Formel 1

Zusatzschicht in neuer Reifengeneration - Mehr Action: So funktioniert der Pirelli-Trick

Pirelli modellierte seine Reifen für 2016 um. Das Ziel: Mehr Action durch weniger Vorhersehbarkeit ohne Gefährdung der Fahrer. So funktioniert der Pirelli-Coup.
von Jonas Fehling

Motorsport-Magazin.com - Pirelli konzipierte für die neue Formel-1-Saison nicht nur die neue ultrasofte Mischung, sondern veränderte auch die Konstruktion der Reifen. Ziel war, einen bestimmten und möglichst krassen 'Drop-off'-Punkt zu kreieren, ab dem der Gummi dramatisch an Grip verliert - natürlich ohne eine Gefahr darzustellen. Das soll zu weniger Vorhersehbarkeit, aber mehr Action durch stärker rutschende Boliden führen.

Das sagen die Fahrer zur neuen Reifenkonstruktion

Diese Idee eines 'Point of no return' scheint der Reifenhersteller ziemlich gut umgesetzt zu haben. Das bestätigen jedenfalls die Eindrücke der Fahrer bei den Testfahrten in Barcelona.

Du kannst es definitiv spüren, besonders auf dem Soft-Reifen. Sobald du einen gewissen Grad von Verschleiß erreicht hast, beginnst du wirklich zu kämpfen.
Sergio Perez

"Du kannst es definitiv spüren, besonders auf dem Soft-Reifen. Sobald du einen gewissen Grad von Verschleiß erreicht hast, beginnst du wirklich zu kämpfen. Es ist deutlich weniger Gummi verfügbar als vergangenes Jahr, einfach wegen der Dinge, die Pirelli geändert hat. Sobald du also eine gewisse Menge Gummi abgefahren hast, wird es sehr schwierig, auf der Strecke zu bleiben", sagt Sergio Perez.

Man merkt, dass am Ende ein Punkt kommt, an dem alles vorbei ist. Bei mir war das nach 17, 18, 19 Runden - dann ist Ende.
Nico Rosberg

"Man merkt, dass am Ende ein Punkt kommt, an dem alles vorbei ist. Das merkt man schon", bestätigt Nico Rosberg im Gespräch mit Motorsport-Magazin.com. "Bei mir war das nach 17, 18, 19 Runden - dann ist Ende." Auch Teamkollege Lewis Hamilton bemerkte die Veränderung deutlich, outet sich jedoch als Gegner der neuen Gummis. "Der Reifen ist definitiv nicht besser. Er fühlt sich härter an und gibt mir keinesfalls mehr Grip. Ich bevorzuge den aus dem vergangenen Jahr", poltert der Weltmeister.

Die Schilderungen Rosbergs und Perez' belegen demgegenüber, dass die zumindest mal wieder im Raum stehende Sicherheitsdebatte bislang nicht aufkommen muss. Die beiden Piloten spürten schließlich gewünscht deutliche Anzeichen dafür, dass der Reifen in die Knie ging. Esteban Gutierrez lobte die Italiener gar: "Ich denke, Pirelli hat da in die richtige Richtung gearbeitet. Aber wir brauchen mehr Zeit, um die Reifen zu erkunden." Doch wie hat Pirelli das alles überhaupt technisch umgesetzt?

Pirelli: So funktioniert der Ultrasoft-Reifen: (01:41 Min.)

So funktioniert Pirellis Ansatz

"Wir haben dieses Jahr eine zusätzliche Lage eingeführt, die die Fahrer warnt, wenn der Reifen sein Ende erreicht. Dann gibt es einen Gripverlust", erklärt Pirellis Mario Isola. Ab diesem Zeitpunkt will ein Fahrer also kaum noch mit dem Satz weiterfahren. Das bringt die Sicherheit. Denn auf der Zusatzschicht fällt der Reifen dann nicht einfach auseinander.

Wir haben dieses Jahr eine zusätzliche Lage eingeführt, die die Fahrer warnt, wenn der Reifen sein Ende erreicht. Dann gibt es einen Gripverlust.
Mario Isola

"Die Arbeitsschicht ist dünner als im letzten Jahr und wenn wir da durch sind, kommen wir auf die Zwischenschicht, die sich nicht mehr so schnell abnutzen soll. Dadurch wird es neue Charakteristik geben, wie sich der Reifen während seiner Lebensspanne verhält", beschreibt Andy Cowell von Mercedes. "Es gibt keinen plötzlichen Leistungsabfall mehr, es ist gleichmäßiger, besser als früher. Im Moment sind die Signale gut", zieht Isola ein erstes Zwischenfazit. Es folgt ein kleiner Seitenhieb in Richtung Hamilton: "Der Rest der Konstruktion ist genau wie im letzten Jahr", sagt er.

Es gibt keinen plötzlichen Leistungsabfall mehr, es ist gleichmäßiger, besser als früher.
Mario Isola

Der Auswirkungen des plötzlichen Gripverlusts beim Wechsel auf die Zusatzschicht auf die Rundenzeiten sei unterdessen noch nicht messbar. "Das müssen wir noch genauer analysieren. Wenn getestet wird, wird mit verschiedenen Spritmengen gefahren. Wir müssen darauf achten, dass wir den korrekten Wert extrahieren", sagt Isola auf Nachfrage von Motorsport-Magazin.com.


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