Formel 1

Russland GP, Formel 1: Formcheck und Ausblick auf die Teams

Zum vierten Mal gastiert die Formel 1 in Russland. Motorsport-Magazin.com liefert die große Vorschau - Team für Team.
von Chris Lugert

Motorsport-Magazin.com - Die erste Asien-Tournee hat der Formel-1-Tross hinter sich gebracht. In Russland startet die Europa-Saison. Auf dem Sochi Autodrom hatte bislang Mercedes stets die Nase vorne, doch Ferrari reist mit viel Selbstvertrauen an den Kaukasus. Und auch der Kampf im Mittelfeld verspricht wieder viel Spannung. Motorsport-Magazin.com blickt voraus auf den Russland GP.

Ferrari in Russland: Angriffe abwehren

Siege Poles Schn. Runden Podium Punkte km geführt
Ferrari 0 0 1 2 47 0
Sebastian Vettel 0 0 1 1 22 0
Kimi Räikkönen 0 0 0 1 21 0

  • Probleme: Qualifying-Pace
  • Zielsetzung: Russland-Fluch ablegen
  • Vettel: "Man spürt im Team, dass jeder hungrig ist und das Pferd nach vorne peitscht, damit es weiter galoppiert."

Ferrari ist endgültig Mitfavorit im WM-Kampf. Nach dem Sieg in Bahrain ist die Scuderia nach derzeitigem Stand sogar eher Gejagte statt Jäger. Ferrari generiert seinen Vorteil vor allem im Rennen, weil sie es verstehen, die Reifen optimal zu nutzen. So gelang es auch, ohne eigene Pole Position zwei Siege einzufahren. In Russland aber ist der Reifenverschleiß ohnehin deutlich geringer, der Vorteil dürfte daher geringer ausfallen. Zudem spricht die Vergangenheit in Sochi nicht gerade für Ferrari, trotz zweier Podestplätze.

Form-Check: Ferrari reitet auf einer Wolke, beladen mit viel Selbstvertrauen.

Sebastian Vettel führt die WM nach drei Rennen an - Foto: Sutton

Mercedes in Russland: Dominatoren im Riesenreich

Siege Poles Schn. Runden Podium Punkte km geführt
Mercedes 3 3 1 5 111 929
Lewis Hamilton 2 1 0 3 68 585
Valtteri Bottas 0 0 1 1 27 0

  • Probleme: Die Rennpace stimmt nicht
  • Zielsetzung: Zurückschlagen
  • Wolff: "Wir wissen, welche Schwächen wir ausbügeln müssen, um zu gewinnen."

Zwei Niederlagen aus den ersten drei Rennen - Mercedes musste zuletzt mit ansehen, wie ihnen die Dominanz der letzten drei Jahre komplett entgleitet. Da hilft auch der Extra-Boost im Qualifying nicht mehr viel. Im Rennen ist Ferrari deutlich stärker. Da kommt der Russland GP gerade recht. Kein anderes Rennen wurde bislang so von Mercedes geprägt. Alle Siege, alle Poles, alle Führungskilometer - die Silberpfeile dominierten an der Schwarzmeerküste. Dank dieser Statistik und der kühleren Temperaturen geht Mercedes wohl als leichter Favorit in das Wochenende.

Form-Check: Mercedes taumelte leicht, der Russland GP aber sollte ein Rettungsanker sein.

Bei Mercedes musste man in Bahrain auf die Stallorder zurückgreifen - Foto: Mercedes-Benz

Red Bull in Russland: Letztes Rennen vor Spanien überstehen

Siege Poles Schn. Runden Podium Punkte km geführt
Red Bull 0 0 0 0 20 0
Daniel Ricciardo 0 0 0 0 6 0
Max Verstappen 0 0 0 0 1 0

  • Probleme: Weiterhin kein Anschluss an die Spitze
  • Zielsetzung: Russland GP irgendwie positiv gestalten
  • Marko: "Beim Chassis wissen wir mittlerweile, wo es mangelt."

Das Leiden der jungen Bullen geht nahtlos weiter. In Bahrain war man im Rennen irgendwo im Niemandsland, dabei dachte man nach den Trainings noch, siegfähig zu sein. In Spanien soll ein komplett überarbeitetes Chassis kommen, der Russland GP ist das letzte Rennen zuvor. In Sochi kann es für Red Bull nur um Schadensbegrenzung gehen, zumal auch die bisherige Historie auf der Strecke durchwachsen ist. Der Power-Nachteil des Renault-Motors dürfte auf der langen Start-Ziel-Geraden nicht helfen.

