Formel 1

Setup ist nicht fertig - McLaren in Australien: Schon wieder Probleme

McLaren will in Australien im Gegensatz zum Vorjahr konkurrenzfähig sein. Doch das Wochenende wird bereits von einer Hiobsbotschaft beeinträchtigt.
von Chris Lugert & Philipp Schajer

Motorsport-Magazin.com - Der Saisonauftakt in Australien stellt für McLaren mehr als nur eine einfache Standortbestimmung dar. Im vergangenen Jahr erlebte die neuaufgelegte Zusammenarbeit mit Honda in Australien ihren ersten herben Dämpfer. Ersatzpilot Kevin Magnussen schaffte es nicht in die Startaufstellung, Jenson Button wurde zweimal überrundet. Es war der Startschuss zu einer deprimierenden Saison, in deren Verlauf McLaren-Honda teilweise zum Gespött wurde.

Auch 2016 ist der Albert Park ein vorentscheidendes Pflaster für McLaren. Nicht unbedingt aus technischer Sicht, denn Weiterentwicklungen sind während der Saison durchaus möglich. Aber sollten die Verbesserungen im Vergleich zum Vorjahr nicht signifikant erkennbar sein, ist erneute Unruhe vorprogrammiert. Bereits 2015 riss in Woking trotz anfänglicher Harmoniebekundungen der Geduldsfaden. Die Folge waren Schuldzuweisungen, die Honda zudem scharf konterte. Bei den Testfahrten lief das Auto immerhin rund, ob es auch schnell ist, wird der Australien GP endgültig beantworten.

Bei den Testfahrten kam McLaren reichlich zum Fahren - Foto: Sutton

Die Neuerungen: Gescheiterter Umbau nach den Testfahrten

Bei den Testfahrten in Barcelona hinterließ McLaren einen zuverlässigen Eindruck, nur zwei der acht Tage waren von größeren Problemen beeinträchtigt. Das neue Auto basiert auf derselben Size-Zero-Idee wie sein Vorgänger, wenngleich man Honda ein wenig mehr Platz für die Power Unit einräumte. Renndirektor Eric Boullier kündigte in Barcelona bereits an, dass das Chassis in Australien sich dank einiger Updates deutlich vom bis dato verwendeten unterscheiden würde. Details nannte er allerdings keine.

Wir haben es nicht geschafft, die finale Konfiguration sowie die Setup-Arbeiten für das erste Rennen abzuschließen.
Eric Boullier

Kurz vor dem Australien-Wochenende gab es für McLaren allerdings die Hiobsbotschaft. "Wir haben es nicht geschafft, die finale Konfiguration sowie die Setup-Arbeiten für das erste Rennen abzuschließen", muss Boullier gestehen. Für das Team ist der Saisonauftakt also eine Reise ins Ungewisse. "Es wird kein einfacher Start für uns in das Wochenende. Wir müssen das Auto für jede Session neu hinbekommen und das Paket bereit machen, sobald wir im Albert Park sind", erklärt Boullier die Marschrichtung für das anstehende Wochenende. Besonders wird der Australien GP auch für Yusuke Hasegawa. Der Arai-Nachfolger bei Honda bestreitet seinen ersten Einsatz in neuer Funktion.

Die Erwartungen: Besser als letztes Jahr

Trotz der Probleme erwartet man bei McLaren ein deutlich besseres Abschneiden als vor Jahresfrist. Von allen teilnehmenden Teams war man mit Abstand das langsamste (Manor Marussia konnte nicht antreten). "Melbourne wird definitiv eine Herausforderung, aber unser Paket fühlt sich definitiv wie ein Schritt nach vorne an im Vergleich zum letzten Jahr", gibt sich Jenson Button optimistisch.

Jenson Button war 2015 in Australien unter ferner Liefen unterwegs - Foto: Sutton

Der Albert Park als Straßenkurs verlangt von den Fahrern gleich alles ab. "Es ist ein kniffliger Ort, um die Saison zu beginnen. Es ist eine technische und unebene Strecke, die keine Fehler verzeiht. Nach Monaten ohne Rennen hält sie einen gleich auf Trab, aber deshalb fahren wir dort so gerne", erklärt Button. Dennoch blickt der Brite zunächst zurückhaltend auf das Rennen, wo die neuen Regularien erstmals getestet werden. "Es gibt so viele Variablen in diesem Jahr - ein neues Qualifying-Format, neue Reifenregeln, zudem produziert Australien regelmäßig unvorhersehbare Rennen. Daher kann alles passieren", glaubt der 35-Jährige.

Die Statistik: McLaren beim Australien GP

Siege Poles Schn. Runden Podium Punkte km geführt
McLaren 11 10 8 26 294 3010
Jenson Button 3 2 1 4 88 795
Fernando Alonso 1 0 1 5 105 323

McLaren: Melbourne Bilanz

McLaren in Melbourne: Die australische Metropole war in den vergangenen zwei Jahrzehnten ein erfolgreiches Pflaster für McLaren. Dort feierte das Team 1997 den ersten Sieg mit Mercedes-Motoren, insgesamt stand im Albert Park sechs Mal ein McLaren-Pilot ganz oben auf dem Podest. Je zwei Triumphe steuerten Mika Häkkinen und David Coulthard bei, einmal gewannen Jenson Button und Lewis Hamilton.

Jenson Button in Melbourne: Der Brite feierte beim Australien GP bereits drei Siege, den letzten im Jahr 2012. Dabei hatte Button zu Beginn seiner Karriere kein gutes Verhältnis zu Melbourne, denn bei seinem Debüt schied er ebenso aus wie in den beiden folgenden Jahren. Ein ähnliches Schicksal ereilte Button drei weitere Male, womit insgesamt zehn Zielankünfte zu Buche stehen. Vor zwei Jahren stand der Brite als Dritter zum bis dato letzten Mal in seiner Karriere auf dem Podium.

2006 fuhr Fernando Alonso seinen einzigen Sieg in Australien ein - Foto: Sutton

Fernando Alonso in Melbourne: Der Spanier ging bislang 13 Mal in Melbourne an den Start, fiel nie aus und erzielte bis auf eine Ausnahme stets Punkte. Seinen einzigen Sieg feierte Alonso 2006, hinzu kommen zwei zweite und zwei dritte Plätze. Im Vorjahr musste der Spanier den Saisonauftakt infolge eines Testunfalls auslassen und wurde von Kevin Magnussen vertreten.

Die Prognose: Keine Punkte beim Auftakt

  • Auto und Power Unit wirken zuverlässig
  • Aber: Das Setup des Boliden für Australien ist nicht fertig
  • McLaren zählt zu den erfolgreichsten Teams in Melbourne

Redaktionskommentar

Motorsport-Magazin.com meint: Da dachte man nach den Testfahrten doch glatt, bei McLaren wäre Ruhe eingekehrt und der richtige Weg eingeschlagen. Für den Australien GP waren sogar weitreichende Updates angekündigt. Blöd nur, wenn das alles nicht rechtzeitig fertig wird. Somit wird es für die britisch-japanische Kombo erneut ein schwieriges Wochenende werden. Das Kräfteverhältnis ist noch nicht ganz klar, besonders im Mittelfeld. Die Voraussetzungen könnten aber besser sein. Punkte gibt es wohl nur mit Hilfe der Konkurrenz. (Chris Lugert)


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