Formel 1

Robert Kubica: Deshalb testete er wirklich für Renault

Renault-Chef Cyril Abiteboul verrät, warum Robert Kubica überhaupt ein Formel-1-Auto fuhr. Zudem geht er auf die Rauswurf-Gerüchte über Jolyon Palmer ein.
von Robert Seiwert

Motorsport-Magazin.com - Viel wurde geschrieben und spekuliert nach Robert Kubicas überraschendem Comeback im Formel-1-Auto. Doch eine Frage blieb nach seinem Testeinsatz für Renault Anfang Juni bislang unbeantwortet: Warum drehte der Pole überhaupt Runden in Valencia? Der Test war für Ersatzmann Sergey Sirotkin geplant gewesen, Kubicas Rückkehr dabei aber der eigentliche Coup.

Am Rande des Aserbaidschan Grand Prix lieferte nun Renaults Managing Director Cyril Abiteboul eine Antwort auf die Frage, die so viele Spekulationen über eine echte Rückkehr von Kubica in die F1 ausgelöst hatte: "Wir konnten es uns leisten, ihn wieder fahren zu lassen, weil ein Marketing-Event abgesagt wurde. Deshalb hatten wir ein Auto auf der Strecke zur Verfügung und konnten ihm diese Möglichkeit bieten."

Keine GP-Rückkehr für Renault

Möglicherweise hatte Renault einen Filmtag mit einem Sponsor eingeplant, welcher dann aber nicht zustande kam. So konnte Kubica an diesem Tag 115 Runden im 2012er Boliden der Franzosen drehen. Dabei spulte der 32-Jährige sogar ein reales Rennprogramm ab - was die Hoffnung vieler Fans auf eine Rückkehr zusätzlich anheizte.

Zur Geschichte passte natürlich perfekt, dass Renault-Stammfahrer Jolyon Palmer nach seinen bisherigen Leistungen arg in der Kritik steht und ihm schon der vorzeitige Rauswurf angedichtet wurde. Dass Kubica in Bälde sein Grand-Prix-Comeback gibt, wies Abiteboul jetzt aber entschieden zurück. "Nein, absolut nicht", versicherte er. "Ich weiß nicht, wo das herkommt, aber ich kann das vollends ausschließen."

Nur Start in Goodwood geplant

Geplant sei ausschließlich Kubicas Einsatz beim Goodwood Festival of Speed Anfang Juli. Beim britischen Traditions-Event wird er erneut in den alten Lotus E20 steigen und an der Seite von Palmer und Sirotkin fahren. "Ansonsten haben wir aktuell nichts geplant", sagte Abiteboul. "Robert absolviert derzeit eine Art Programm, um zu verstehen, wozu er in der Lage ist. Er ist einige Autos gefahren, wie Formel E, GP3, F2, LMP2. Ich denke also, dass er im Rahmen seines Reha-Programms verstehen möchte, was er kann."

Abiteboul war es zudem wichtig herauszustellen, dass Kubicas Test überhaupt keinen Bezug zu Palmers aktuellen Problemen habe. Im Fahrerlager war zuvor spekuliert worden, dass Renault mit Kubica einen gewissen Druck auf den schwächelnden Briten ausüben wolle. Frei nach dem Motto: Du musst jetzt abliefern, sonst steht der Nachfolger schon parat.

Robert Kubica kehrte nach sechsjähriger Pause zurück ins F1-Auto - Foto: Motorsport-Magazin.com/Renault

Klare Ansage an Palmer

Gleichzeitig machte Abiteboul deutlich, dass Palmer Leistung zeigen muss. Kein Wunder, schließlich zeigt Teamkollege Nico Hülkenberg, dass der aktuelle Renault gut genug für Punktefahrten ist. Abiteboul über Palmer: "Wir sind absolut entschlossen, ihm durch diese schwierige Zeit hindurch zu helfen. Es ist eine harte Zeit, das ist klar. Er hat kein Ultimatum, aber er muss abliefern - so wie jedes Mitglied des Teams."

Am Donnerstag gab es in Baku ein weiteres Gespräch zwischen Palmer und der Teamführung, in der kurz- und mittelfristige Ziele festgelegt wurden. Renault versuche, ihn aus dem medialen Fokus herauszuziehen, damit der Gescholtene in Ruhe arbeiten kann. "Wir versuchen ihn zu schützen", sagte Abiteboul. "Aber als Team tun wir auch unser Bestes, um ihm zu erklären, was wir von ihm erwarten."


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