Formel 1

Vandoorne besiegt Alonso im McLaren-Duell: Der kontert beim Zocken

Fernando Alonso war im Q1 der Star, doch wenig später stand die McLaren-Welt Kopf: Stoffel Vandoorne schlug im Silverstone-Qualifying erstmals den Star des Team
von Florian Becker

Motorsport-Magazin.com - Das Qualifying zum Grand Prix von Großbritannien kann durchaus als Meilenstein in der Karriere des Stoffel Vandoorne bezeichnet werden: Im neunten Anlauf gelang es ihm erstmals Superstar Fernando Alonso hinter sich zu lassen. Gleichzeitig schaffte er nach Monaco erneut den Einzug ins Q3. Während mit dem Triumph über den Teamkollegen der Job des Belgiers in der realen Welt für diesen Samstag schon erledigt ist, wartet auf ihn am Abend die nächste Alonso-Challenge.

Denn am Abend vor dem Qualifying lieferten sich die McLaren-Piloten in der Hospitality des Teams bereits einen erbitterten Zweikampf - in der virtuellen Welt. Vandoorne glaubte zunächst, das Duell an der Spielekonsole für sich entschieden zu haben, doch er hatte die Rechnung ohne Alonsos Zocker-Ehrgeiz gemacht. "Er ist später nochmal zurückgekommen, um meine Rundenzeit zu unterbieten... was er auch getan hat", erklärt der 25-Jährige, auf den am Samstag deshalb noch Arbeit wartet: "Ich habe heute Abend nochmal ein paar Stunden Zeit, um seine Runde zu schlagen."

Er ist später nochmal zurückgekommen, um meine Rundenzeit zu unterbieten... was er auch getan hat.
Stoffel Vandoorne

Im Zeittraining brauchte er zum Glück nur wenige Minuten, um erstmals in seiner Debüt-Saison über den erfahrenen Teamkollegen zu profitieren. Obwohl Alonso im Q1 noch mit einer Last-Minute-Bestzeit für Furore gesorgt hatte, musste er im zweiten Segment der Qualifikation Vandoorne den Vortritt lassen. "Das ist natürlich ein gutes Gefühl, diesen Extraschritt gemacht zu haben", zeigt sich der Belgier erleichtert, nachdem er den zweimaligen Weltmeister um eine halbe Sekunde hinter sich gelassen und zum zweiten Mal in diesem Jahr das Ticket für das Q3 gelöst hatte.

Was für viele Beobachter überraschend kam, ist für Vandoorne das Resultat harter Arbeit. "Ich habe viel mit dem Team daran gearbeitet und mit den Ingenieuren viel reingesteckt, um etwas zu finden, was meinem Fahrstil besser passt", erklärt er. Schon zuletzt in Spielberg war er am Samstag bis auf eine Zehntel an Alonso dran. "Ich denke nicht, dass es nur dieses Wochenende der Fall ist. In den letzten paar Rennen habe ich gute Fortschritte gemacht. In Österreich waren Fernando und ich schon auf einem Level."

Qualifying-Duelle 2017

Fahrer : Fahrer
Mercedes
Lewis Hamilton 6:4 Valtteri Bottas
Ferrari
Sebastian Vettel 7:3 Kimi Räikkönen
Red Bull
Daniel Ricciardo 4:6 Max Verstappen
Force India
Sergio Perez 9:1 Esteban Ocon
Williams
Felipe Massa 9:1 Lance Stroll
Renault
Nico Hülkenberg 10:0 Jolyon Palmer
Toro Rosso
Carlos Sainz 5:5 Daniil Kvyat
Haas
Romain Grosjean 6:4 Kevin Magnussen
McLaren
Fernando Alonso 8:1 Stoffel Vandoorne
Jenson Button 1:0
Sauber
Marcus Ericsson 2:6 Pascal Wehrlein
2:0 Antonio Giovinazzi

Vandoorne: Q3 kam für McLaren unerwartet

Im letzten Segment des Zeittrainings holte sich Vandoorne dann den neunten Rang. Bei seinem ersten Q3-Einzug war ihm diese Chance noch verwehrt geblieben, nachdem er im Abschnitt zuvor sein Auto in die Leitplanken gesetzt hatte. "In Monaco war ich im Q3, konnte aber nicht mitfahren. Hier schon", weist er auf seine erste richtige Teilnahme am Q3 hin, in der er für sich das Maximum herausholte: "Ich war nach dem ersten Run Zehnter und es war sowieso nur ein Platz mehr für uns drin und den haben wir uns geholt."

Als Tüpfelchen auf dem I rückt er dank Valtteri Bottas' Getriebewechsel er sogar noch einen Platz weiter auf. "Echt? Ah gut, also Achter", so Vandoorne, der die Strafe für den Konkurrenten unmittelbar nach der Session zunächst nicht auf dem Schirm hatte. Ein solches Erfolgserlebnis hatte er sich ursprünglich nur angesichts der zu Beginn herrschenden Bedingungen erhofft: "In Silverstone das Q3 zu erreichen kam etwas unerwartet. Wir hoffen natürlich immer auf Regen und Mischbedingungen."

In Monaco war ich im Q3, konnte aber nicht mitfahren. Hier schon.
Stoffel Vandoorne

Im Normalfall hatte McLaren maximal mit dem Q2 gerechnet. "Nach dem Training sah es im Mittelfeld schon sehr eng aus. Außerdem wissen wir, dass die anderen für das Qualifying immer noch etwas nachlegen können und wir dann etwas an Boden verlieren", so Vandoorne. Plötzlich klappte es aber auch ohne Hilfe von Petrus. "Wir waren immer auf Q3-Kurs und als es abgetrocknet ist, haben wir unsere Chancen optimal genutzt", fügt er an.

In Monaco lag Vandoorne kurz vor Rennende auf Kurs, um seine ersten WM-Zähler in diesem Jahr einzufahren - doch wenige Runden vor Schluss geriet er mit Sergio Perez aneinander. In Silverstone dürfte es allerdings schwieriger werden, sich auf dem guten Platz zu behaupten. "Wir starten in einer Punkteposition, aber wir brauchen einen guten Start. Das ist dieses Jahr bisher immer sehr wichtig gewesen", erklärt der Rookie, dem trotz der guten Performance unter trockenen Bedingungen etwas britischer Landregen sehr willkommen wäre: "Die Rennpace sah vielversprechend aus, aber vielleicht könnten uns auch wieder Mischbedingungen helfen."

High-Speed-Mekka: So geil ist Silverstone mit den neuen F1-Autos: (2:48 Min.)


Weitere Inhalte:
Motorsport-Magazin.com fragt
Wir suchen Mitarbeiter