Formel 1

Mercedes-Pilot Lewis Hamilton: Schnellste Rennrunde in Kanada mit Hintergedanken

Lewis Hamilton dominierte den Kanada GP nach Belieben, konnte früh Gas rausnehmen. Kurz vor Rennende dann plötzlich die schnellste Rennrunde. Warum? Die Gründe:
von Jonas Fehling
DHL Fastest Lap Award: Kanada GP: (01:39 Min.)

Lewis Hamilton hat den Kanada GP 2017 so deutlich dominiert wie in dieser Saison noch niemand zum Rennsieg gefahren ist. Von der Pole Position gestartet ließ der Mercedes-Pilot sofort den Hammer fallen, setzte sich, nur unterbrochen durch ein Safety Car, spielerisch Stück für Stück ab. Jeden einzelnen Umlauf beendete Hamilton als Führender. Bereits nach 23 von 70 Rennrunden kam niemand näher als auf zehn Sekunden an den Briten heran - Tendenz steigend.

Kurz vor Rennende war das Polster auf Hamilton ersten Verfolger, Teamkollege Valtteri Bottas, bereits auf mehr als 15 Sekunden gewachsen. Doch dann blitzte es plötzlich lila auf der Zeitnahme auf: 1:14.551 - schnellste Rennrunde Lewis Hamilton sechs Runden vor Schluss, gesetzt mit 32 Runden alten Supersofts. Doch warum nimmt Hamilton dieses Risiko in Kauf, dreht noch einmal richtig auf?

Ihr wisst ja wie Rennfahrer so sind.
Toto Wolff

"Wir haben das am Kommandostand besprochen ... ob es eine Art Trophäe für die schnellste Runde gibt, die wir vielleicht vergessen haben. Aber ihr wisst ja wie Rennfahrer so sind", berichtete Toto Wolff vielsagend. Tatsächlich gibt es ja auch 2017 den DHL Fastest Lap Award, noch dazu reizt natürlich permanent die Statistik. Durch seine schnellste Rennrunde in Kanada hat Hamilton den vierten Grand Slam (Pole, Sieg, FL, alle Runden geführt) seiner Karriere perfekt gemacht (Rekord: Jim Clark, 8 Grand Slams) und sich mit nun 35 schnellsten Rennrunden in der ewigen Tabelle dieser Disziplin wieder etwas näher an den Gesamtdritten Alain Prost (41) heran gerobbt.

Bis zum Zielstrich war der Kanada GP für Lewis Hamilton eine Spazierfahrt - Foto: Mercedes-Benz

Hamilton: FL war nicht just for fun

Dieser Ruhm sei jedoch gar nicht die Hauptintention des Briten gewesen, ließ Mercedes wissen. Das Team habe ihm einfach das relevante Feedback gegeben, wozu sein Auto zu diesem Zeitpunkt fähig gewesen sei. Also nur Spaß daran, den Silberpfeil am Limit zu bewegen? Nicht ganz. "Das war nicht wegen Spaß", klärt Hamilton auf. "Ich musste das Auto im Rennen nicht wirklich ans Limit bringen. Aber wenn ich danach zurückkomme muss ich bei meinem Engineering Informationen geben", sagt Hamilton. "Und du bekommst viele Informationen, wenn du 70 Runden auf der Strecke fährst. Es gibt ein paar unterschiedliche Zustände, in die man das Auto versetzen kann."

Ich habe auf dieser Runde viele Infos gesammelt, die wir mitnehmen können. Dafür, wie ich das Auto für das Rennen einstellen muss.
Lewis Hamilton

Eine wichtige Info hat Lewis Hamilton durch seine Spazierfahrt kurz vor Rennende aber offensichtlich noch gefehlt. "In einer Runde musste ich das Auto ans Limit bringen, um zu sehen wie sich die Reifen verhalten. Ob sie besser oder schlechter werden, wie sich das Auto auf den Kerbs anfühlt", erklärt Hamilton seine Schlussattacke. "Dann hatte ich eine tolle Runde. Ich habe auf dieser Runde viele Infos gesammelt, die wir mitnehmen können. Dafür, wie ich das Auto für das Rennen einstellen muss. Wenn ich die Runde nicht gefahren wäre, hätte ich nach der einen Stunde und 45 Minuten ein paar weniger Informationen gehabt."

Erst nach Rennende ließ es Hamilton locker angehen - Foto: Sutton

Lewis Hamilton und die Rosberg-Anleihe

Was eher nach Nico Rosberg klingen mag, hat aber tatsächlich der Brite so gesagt. Lewis Hamilton hat den ernst der WM-Lage 2017 offenbar voll erkannt. Zumal der dreifache Champion sein Team sofort nach dem Rennsieg bereits wieder zu eben solcher Detailversessenheit aufrief: "Wenn wir mit diesem Eifer der vergangenen zwei Wochen weiterarbeiten, auch nach Siegen weiterarbeiten, bin ich ziemlich sicher, dass wir kämpfen können."


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