Form-Check: Red Bull ist chancenlos und muss auf baldige Besserung in Spanien hoffen.

Red Bull sucht noch nach dem Schlüssel zum Erfolg - Foto: Sutton

Williams in Russland: Best of the Rest

Siege Poles Schn. Runden Podium Punkte km geführt
Williams 0 0 1 1 49 0
Felipe Massa 0 0 0 0 22 0
Lance Stroll - - - - - -

  • Probleme: Keine Nennenswerten
  • Zielsetzung: Spitzenplatz im Mittelfeld verteidigen
  • Lowe: "Wir liegen auf Platz fünf der Konstrukteurs WM und freuen uns auf Russland."

Platz sechs durch Felipe Massa in Bahrain verhalf Williams ein wenig zur Entspannung. In der Wüste war Williams klar die vierte Kraft, vor allem im Rennen. Sogar mit Daniel Ricciardo konnte man es zwischenzeitlich aufnehmen. In Russland wartet eine Strecke, die Williams gut bekommt. Hinter Mercedes sind die Briten statistisch dort das zweitbeste Team. Im engen Mittelfeld benötigt es aber mehr als nur das Schwelgen in Erinnerungen, um die eigene Position zu verteidigen. Zumal auch Force India in Bahrain eine Wiederauferstehung feierte.

Form-Check: Williams ist aktuell Best of the Rest.

Williams ist aktuell die Nummer vier im Feld - Foto: Sutton

Force India in Russland: Den Trend bestätigen

Siege Poles Schn. Runden Podium Punkte km geführt
Force India 0 0 0 1 18 0
Sergio Perez 0 0 0 1 18 0
Esteban Ocon - - - - - -

  • Probleme: Keine
  • Zielsetzung: Am Samstag besser werden
  • Ocon: "Einige Punkte zu holen bleibt das Ziel an diesem Wochenende."

In Bahrain schlug Rennkönig Sergio Perez mal wieder zu. Von Startplatz 18 aus preschte er durch das Feld bis auf den siebten Platz nach vorne. Auch Esteban Ocon holte mit Platz zehn wieder einen Punkt. Das große Manko für Force India liegt im Qualifying. Dort schaffte man es offenbar noch nicht, die Reifen optimal zum Arbeiten zu bringen. In Russland könnte das ein noch größeres Problem werden, es wird gemeinhin erwartet, dass man im Qualifying sogar zwei Anwärmrunden braucht. Nicht unbedingt die besten Voraussetzungen für das britisch-indische Team.

Form-Check: Gelingt das Qualifying, ist für Force India vieles möglich.

Force India konnte bislang im Rennen überzeugen - Foto: Sutton

Toro Rosso in Russland: Rückkehr für Kvyat

Siege Poles Schn. Runden Podium Punkte km geführt
Toro Rosso 0 0 0 0 1 0
Carlos Sainz 0 0 0 0 0 0
Daniil Kvyat 0 0 0 0 10 0

  • Probleme: Kein Ertrag in Bahrain
  • Zielsetzung: Punkte machen
  • Sainz: "Punkte stehen auf der Liste meiner Ziele."

Null Punkte standen für Toro Rosso in Bahrain zu Buche, zu wenig im Mittelfeld-Kampf. Und auch zu wenig für die Leistungsfähigkeit des Autos. Gerade Carlos Sainz erlebte ein Wochenende zum Vergessen voller Pannen und Defekte. Hinzu kam sein Unfall mit Lance Stroll, der ihm in Russland drei Startplätze kostet. Für Daniil Kvyat ist es die Rückkehr nicht nur in seine Heimat, sondern auch an jenen Ort, der ihn 2016 auf der Karriereleiter einige Sprossen nach unten schickte. Die Vorzeichen für Toro Rosso könnten besser sein.

Form-Check: Für ein gutes Ergebnis bräuchte Toro Rosso zur Abwechslung mal Glück.

Carlos Sainz schoss in Bahrain Lance Stroll ab - Foto: Sutton

Renault in Russland: Durchbruch Bahrain?

Siege Poles Schn. Runden Podium Punkte km geführt
Renault 0 0 0 0 6 0
Nico Hülkenberg 0 0 0 0 0 0
Jolyon Palmer 0 0 0 0 0 0

  • Probleme: Zu langsam im Rennen
  • Zielsetzung: Im Rennen schneller werden
  • Hülkenberg: "Ich denke, wir haben während der Testfahrten in Bahrain einige Fortschritte erzielt, um unsere Rennpace in Sochi zu verbessern."

