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Mad Max & Alonsos Mutter - Tops & Flops des Australien GP 2016

Beim Australien GP war mächtig was los! Wer war der Mann des Rennens, wer der größte Depp und wer lieferte den besten Spruch? Tops & Flops aus Melbourne.
von Robert Seiwert

Mann des Rennens: Nico Rosberg

War Nico Rosberg der Mann des Spektakels in Melbourne? Sicherlich nicht. Aber: Rosberg schaffte etwas, womit im Vorfeld kaum jemand gerechnet hatte. Er gewann den Australien Grand Prix! Unfall im Training, Fehler im Qualifying - der Mercedes-Pilot war eigentlich schon im Vorfeld des Rennens abgeschrieben worden. Stattdessen galt zunächst Lewis Hamilton nach seinen ‚sexy Runden´ im Quali als sicherer Sieger, zwischenzeitlich dann auch Sebastian Vettel.

Interessiert am Ende niemanden mehr. Rosberg erledigte seine Arbeit perfekt und souverän. Es war sein saisonübergreifend vierter Sieg in Folge. Damit gelang ihm gleichzeitig ein Kunststück. Keinem anderen Fahrer war es zuvor in der Formel 1 gelungen, vier Siege nacheinander zu erzielen ohne einmal Weltmeister gewesen zu sein. Vielleicht stimmt diese Statistik am Saisonende nicht mehr. Der Anfang ist jedenfalls geschafft.

Mega-Freude im Rosberg-Lager nach dem Sieg in Australien - Foto: Mercedes-Benz

Spruch des Rennens: Alonsos Mutter

"Ich wollte so schnell wie möglich aus dem Auto aussteigen. Denn ich wusste, dass meine Mutter das Rennen zuhause schauen würde." Fernando Alonso. Coole Sau. Dem McLaren-Helden gebührt damit der Spruch des Rennens. Er lieferte nicht nur die krassesten Bilder der vergangenen Jahre, sondern dachte später auch noch an seine Mutter! Fernando Alonso - ein echter Sprücheklopfer.

Hoffentlich saß Alonsos Mutter in diesem Moment nicht vor dem Fernseher... - Foto: Sutton

Manöver des Rennens: Ferraris Start

Am Ende hat es nichts gebracht. Vettel verlor den Sieg, Räikkönen fackelte ab. Aber dramatischer hätte der Start in die neue Rennsaison überhaupt nicht sein können. Das Ferrari-Duo powerte sich durch die silberne erste Startreihe und sicherlich dachten 90 Prozent aller Zuschauer, dass der Sieg den Roten nun sicher wäre.

Das dachte auch Ferrari-Teamchef Maurizio Arrivabene. Sein Gesichtsausdruck nach dem - wie er es selbst nannte - Raketenstart: unbezahlbar. Später schaute er dann nicht mehr so begeistert drein. Strategie-Fehler sei Dank. Doch allein für die kleine Hoffnung des Endes der Mercedes-Dominanz verdient Ferrari den Titel für das Manöver des Australien Grand Prix.

Unfall des Rennens: Alonsos Überschlag

Da gibt es keine Zweifel. Einfach unglaublich, dass sich Fernando Alonso bei seinem mehrfachen Überschlag nicht ernsthaft verletzt hat. Am Montag wurde der Spanier lediglich mit einem Verband am linken Knie gesichtet. Während er am Strand entlang spazierte! Bei aller berechtigter Kritik an der Formel 1: In Sachen Sicherheit ist die Serie ungeschlagene Weltklasse und damit das perfekte Beispiel für die technologische Weiterentwicklung. Wie wäre ein Unfall etwa zu Zeiten Laudas ausgegangen? Niki bei Motorsport-Magazin.com in eigenen Worten: "Schwer zu sagen, aber - eher - traurig."

Boxenstopp des Rennens: Mercedes

Beim Re-Start nach der Rotphase fielen den Mercedes-Männern beinahe die Augen aus dem Kopf! Plötzlich war da noch mehr Rot an den führenden Ferraris zu sehen. Supersoft bei Vettel! Zu diesem Zeitpunkt war Toto Wolff klar, dass der Sieg mit hoher Wahrscheinlichkeit wieder an die Silberpfeile gehen würde. So kam es dann auch, Mercedes sicherte sich den Sieg in allumfassender weltmeisterlicher Manier. Ferrari versagte.

Lewis Hamilton, zum Zeitpunkt der Unterbrechung nur Siebter, brachte es später auf den Punkt: "Wenn ich ehrlich bin, weiß ich nicht, warum nicht auch alle anderen auf den Medium gewechselt haben. Aber ich bin froh, dass sie es nicht gemacht haben, denn sonst wäre ich wahrscheinlich viel weiter hinten ins Ziel gekommen."

