Formel 1

2016 als Übergangsjahr? - Renault: Keine Hoffnung für Australien

Renault hat es nicht einfach beim Comeback in der Formel 1. Viele Probleme während der Testfahrten. Die Teamführung backt für 2016 ganz kleine Brötchen.
von Robert Seiwert

Motorsport-Magazin.com - Die Testfahrten in Barcelona sind vorbei - und hinter Renault steht ein großes Fragezeichen. Die Rückkehr des Werksteams in die Formel 1 lief alles andere als problemlos. Selbst der letzte Tag auf dem Circuit de Catalunya brachte Schwierigkeiten mit sich. Wegen eines Hydraulikproblems konnte Rookie Jolyon Palmer vormittags nur 31 Runden fahren. Immer wieder Palmer! Der Brite bekam es in Barcelona faustdick ab, musste fast jeden Tag mehrere Stunden aussetzen.

Kein Wunder, dass Palmer mit die wenigsten Kilometer aller Fahrer zurücklegen konnte. Gerade einmal 267 Runden schaffte er im Verlauf der zwei Wochen. Zum Vergleich: Spitzenreiter Nico Rosberg kam auf 656 Runden, also mehr als doppelt so viele wie Palmer. Zum Glück von Renault lief es bei Teamkollege Kevin Magnussen besser. Der F1-Rückkehrer sammelte immerhin 509 Runden im neuen Renault-Boliden.

Renault noch auf der Suche nach der Ideallinie für 2016 - Foto: Sutton

Keine Panik

Statt in Panik zu geraten, bleibt die neue Teamführung kurz vor dem Saisonstart in Australien relativ gelassen. Frei nach dem Motto: Wir hatten nichts anderes erwartet. Es sei sogar besser gelaufen als angenommen, hieß es aus der Teamspitze der Franzosen. "Wir haben jetzt nur eine Woche, bis es losgeht", sagte Teamchef Frederic Vasseur. "Es könnte sehr eng werden. Wahrscheinlich werden die ersten beiden Rennen ein bisschen schwierig. Wenn wir dann zu den Rennen in Europa kommen, sollte es passen."

Renault hatte seit dem Comeback kein Geheimnis daraus gemacht, dass die Saison 2016 kein Zuckerschlecken wird. Seit der Trennung von Lotus musste das Team größtenteils neu aufgebaut werden, wichtige Schlüsselpersonen fielen weg. Bis zu eineinhalb Jahre könne es sogar dauern, bis der Neuanfang abgeschlossen ist. "Wir machen uns keine Illusionen", sagte Technikchef Bob Bell. "Es wird kein einfacher Weg dorthin zu kommen, wo wir hin möchten. Aber bis dahin möchten wir zeigen, dass wir auf dem richtigen Weg sind."

Kein einfacher Start für Rookie Jolyon Palmer - Foto: Sutton

Aufbau ohne Druck

Einige Positionen müssen neu besetzt werden, um eine richtige Führungsstruktur zu installieren. Vasseur und Co. sind schon auf der Suche, wollen aber keine Schnellschüsse landen. Rund 65 Leute sollen am Ende zum erweiterten Führungsstab zählen, rechnete Bell vor. Vasseur zur Personalplanung der kommenden Monate: "Ich will keinen Druck, um etwas zu erledigen. Das Wichtigste ist, dass wir die Positionen mit den richtigen Leuten besetzen und nicht, weil wir es einfach machen müssen."

Renault backt ganz bewusst kleine Brötchen vor dem Saisonstart. Die abgelaufenen Testfahrten haben keinen Anlass gegeben, die Zielsetzung zu verändern. Zwar sei das Auto inzwischen zuverlässig, doch die Frage nach der Performance steht weiter im Raum. Fraglich nur, wie lange Konzernchef Carlos Ghosn die Ruhe bewahrt. Bei der Rückkehr in die Formel 1 hatte der große Chef von Podestplätzen als Ziel gesprochen - wie es sich eben für einen Hersteller gehört.

"Wir treffen Carlos nächsten Mittwoch", sagte Vasseur auf die Frage, ob Podiumsplatzierungen überhaupt möglich seien. "Ich denke schon, ja. Das ist das Ziel. Aber wenn man sich andere Teams anschaut, sieht man, dass auch Mercedes fünf Jahre gebraucht hat, um Rennen zu gewinnen. Red Bull auch mehr oder weniger. Wir müssen den gleichen Weg einschlagen und schlauer sein als die anderen."

Wo reiht sich Renault in der Hackordnung ein? - Foto: Sutton

2016 als Übergangsjahr?

Kurzfristige Erfolge stehen also nicht auf der Agenda des Teams, das mit Fernando Alonso zweimal die Weltmeisterschaft gewinnen konnte. Von außen gab es bereits erste Vermutungen, dass Renault die Saison 2016 herschenken könnte, um sich stattdessen auf das runderneuerte Auto für 2017 zu konzentrieren.

Bob Bell sagte dazu: "Wie die meisten Teams müssen wir schauen, wie die Rangordnung und die wahre Leistung aussieht. Sobald du diese Informationen hast, kannst du schauen wie du deine Ziele erreichst und beurteilen, was dazu nötig ist in dieser Saison." Dann fügte er an: "Die Wahrheit für uns ist: Wir würden tendenziell eher für 2017 entwickeln als für dieses Jahr." Offene Worte des Briten, die Chef Vasseur so aber nicht vollends unterschreiben wollte.

Es könnte eine lange Saison werden für Renault - Foto: Sutton

Es wird nicht einfach...

Um nicht den Verdacht zu erhärten, dass 2016 lediglich ein Übergangsjahr für Renault werden könnte, sagte Vasseur gegenüber Motorsport-Magazin.com: "Ich kümmere mich darum, dass wir den Druck aufrecht erhalten und niemand die Saison vorzeitig aufgibt. Wir wissen, dass es nicht einfach wird. Wir haben das Unternehmen spät übernommen. Aber es wäre ein Fehler, jetzt nur auf 2017 zu schauen. Wenn wir den Kampfgeist hochhalten wollen, müssen wir versuchen, die Jungs vor uns zu schnappen."

Frage: Wie viele dieser Jungs reihen sich in den ersten Rennen vor Renault ein? Das Mittelfeld dürfte dieses Jahr eng umkämpft sein wie schon lange nicht mehr. Darauf lassen die ersten Ergebnisse der Testfahrten schließen. Blamieren darf sich Renault nicht - das würde der Großkonzern nicht allzu lange dulden. "Wir reisen nach Melbourne als wären wir da, um das Rennen zu gewinnen", sagte Bell. "Aber wir müssen realistisch bleiben. Wenn wir es da in die Top-10 schaffen, wären wir happy."


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