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Formel 1

Longrun-Analyse: Hamilton in eigener Liga

Lewis Hamilton ist nach dem Freitag in Melbourne der Top-Favorit auf den Sieg beim Australien GP. Die Longrun-Analyse zum Saisonauftakt.
von Philipp Schajer

Motorsport-Magazin.com - Der erste Trainingstag der neuen Saison hatte eine Konstante: Lewis Hamilton. Der Mercedes-Pilot erzielte sowohl im ersten als auch zweiten Training die Bestzeit. Einmal verwies er dabei seinen Neo-Teamkollegen Valtteri Bottas auf den zweiten Rang, einmal Ferrari-Pilot Sebastian Vettel. Hamilton verzeichnete dabei jeweils einen Vorsprung von über einer halben Sekunde und fuhr somit in einer eigenen Liga.

Doch nicht nur über eine Runde war der Vize-Weltmeister bärenstark, auch mit vollen Tanks in der Rennsimulation führte er das Feld überlegen an. Hamilton absolvierte auf den ultrasoften Reifen einen Longrun über zwölf Runden und verzeichnete dabei eine durchschnittliche Zeit von 1:28.023 Minuten. Bottas war bei seinem Versuch indessen sieben Zehntel langsamer - klare Verhältnisse bei Mercedes.

"Es fühlt sich super an und die Jungs haben fantastische Arbeit abgeliefert. Wir haben bislang sowohl auf längeren als auch kürzeren Runs eine gute Form gezeigt und konnten alle Runden absolvieren, die wir geplant hatten. Auch die Reifen verhielten sich heute gut", war Hamilton dementsprechend bestens gelaunt.

Red Bull sucht das Setup

Wenig verwunderlich, schließlich hatte er nicht nur seinen Teamkollegen im Griff, sondern auch die versammelte Konkurrenz aus den anderen Rennställen. Ferrari-Pilot Kimi Räikkönen kam bei seinem Ultrasoft-Longrun lediglich auf eine durchschnittliche Zeit von 1:29.180 Minuten, Red-Bull-Mann Daniel Ricciardo gar nur auf 1:29.792.

Ist Ferrari also die zweite Kraft in Melbourne? Das will man bei Red Bull so nicht stehenlassen. "Bei Ricciardo haben wir Fahrwerksverstellungen gemacht, die sich drastisch negativ ausgewirkt haben. In Relation zu dem, was wir verstellt haben, hätte nie so eine Zeitdifferenz herauskommen sollen", erklärte Dr. Helmut Marko im Gespräch mit Motorsport-Magazin.com den ungewohnt großen Rückstand auf die Scuderia und gab somit Entwarnung. "Wenn bei uns alles gut läuft, ist Platz drei möglich."

Von Max Verstappen liegt wegen dessen Ausritt und dem dabei beschädigten Unterboden hingegen kein Longrun vor. Der Niederländer musste vorzeitig Feierabend machen.

Expertengespräch: So stark sind Bottas und Räikkönen 2017: (05:22 Min.)

Ferrari weit hinter Test-Pace

Die superweiche Mischung kam mit vollen Tanks lediglich bei Bottas und Vettel zur Anwendung. Mit 1:28.171 gegenüber 1.29.180 hatte hier der Mercedes-Pilot klar die Nase vorne, wenngleich sein Longrun etwas kürzer als jener Vettels war. "Unsere Pace auf Longruns sah vernünftig aus", gab sich James Allison, Mercedes' neuer Technischer Direktor, in guter Silberpfeil-Tradition betont vorsichtig, obwohl viel auf ein neuerliches Solo in Down Under hindeutet.

Während bei Mercedes rundum Zufriedenheit vorherrschte, ortete man im Ferrari-Lager noch viel Luft nach oben. Bei den Testfahrten noch als vermeintlicher Silberpfeil-Herausforderer Nummer eins gehandelt, fiel die Pace in Melbourne ernüchternd aus. "Die Balance war noch nicht so, wie ich sie haben möchte. Ich denke, wir können noch einen ordentlichen Schritt nach vorne machen", meinte Sebastian Vettel.

Dieser Schritt wird auch dringend notwendig sein, will man zumindest annährend in Schlagdistanz zu Mercedes kommen und sich vor Red Bull halten, wenn es dort keine Abstimmungsprobleme mehr gibt. "Nichts ist so sauber gelaufen, wie wir es uns vorgestellt haben", hielt Räikkönen ohne Umschweife fest. "Vom heutigen Standpunkt aus ist es schwierig zu sagen, wo wir gegen Mercedes stehen, aber wir müssen uns in einigen Bereichen verbessern."

Große Unterschiede zwischen Reifenmischungen

Die Strecke im Albert Park, ein Kurs, der aufgrund seiner Charakteristik nicht unbedingt wegweisend für den weiteren Saisonverlauf ist, veränderte sich vom ersten bis zum zweiten Training nicht in jenem Ausmaß, wie es viele Teams erwartet hatten. Dazu passt auch, dass die Unterschiede zwischen den einzelnen Reifenmischungen deutlich größer als noch bei den Testfahrten ausfielen.

Lagen zwischen den Mischungen in Barcelona noch 0,3 bis 0,5 Sekunden, so waren es am Freitag in Melbourne Pirelli zufolge 0,7 Sekunden. Ein nicht zu vernachlässigender Faktor bei der Wahl der richtigen Rennstrategie.

Erklärt: Die neuen F1-Reifen: (01:37 Min.)


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