Renault ist auf dem aufsteigenden Ast. Auf eine Runde konnten die Franzosen in Bahrain überzeugen, beide Autos kamen in Q3. Im Rennen aber hapert es noch. Dieses Schicksal teilt man mit Mercedes. Immerhin reichte es dank Nico Hülkenberg zu den ersten Punkten in dieser Saison. Die zweitägigen Testfahrten nach dem Wüstenrennen sollten helfen, die Performance mit vollem Tank zu verbessern. Ob es geklappt hat, wird man in Sochi sehen. Wie die Silberpfeile, so sollte auch Renault beim Reifenabbau von den kühleren Temperaturen profitieren.

Form-Check: Schafft Renault einen Sprung im Rennen, können sie für eine Überraschung sorgen.

Renault kämpft noch mit der Pace im Rennen - Foto: Sutton

Haas in Russland: Wieder Platz acht?

Siege Poles Schn. Runden Podium Punkte km geführt
Haas 0 0 0 0 4 0
Romain Grosjean 0 0 0 0 4 0
Kevin Magnussen 0 0 0 0 16 0

  • Probleme: Keine Konstanz mit beiden Autos
  • Zielsetzung: Schwung aus China mitnehmen
  • Grosjean: "Es gibt einiges, das wir bedenken müssen."

Zweimal in Folge fuhr Haas auf Platz acht, in Bahrain schloss Romain Grosjean zu seinem Teamkollegen Kevin Magnussen auf. Die Leistungsfähigkeit des amerikanischen Teams reicht von Punkten aus eigener Kraft bis hin zu Platz 15 oder 16. Beim bisher einzigen Russland-Auftritt 2016 schaffte es man gleich in die Punkte, und zwar - richtig, auf Platz acht. Scheint ein sicherer Tipp zu sein.

Form-Check: Läuft alles normal, kann Haas sein Punktekonto weiter ausbauen.

Haas ist im Moment auf dem Achter-Trip unterwegs - Foto: Sutton

Sauber in Russland: Punkte möglich?

Siege Poles Schn. Runden Podium Punkte km geführt
Sauber 0 0 0 0 8 0
Pascal Wehrlein 0 0 0 0 0 0
Marcus Ericsson 0 0 0 0 0 0

  • Probleme: Aus eigener Kraft geht kaum etwas
  • Zielsetzung: Die Chance, falls vorhanden, ergreifen
  • Wehrlein: "Die Lage und die olympische Atmosphäre machen diesen Grand Prix zu einem ganz besonderen."

In Bahrain feierte Pascal Wehrlein um ein Haar ein perfektes Debüt. Mit Rang elf verpasste er die Punkte nur knapp. Für das Rennen in Russland sollte diese Leistung zwar Auftrieb geben. Doch war auch der Sonntag in der Wüste wie bereits die beiden Rennen zuvor von Ausfällen geprägt. Bleibt es in Sochi ruhiger und gelingt es den anderen Teams, ihre Zuverlässigkeit zu verbessern, dürfte Sauber keine Chance haben.

Form-Check: Sauber bleibt wohl bloß die Hoffnung auf viel Chaos.

Sauber bleibt in Russland wohl nur die Hoffnung auf Chaos - Foto: Sutton

McLaren in Russland: Schlimmer geht nimmer

Siege Poles Schn. Runden Podium Punkte km geführt
McLaren 0 0 0 0 33 0
Fernando Alonso 0 0 0 0 16 0
Stoffel Vandoorne - - - - - -

  • Probleme: Zielankünfte kennt man nur aus blasser Erinnerung
  • Zielsetzung: Ankommen
  • Alonso: "Ein positives Ergebnis wäre es, mit beiden Autos das Ziel zu erreichen."

Das Positive bei McLaren ist, dass der Tiefpunkt wohl erreicht ist. Zwei Doppelausfälle hintereinander, zudem konnte Stoffel Vandoorne in Bahrain gar nicht erst starten. Über die Probleme wurde hinlänglich diskutiert, Fakt ist: McLaren bräuchte dringend mal ein Ergebnis. Sochi mit seinen vielen Vollgas-Passagen kommt dem Honda-Motor gar nicht gelegen. Einen Lichtblick gab es bei den Testfahrten nach dem Bahrain-Rennen, als Vandoorne am zweiten Tag über 80 Runden zurücklegen konnte.

Form-Check: Bevor über Platzierungen gesprochen wird, kann es für McLaren nur darum gehen, das Ziel zu erreichen.

Gelang McLaren bei den Bahrain-Tests der Durchbruch? - Foto: Sutton

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