Formel 1 - Australien GP - 7 Schlüsselfaktoren vor dem Rennen

Wenn es Nacht wird in Melbourne...

... wird Lewis Hamilton trotz Pole zittern. Denn Sebastian Vettel ist ihm auf den Fersen. Die sieben Schlüsselfaktoren zum Saisonauftakt.
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1. - S wie Startaufstellung

Hand aufs Herz: Wer ist wirklich überrascht darüber, dass Lewis Hamilton gleich im ersten Rennen die Pole Position für Silber gesichert hat? Mit einer Rundenzeit von 1:22.188 Minuten setzte sich der Brite gegen Sebastian Vettel und Valtteri Bottas durch. Wenn auch der Abstand weit weniger groß ausfiel als befürchtet. Das ist auch Hamilton bewusst. "Es ist eng zwischen uns allen. Es wird ein spannendes Rennen. Wir müssen sicherstellen, morgen stärker denn je zu sein", sagte der Pole-Setter nach dem Qualifying.

Am Ende von Q3 lagen zwischen dem Dreifach- und dem Vierfach-Champion lediglich 0,268 Sekunden. Hamiltons neuer Teamkollege Bottas war überraschend nah bei der Musik. Ihm fehlten 25 Hundertstelsekunden auf Vettel. Kimi Räikkönen haderte mit der eigenen Leistung. Für ihn sprang Platz vier heraus. Max Verstappen, Romain Grosjean, Felipe Massa, das starke Toro Rosso-Duo Carlos Sainz und Daniel Kvyat sowie Crash-Pilot Daniel Ricciardo machen die Zehn voll.

2. - S wie Start

Der Start wird diesmal eine besonders große Rolle spielen. Das komplette Prozedere hat sich nämlich geändert. Die Kupplung wird nicht mehr von der Motorsteuerung kontrolliert, der Fahrer steht wieder mehr im Vordergrund. Spannend wird dabei besonders, zu beobachten, ob die Übungen während der Testfahrten und der Freien Trainings für die Fahrer ausreichend waren, um sich auf die neuen Startregeln vorzubereiten. "Das ist wie mit den Boxenstopps. Wenn du sie übst, funktioniert alles optimal. Genauso ist es mit den Starts. Wenn der Druck da ist und es einen Fahrer neben dir gibt, ist das aber eine andere Geschichte" sagte Dr. Helmut Marko.

Streckendaten
Länge: 5,303 km
Runden: 58
GP-Distanz: 307,574km
Rundenrekord: 1:24.125 (MSC, 2004)
Kurven: 16
Weg bis Kurve 1: 265m
Länge Boxengasse: 289m
Zeit in Box bei 60 km/h: 17,4 Sekunden

3. - S wie Stopps

Die neuen Reifen haben durch die neuen Dimensionen auch ordentlich an Gewicht zugelegt. Allein ein einziger Hinterreifen wiegt dieses Jahr zwei Kilogramm mehr als in der vergangenen Saison. Gegenüber Motorsport-Magazin.com erklärte Williams-Sportdirektor Steve Nielsen: "Mit ausgestreckten Armen fühlt es sich eher wie 10 kg an. Es verlangt mehr Aufwand und ist anstrengender." Der straffe Dienstplan der Mechaniker hindere die Teams daran, Zeit für ein Extra-Fitnesstraining freizuschaufeln. "Sie sind keine Fitness-Gurus, sie sind Mechaniker. Ihre Zeit im Fitness-Studio ist eingeschränkt, da sie die Autos aufbauen und um die Welt reisen müssen", so Nielsen weiter.

Wow! Mercedes-Boxenstopp mit breiten Reifen: (01:51 Min.)

Ob sich durch das höhere Gewicht etwas an den Standzeiten ändern wird, bezweifelt der Sportdirektor. "Wir absolvieren hunderte, wenn nicht sogar tausende Stopps und letztlich sehen die Zeiten genauso aus" verriet er. Der Pitstop-Rekord von 1,9 Sekunden könnte also 2017 sogar noch unterboten werden.

4. - S wie Streckenrekorde

Nach den Testfahrten war man sich einig: Die Formel 1 hat endlich wieder ordentlich an Speed zugenommen. Mehr Abtrieb durch eine verbesserte Aerodynamik und die breiten Reifen solle vor allem für einen höheren Kurvenspeed sorgen. Man geht von rund 30 km/h mehr im Vergleich zu 2016 - beispielsweise Ausgangs der Kurvenkombination elf und zwölf - aus. Werden beim Australien Grand Prix 2017 also Streckenrekorde purzeln?