Topspeed des Rennens: Nico Rosberg

Der Sieger war gleichzeitig auch schnellster Mann im Rennen. Der Mercedes-Pilot erreichte am Sonntag eine Höchstgeschwindigkeit von 315,6 km/h. Teamkollege Lewis Hamilton kam als Zweitschnellster auf 314,8 km/h - die beiden Silberpfeile damit an der Spitze. Die ‚lahmste Ente´ im Feld war Kimi Räikkönen mit 297,0 km/h. Ein deutlicher Hinweis darauf, dass seine Power Unit während des ganzen Rennens Probleme machte.

Die Top-10 der Topspeeds in Australien

Fahrer Team Motor Topspeed
Nico Rosberg Mercedes Mercedes 315,6km/h
Lewis Hamilton Mercedes Mercedes 314,8km/h
Valtteri Bottas Williams Mercedes 314,4km/h
Max Verstappen Toro Rosso Ferrari(2015) 313,3km/h
Sebastian Vettel Ferrari Ferrari 312,1km/h
Carlos Sainz Jr. Toro Rosso Ferrari(2015) 311,4km/h
Nico Hülkenberg Force India Mercedes 310,8km/h
Daniel Ricciardo Red Bull Renault 309,7km/h
Pascal Wehrlein Manor Mercedes 309,3km/h
Felipe Massa Williams Mercedes 308,2km/h

Unsung Hero des Rennens: Romain Grosjean

Wer würde besser zum ‚Unsung Hero´ passen als US-Neueinsteiger Haas Racing. Mercedes, Ferrari und Alonso lieferten die großen Geschichten im Albert Park. Für die schönste Story war aber Newcomer Haas zuständig. Bei den Testfahrten waren sie noch belächelt worden, einiges ging schief. Im Rennen dann das große Comeback, Romain Grosjean fuhr sensationell zum sechsten Platz. Zum ersten Mal seit Toyota 2002 konnte ein Team beim Renndebüt punkten.

Grosjean, der seinen Wechsel von Renault nicht bedauern dürfte, platzte bei der Zieleinfahrt nur so vor Emotionen. Irgendwie schon richtig US-mäßig, der Franzose. Am Teamfunk brüllte er: "Das ist ein Sieg für uns! Ein Sieg! Unglaublich. Ich weiß nicht mal, wievielter wir geworden sind! Unglaublich."

Haas mit eindrucksvollem Debüt in der Formel 1 - Foto: Sutton

Enttäuschung des Rennens: Max Verstappen

Von Platz fünf war er gestartet, die Teenage-Sensation. In Kurve 1 dann noch an Weltmeister Hamilton vorbei, einen Podestplatz vor Augen. Und am Ende? Ein enttäuschender 10. Platz in Melbourne. Bei Max Verstappen ging im Rennen so ziemlich alles schief. Schlechte Kommunikation mit dem Team, Reifen beim Stopp nicht parat, weil er seinen Boxenstopp nicht angekündigt hatte. Obendrein ein Kontakt mit Kollege Carlos Sainz und Schimpftiraden am Teamfunk. Ein Auszug: "Das ist doch ein Witz!", "Kann ich versuchen, vorbeizufahren? Das dauert zu lange!", oder "Los jetzt, wir müssen was machen!".

Natürlich war Verstappen nach der tollen Ausgangslage enttäuscht. In Melbourne kam aber auch zum Vorschein, was er einige Leute schon Vergessen gemacht hatte. Verstappen ist ein junger Mann, der eben auch mal die Emotionen eines 18-Jährigen zeigt. Ein Supertalent ist er unbestritten, aber für seinen Auftritt im Albert Park dürfte er intern ganz schön was auf die Mütze bekommen haben. Er wird auch daraus lernen.

Tweet/Post des Rennens: Esteban Gutierrez

"Rennen haben wir viele, aber Leben haben wir nur eines. Ich danke Gott, dass wir alle okay sind." Ganz klar der Social Media-Post des Australien GP, aus der Tastatur von Esteban Gutierrez. Großartig, wie der Mexikaner nach dem Horror-Unfall direkt zu Alonso lief und sich nach dessen Zustand erkundigte. In solchen Situationen sieht man wieder mal, wie eng die Formel 1 doch zusammenrücken kann. Ein Spruch, wie ihn der große Fangio selbst nicht besser hätte sagen können...

Tipp des Rennens: Lewis Hamilton

Der Weltmeister war der offensichtliche Sieger-Tipp für den Australien Grand Prix. Am Ende musste sich Hamilton mit Platz 2 zufriedengeben. Die Redaktion von Motorsport-Magazin.com hatte durchweg Hamilton und Räikkönen auf dem Zettel. Nur ein Kollege traute sich auf Rosberg zu setzen! Hut ab für den Mut, der am Ende belohnt wurde.

Gleiche Nummer bei unserer Umfrage. 41 Prozent der Motorsport-Magazin.com-Leser sagten Hamilton als Sieger voraus. Vettel bekam immerhin 26 Prozent aller Stimmen. Gerade mal 15 Prozent setzten auf Rosberg.


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