war Q1: Starker Regen zu Beginn des Qualfiyngs - und Romain Grosjean als Opfer der schwierigen Bedingungen. Der Haas-Pilot verlor sogar auf der Start/Ziel-Geraden die Kontrolle über sein Auto und kracht in die Streckenbegrenzung. "Verdammt, ich habe doch gesagt, dass es zu gefährlich ist", teilte Grosjean am Funk mit. Das Qualifying wurde mit roten Flaggen unterbrochen. Sogar ein Komplett-Abbruch stand im Raum. Nach einer Pause von zweieinhalb Stunden wurde die Session bei besseren Bedingungen wieder aufgenommen.

Bei 13 verbleibenden Minuten machte sich das Feld mit Regenreifen wieder auf Zeitenjagd. Wenig später wechselten die Fahrer auf die Intermediates. Haariger Zwischenfall in der Box: Kimi Räikkönen wäre nach dem Reifenwechsel beinahe mit einem Force India kollidiert. Ferrari-Teamkollege Sebastian Vettel kam zweimal von der Strecke ab, schaffte es hinter beiden Mercedes aber in die zweite Runde.

Selbst bei nassen Verhältnissen war Sauber einmal mehr chancenlos. Pascal Wehrlein wurde Letzter mit einer Zehntelsekunde Rückstand auf Teamkollege und Geburtstagskind Marcus Ericsson. Wehrlein bei RTL: "Mit den Regenreifen fühlte sich das Auto ganz gut an. Dann sagte das Team, ich soll auf Inters wechseln. Mit denen ging dann gar nichts mehr."

Qualifying - Session 1
Zwischenfälle: Grosjean fliegt im Regen ab, zweieinhalb Stunden Unterbrechung
ausgeschieden: Magnussen, Palmer, Ericsson, Wehrlein, Grosjean
Top-5: Bottas, Hamilton, Vettel, Verstappen, Stroll

Das Wetter: Land unter in Monza. Im dritten Freien Training konnte die F1 nur 15 Minuten für Action auf der Strecke sorgen. Zuvor war der Regen zu heftig gewesen. Auch in der Pause vor dem Qualifying prasselte es weiter vom Himmel über dem Königlichen Park. Zu Sessionbeginn regnete es noch immer, das Qualifying wurde aber pünktlich gestartet. Nach wenigen Minuten sorgte Romain Grosjeans Unfall für eine Rotphase. Wegen des anhaltenden Regens wurde das Qualifying mehrmals verschoben und zweieinhalb Stunden nach Beginn wieder aufgenommen.

Die Strafen: Strafenhagel in Monza! Gleich sechs Piloten werden beim Italien GP im Grid strafversetzt. Jeweils wegen überzähliger Wechsel von Power-Unit-Elementen geht es für Carlos Sainz und Nico Hülkenberg 10, für Jolyon Palmer 15, für Daniel Ricciardo und Max Verstappen 20 und für Fernando Alonso sogar satte 35 Startplätze nach hinten. Ricciardo erhält on top fünf weitere Strafplätze, weil Red Bull einen vorzeitigen Getriebewechsel vornehmen musste.

Die Analyse: Es war das verrückteste Qualifying der Saison 2017! Eine Performance-Analyse erübrigt sich, am Sonntag soll die Sonne in Monza scheinen. Aber es hat sich gelohnt, mehr als zweieinhalb Stunden auf das Qualifying zu warten. Hamilton brillierte einmal mehr im Qualifying - der Pole-Rekord als Dankeschön. Lance Stroll und Esteban Ocon als faustdicke Überraschungen - noch mehr, weil die Red Bulls eine Motoren-Strafe lieber in Monza als in Singapur wollten. Formel verrückt! Ganz bitter lief es für Ferrari beim großen Heimspiel. Vettel startet nur von Platz 6 und könnte am Sonntagnachmittag die WM-Führung an Hamilton verlieren.


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