Formel 1

Formel 1 besser ohne Freitags-Trainings?

Mit der Übernahme der Formel 1 durch Liberty Media erhoffen sich viele eine goldene Zukunft. Das Problem: Jeder wünscht sich etwas anderes.
von Christian Menath

Motorsport-Magazin.com - Man könnte sagen, Liberty Media steht vor einer Mammutaufgabe. Man könnte es aber auch sehen wie Jean Todt: "Für mich ist die Formel 1 großartig! Im letzten Jahr wurde bis zur letzten Kurve um die Meisterschaft gekämpft! Ich glaube, es wäre die falsche Message, zu sagen, dass die Formel 1 nicht großartig ist."

Ob die Formel 1 so gut ist, wie FIA Präsident Jean Todt sagt, ist fraglich. Genauso fraglich allerdings ist, ob sie so schlecht ist, wie sie viele in den letzten Jahren gesehen haben. "Tatsächlich schlagen wir uns aber ziemlich gut. Wir dürfen den Sport nicht schlechtreden, da es ihm nicht schlecht geht", meint auch Mercedes Motorsportchef Toto Wolff.

Trotzdem sieht Wolff - wie viele andere auch - Verbesserungspotential. Doch die neuen Eigentümer stehen auch ohne Bernie Ecclestone vor zwei Mammutaufgaben: Zum einen macht es das zerfahrene System der Formel 1 nicht leicht, überhaupt Änderungen durchzubringen. Dazu mehr in der Analyse, was sich mit Ross Brawn und Co. wirklich ändern wird.

Nico Rosberg und Jean Todt blicken in die Zukunft der F1: (02:01 Min.)

Die zweite Mammutaufgabe erkennt man recht schnell, wenn man sich die Reaktionen auf den Ecclestone-Rauswurf ansieht. Sauber Teamchefin Monisha Kaltenborn forderte im Deutschlandfunk: "Das wichtigste ist, dass wir als Sport dem Fan wieder näher rücken und vermittelbar sind. Das deckt alles andere ab, weil alle anderen Maßnahmen nur dem Ziel dienen müssen, dem Fan wieder vermittelbarer zu werden."

Abiteboul: Weg mit dem Freitags-Training

Renault F1 Chef Cyril Abiteboul hingegen sprach sich im französischen Magazin Auto Hebdo für ein Änderung aus, die dem Fan nicht so schmecken dürfte: "Man muss das aktuelle Format des Rennwochenendes ändern. Das Freitagstraining spielt keine Rolle. Darüber müssen wir nachdenken, denn es gibt Wege, die Formel 1 dynamischer zu gestalten, ohne mehr Geld auszugeben und ohne die Strukturen der Teams zu beeinflussen."

Ex-Ferrari-Präsident Luca di Montezemolo erzählte der italienischen Zeitung La Repubblica seine Version der neuen Formel 1: "Die Rennen werden kürzer, die Kommunikation mit den Fans effektiver. Die Regeln werden einfacher und die Tatsache, dass der Sport tiefe europäische Wurzeln hat wird wieder gestärkt. Es wird keine solchen unsinnigen Rennen wie Korea oder Indien geben. Rennen in den USA sind gut, aber es sollten maximal zwei sein."

Wir sollten aus der Formel 1 keinen Betatest machen.
Toto Wolff

"Und die neuen Besitzer müssen die Besucher vor Ort aktiv involvieren - weil kein Sport ohne Fans existieren kann", fordert Montezemolo schließlich. Doch Montezemolo widerspricht sich schon selbst: Für die Fans an der Strecke sind kürzere Rennen sicherlich nicht das ultimative Ziel. Gleichzeitig ist die Rennlänge in der Formel 1 eine der wenigen Konstanten über die Jahrzehnte hinweg.

Toto Wolff warnt: "Wir sollten aus der Formel 1 keinen Betatest machen. Wir sollten nicht mit unseren loyalen Fans und Zuschauern spielen, indem wir Regeln einführen, die wir nicht genau durchdacht haben."

Es ist ein Schmaler Grat, auf dem die neuen Eigentümer wandeln müssen. Den Aufbruch in Neues wagen, die Tradition nicht zerstören. Gleichzeitig bleibt ein grundlegendes Problem: Die Beteiligten sind sich selten einig, jeder verfolgt seine eigenen Interessen.

Montezemolo sollte Ecclestone-Nachfolger werden

Lediglich in einem sind sich alle Beteiligten einig - was das Ende der Ära Ecclestone bedeutet. "Das ist schon eine große Zäsur", sagte Kaltenborn. "Das Bild, das nach außen vermittelt wurde, stimmt: Es war seine Show! Manchmal konnte man nicht genau nachvollziehen, warum gewisse Entscheidungen getroffen wurden, aber sie gingen immer von ihm aus. Insofern ist das eine große Änderung, wenn die Person, die schlussendlich alles bestimmt hat, nicht mehr da ist."

Ecc-xit! Ecclestones F1-Aus ein Fluch oder Segen?: (13:47 Min.)

"Es war unvermeidbar", meint Montezemolo. "Man kann keine Änderungen von einem 86-Jährigen Mann verlangen. Gleichzeitig kann man nicht von Leuten erwarten, die die Formel 1 für 8,5 Milliarden Dollar gekauft haben, dass sie ihre Pläne, das Business - das ernsthaft Änderungen braucht - zu modernisieren, hinten anstellen."

Für Montzemolo kam die Absetzung alles andere als Überraschend: Schon nach seinem Ende bei Ferrari 2014 hatte er eigenen Aussagen zufolge ein Angebot vom damaligen Rechteinhaber CVC auf dem Tisch, wonach er die Ecclestone-Nachfolge hätte antreten sollen. Dabei stand schon ein Triumvirat als Formel-1-Spitze im Raum, wie es Liberty Media nun mit Chase Carey, Sean Bratches und Ross Brawn einführt. Montzemolo leitet heute die italienische Fluggesellschaft Alitalia.


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