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Formel 1 / Analyse

Wie Phönix aus der Asche - Saisonziel erreicht? Team-Analyse: Force India

Die Formel-1-Saison 2016 wirft ihre Schatten voraus. Wir analysieren die Leistungen aller Teams 2015 - im Guten wie im Schlechten. Heute: Force India.
von Annika Kläsener

Motorsport-Magazin.com - Dass ein derart holprig begonnenes Jahr mit dem besten Ergebnis der Teamgeschichte enden würde, hätte wohl kaum einer im Paddock vermutet. Force India ließ sich von einem zähen Saisonstart und Pleitegerüchten nicht aus der Bahn werfen und landete mit der B-Spezifikation des VJM08 einen Erfolg. Sergio Perez bestritt eine der besten, wenn nicht die beste Saison seiner Karriere. Nico Hülkenbergs Jahr war hingegen ein Auf und Ab, mit dem Sieg in Le Mans als Highlight außerhalb der Formel 1.

Force India machte 2015 nicht nur auf, sondern auch abseits der Rennstrecken Schlagzeilen. Zusammen mit Sauber reichte das Team eine EU-Beschwerde über die Struktur und Preisgeldverteilung in der Formel 1 ein. Außerdem beantragte es wegen finanzieller Engpässe im Winter eine vorzeitige Preisgeldauszahlung. Im Laufe der Saison gab es Verhandlungen um eine Übernahme durch Renault - das sich für Lotus entschied - und Aston Martin.

Force India: Tops & Flops 2015

Die Tops

  • Platz 5 bei den Herstellern = bestes Teamergebnis
  • Perez in Russland auf dem Podium
  • Jubiläum in Abu Dhabi: 150. Grand Prix

Die Flops

  • Materialschwächen in Ungarn
  • Doppel-Crash und -Strafe in Malaysia
  • Hülkenberg-Aus beim Belgien-Start

Das Auto: VJM08

Das Warten auf die B-Spezifikation hat sich gelohnt - Foto: Sutton

Von einem Auto kann man bei Force India streng genommen nicht sprechen. Das Jahr begann beim ersten Barcelona-Test verspätet und mit dem Vorjahresmodell. Das neue Auto kam erst zu den letzten Testfahrten vor der Saison und wurde in Silverstone durch eine B-Version ersetzt. Auch danach gab es noch einige Updates. Force India verwendet seit diesem Jahr den Windkanal von Toyota in Köln und hat zudem seine CFD-Leistung ausgebaut. Das machte sich bereits in der zweiten Saisonhälfte bezahlt.

Hülkenberg hatte bei der ersten Version des VJM08 mit Abtrieb und Grip zu kämpfen, wodurch er einen höheren Reifenverschleiß zu beklagen hatte. Der Top-Speed war dank der Mercedes-Power-Unit eine der Stärken des Boliden, der sich abgesehen von wenigen Ausnahmen als zuverlässig erwies. Ein Wochenende zum Vergessen war in dieser Hinsicht Ungarn, wo im Training die Aufhängung an Perez' Auto brach und im Rennen der Frontflügel an Hülkenbergs Bolide. Perez musste zudem mit Bremsversagen aufgeben.

Die Fahrer: Nico Hülkenberg

Hülkenbergs Highlight war abseits der Formel 1 zu finden - Foto: Sutton

Der Sieg beim Le-Mans-Debüt muss Hülkenberg über eine Saison mit mehr Tiefen als Höhen hinwegtrösten. In der Fahrerwertung hat er 20 Punkte Rückstand auf seinen Teamkollegen und belegt nur Rang zehn. Damit konnte er seinen Aufwärtstrend, die WM-Position in jeder bestrittenen Saison zu verbessern, nicht fortsetzen. Des Weiteren bleibt das Podium ein nach wie vor unerfüllter Traum.

Hülkenberg räumte selbst ein, dass ihm das Vertrauen ins Auto fehlte, er war vor allem zur Jahresmitte mit der Balance unzufrieden. Hinzukamen neben technischen Defekten zahlreiche Rennunfälle, von denen zwei mit Strafpunkten geahndet wurden. Dennoch gelangen ihm auch Glanzmomente, wie der sechste Platz in Suzuka, der das beste Ergebnis von Force India auf dieser Strecke darstellte.

Die Fahrer: Sergio Perez

Perez fuhr den fünften Podestplatz seiner Karriere ein - Foto: Sutton

Spätestens in dieser Saison sollte der Mexikaner einen neuen Spitznamen erhalten: der Reifenflüsterer. Perez gelang es, das schwarze Gold wenn nötig mit Samthandschuhen anzufassen und mit weniger Boxenstopps auszukommen als sein Teamkollege. In Russland profitierte er sowohl von seiner reifenschonenden Fahrweise als auch der Kollision zweier Konkurrenten und fuhr den fünften Podestplatz seiner Karriere ein.

Ein weiteres Highlight war der Start zum Belgien GP, wo Perez ein Feuerwerk abbrannte. Er schoss von Startposition vier auf Rang zwei nach vorne und kämpfte sogar um die Führung. Perez musste in dieser erfolgreichen Saison jedoch auch einen Schreckmoment wegstecken, als er sich in Ungarn wegen eines Aufhängungsschadens überschlug.

Hülkenberg Perez
Punkte 58 78
WM-Position 10 9
Quali-Duell 11 8
Durchschnittliche Startposition 10 (ohne Strafen)
9,9 (mit Strafen)
10,7 (ohne Strafen)
10,3 (mit Strafen)

Statistik: Force India in Zahlen 2015

  • 136 Punkte bedeuten WM-Rang 5 bei den Herstellern
  • Nur 51 Punkte fehlen am Saisonende auf Red Bull
  • Bestes Saisonergebnis mit 16 Punkten in Abu Dhabi
  • Seit dem Ungarn-Debakel keine Nullrunde mehr
  • Dank Perez nun 3 Podestplätze in der Teamgeschichte

Der Ausblick: Force India in der F1-Saison 2016

Die Formkurve zeigt am Ende der Saison 2015 nach oben. Vielversprechend ist zudem, dass 2016 die Neuerungen mit Windkanal und verbesserter CFD-Leistung erst voll zum Tragen kommen werden. Das Reglement bleibt stabil, eine Evolution des VJM08 könnte also der große Wurf werden. Zudem bleibt mit Hülkenberg und Perez das Fahrerduo konstant. Ein weiterer Pluspunkt sind die volleren Kassen dank der besseren WM-Position im Vergleich zum Vorjahr. Was will man mehr?


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