Formel 1

Neues Qualifikations-Format tötet die Spannung - Lahmes neues Qualifying: Hamilton holt 50. Pole

Weltmeister Lewis Hamilton startet beim Auftaktrennen in Melbourne von der Pole Position. Das neue Qualifying-Format sorgt für Diskussionen
von Stephan Heublein

Motorsport-Magazin.com - Der amtierende Weltmeister startete in Melbourne standesgemäß in die neue Formel-1-Saison: 50. Pole Position für Lewis Hamilton. Für den Mercedes-Star ist es die insgesamt fünfte im Albert Park - so viele hat dort kein anderer Fahrer geholt. Neben dem Briten startet sein Silberpfeil-Teamkollege Nico Rosberg aus der ersten Reihe. Der Deutsche verpatzte seinen ersten Versuch im Q3 und verbesserte sich im zweiten bis auf dreieinhalb Zehntel an die Zeit von Hamilton. Einen spannenden Zweikampf gab es allerdings nicht.

Dazu trug auch die Strategie der Konkurrenten bei. Ferrari ließ Sebastian Vettel und Kimi Räikkönen bereits nach dem ersten Run in der Box stehen. Die Plätze drei und vier hatten die Roten zu diesem Zeitpunkt bereits sicher. Die Top-8 rundeten Max Verstappen, Felipe Massa, Carlos Sainz und Daniel Ricciardo ab. Der Fahrbetrieb im Q3 hielt sich arg in Grenzen, bereits Minuten vor dem Ablaufen der Zeit war die Strecke verweist.

"Sportlich sind wir sehr zufrieden", sagte Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff. "Aber für mich war die ganze Session konfus. Man hat nicht genau verstanden wer draußen ist, das müssen wir uns nochmal ansehen." Im Rennen rechnet Wolff mit harter Gegenwehr durch Ferrari. "Kann sein, dass sie Reifen gespart haben. Es wird noch mehr kommen. Ich habe das Gefühl, dass sie etwas näher dran sind. Das wird noch spannend."

Hamilton, Rosberg & Vettel zum Qualifying in Australien

Lewis Hamilton: "Ich muss meinen Hut vor dem Team ziehen. Es ist einfach unglaublich, was sie geleistet haben. Das motiviert mich. Ich habe heute alle Sessions genossen, das Auto zu fahren. Es gab einige sexy Runden, die super gelaufen sind - ohne jeglichen Fahrer. Darauf kannst du als Fahrer nur hoffen. Ich bin sehr glücklich."

Nico Rosberg: "Die letzte Runde im Q3 war gut, aber Lewis war einfach noch besser. Aber hauptsächlich ist es beeindruckend, wie das Team jetzt im dritten Jahr einen guten Vorsprung hat - natürlich müssen wir mit solchen Aussagen vorsichtig sein. Es ist ja erst der Anfang der Saison. Das Team pusht aber immer weiter, es gibt keine Selbstgefälligkeit. Klar, ich bin nicht zufrieden mit Platz zwei, aber das Rennen kommt ja erst noch."

Sebastian Vettel: "Ich habe schon einige Male gesagt, dass wir Fortschritte erzielt haben. Das sage ich immer noch. Morgen sollten wir näher dran sein. Wir hatten erwartet, dass sie im Qualifying stark sein würden. Mir fiel es schwierig, richtig ins Qualifying reinzukommen. Am Ende lief es besser. Wir haben gesagt, dass wir Reifen sparen und es ist ein guter Ausgangspunkt für morgen."

Qualifying - Session 3
Zwischenfälle: keine
ausgeschieden: Vettel, Räikkönen, Verstappen, Massa, Sainz, Ricciardo
Erste Reihe: Hamilton, Rosberg

Das war Q2: Pärchenbildung im Mittelfeld: Beide Force India, beide McLaren und beide Renault schieden im zweiten Qualifying-Abschnitt aus. Hinzu gesellte sich überraschend Valtteri Bottas, der von seinem Teamkollegen Felipe Massa klar geschlagen wurde. Force India bestätigte mit den Startplätzen neun und zehn eine gute Verfolgerrolle, für das Q3 reichte es aber nicht - selbst einen letzten Angriff in den letzten Minuten unterließ Perez aus freien Stücken.