Überraschend war die Pole-Zeit von Lewis Hamilton 2017. Mit 1:22.188 Minuten war der Brite um zwei Sekunden schneller als die schnellste Runde im Qualifying 2016. Das ist also noch ein gutes Stück entfernt von den sechs Sekunden Zeitverbesserung, die Pirelli prognostiziert hatte. Ob es nun an den nicht idealen Streckenbedingungen, wird sich beim Saisonauftakt nur schwer beantworten lassen. Ferrari-Pilot Sebastian Vettel hat eine andere Erklärung: "Dass die Zeiten vielleicht nicht um Sekunden schneller sind als letztes Jahr, liegt daran, dass wir natürlich auch mehr Widerstand die Gerade runterschleppen und da deshalb ein bisschen schwerer tun."

5. - S wie Sekunden

Hamilton ist wie sein Ferrari-Konkurrent Vettel etwas überrascht, dass die Pole-Runde lediglich zwei Sekunden schneller war als noch vergangenes Jahr. "Natürlich dachten wir, dass es mehr sein würde", so der Brite. "Ich bin nicht ganz sicher, warum es so nah dran war (an der Pole-Zeit 2016;d.Red.)."

Wirken sich neue Regeln erst ab China aus? - Foto: Sutton

Williams-Technikchef Paddy Lowe ist sich sicher, dass das Layout des Kurses und die Asphaltbeschaffenheit einen erheblichen Teil dazu beitragen. "Ich schätze, dass dieser Kurs nicht die Charakteristiken hat, um die Unterschiede in den Regeln voll auszuschöpfen", so der Brite. Ein Kurs wie der Shanghai International Circuit, wo der F1-Tross als nächstes Halt machen wird, wird in dem Bereich voraussichtlich mehr Aufschluss geben.

6. - S wie Strategie

Eine entscheidende Frage, inwiefern die Strategie in den Rennverlauf eingreifen kann, ist, ob durch die neue Aerodynamik, die breiten Reifen und alle damit verbundenen Begleitumstände Überholmanöver begünstigt werden. Viele Stellen, sich an den Vordermann heranzusaugen, gibt es im Melbourne Park nicht. Vor Kurve eins und Kurve drei gibt es die Möglichkeit, sich am Vordermann vorbeizubremsen. Allerdings muss man dazu auch perfekt auf die lange Gerade kommen, um nah genug am Gegner dran zu sein.

Nico Hülkenberg hat bei den Testfahrten die Gelegenheit genützt, um auch mal eine Zeitlang hinter dem Vordermann hinterherzufahren. Zeigte er sich in der ersten Testwoche in Barcelona noch begeistert, revidierte er seine Meinung: " Heute war es anders als letzte Woche. Einem Auto zu folgen war schwieriger, ich habe einen ziemlichen Verlust von Downforce gefühlt. Nicht nur in den schnellen, sondern auch in den langsamen und mittelschnellen Kurven", sagte er.

Entscheidet der Start über den Rennausgang? - Foto: Sutton

Daher läuft vieles auf einen perfekten Start und fehlerfreie Boxenstopps hinaus. Hamilton hatte vergangenes Jahr desöfterem mit dem Startprozedere zu kämpfen, was dieses Jahr noch verzwickter für die Fahrer geworden ist. Daher sieht Vettel seine Chance direkt am Start, an dem Briten vorbeizukommen und das Rennen zu gewinnen. "Vielleicht öffnet sich da schon kleines Türchen. Wenn es auf ist, fahren wir rein", so der Ferrari-Pilot. Daher lehnt sich auch Motorsport-Magazin.com-Experte Christian Danner aus dem Fenster: " Wer den Start gewinnt, gewinnt auch das Rennen. Also Vettel."

7. - S wie Spannung

Melbourne trägt seit vielen Jahren den F1-Saisonauftakt aus. Dass nach monatelanger Winterpause der Hunger auf Rennaction steigt, ist bei den Fahrern und Teams genauso nachvollziehbar wie bei den Fans. Die neuen Aerodynamikregeln sind noch nicht unter Rennbedingungen auf dem Prüfstand gewesen, genauso wenig die Reifen. Daher ist allein die Tatsache spannend, wie sich das neue Reglement auf den Rennverlauf auswirken wird.

Der Ausgang des Qualifyings verspricht in jedem Fall einen Thriller. Vettels Rückstand auf eine schnelle Runde betrug lediglich zwei Zehntel und Bottas ist auch bei der Musik gewesen. Geht man davon aus, dass Räikkönen schnell seinen Rhythmus findet, ist auch er ein potenzieller Siegkandidat. Ob die Red Bulls im Renntrimm einen Schippe zulegen können, wird sich zeigen. Die Abstände ganz vorne und das Fragezeichen hinter den neuen Regularien verspricht in jedem Fall einiges an Spannung für den Saisonauftakt 2017.


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