"Meine Reifenwahl könnte viel wert sein, das war aber eigentlich nicht der Plan", sagte Hülkenberg. "Das ist gar nicht schlecht. Strategisch gesehen nicht sind es keine 1A-Plätze, sondern 1B. Ich bin gespannt auf morgen. Soweit ich das einschätzen kann, war bei uns alles im Rahmen. Die ersten Runs im Q1 und Q2 sind wichtiger als letztes Jahr. Da muss es schon sitzen, sonst läuft man Gefahr rauszufliegen. Das ist der größte Unterschied."

Qualifying - Session 2
Zwischenfälle: keine
ausgeschieden: Perez, Hülkenberg, Bottas, Alonso, Button, Palmer, Magnussen
Top-5: Hamilton, Rosberg, Vettel, Sainz, Ricciardo

Das war Q1: Der erste Einsatz des neuen Qualifying-Formats bescherte Pascal Wehrlein in seiner ersten Formel-1-Qualifikation die zweifelhafte Ehre, der erste Pilot zu sein, der vorzeitig eliminiert wurde. Neben ihm schieden auch sein Teamkollege Rio Haryanto, die beiden Haas-Piloten, Daniil Kvat, Felipe Nasr und Marcus Ericsson aus. Haryanto wird in der Startaufstellung um drei Plätze zurückversetzt. Der Grund: Er war im 3. Training mit Romain Grosjean in der Boxengasse kollidiert.

"Das war ziemlich schwierig", sagte Pascal Wehrlein nach seinem F1-Quali-Debüt. "Die Zeit ist ziemlich kurz. Eigentlich zwei Runden, aber ich habe Verkehr gehabt in Runde zwei und bin dann an die Box. Wir hatten gehofft, mit neuen Reifen rausfahren zu können, aber es war nicht genug Zeit dafür. Deshalb ist es schon sehr früh zu Ende gewesen. Es wäre mehr drin gewesen - zwei oder drei Plätze, aber das Q2 wäre wohl nicht drin gewesen."

Qualifying - Session 1
Zwischenfälle: leichte Verwirrung um neues Quali-Format
ausgeschieden: Ericsson, Nasr, Kvyat, Grosjean, Gutierrez, Haryanto, Wehrlein
Top-5: Hamilton, Massa, Alonso, Hülkenberg, Räikkönen

Kommentar: Das war es also, das erste Qualifying mit dem viel diskutierten neuen Format. War es besser? Auf keinen Fall. War es schlecht? Nach Q1 noch nicht, aber mit jeder Session fiel die Begeisterung zunehmend stark ab.

Damit mehr Spannung aufkommt, muss die FOM bei den TV-Grafiken nachlegen. Die tickende Uhr für den jeweils nächsten ausscheidenden Fahrer kam in Q1 erst nach der Hälfte der ausgeschiedenen Piloten. Zu spät. Auch eine grafische Einblendung "Pascal Wehrlein - OUT" würde für mehr Übersicht beim Zuschauer sorgen. So vertraut man zu sehr auf das Wissen der Fans oder einen fachkundigen Kommentator.

Selbst die Teams hatten zu Beginn noch Schwierigkeiten, sich an die 90 Sekunden-Regel zu gewöhnen. Solche taktischen Fauxpas werden wir in Zukunft nicht mehr sehen. Diesmal schieden die meisten Fahrer noch unspektakulär in der Box stehend aus.

Fazit: Nicht schlecht gedacht, aber die Teamchefs hatten beim Vorschlagen dieses Formats eins nicht auf der Rechnung - die Teams. Die Strategien und Taktiken vermiesten jegliche Spannung im Q3. Das neue Qualifikationsformat ist demnach alles andere als der große Spannungs-Durchbruch. Kein einziges Mal gab es den erhofften Kampf um das Ausscheiden. Die Realität ist halt kein Videospiel.

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