Formel 1

FIA: Mosley boxte Zeitplan durch, aus den Neun wurden Sieben

In Paris wurde heute in Anwesenheit von Ferrari, Red Bull Racing und Jordan-Midland ein Zeitplan für die Erstellung des Regelwerks ab 2008 erstellt.
von Michael Noir Trawniczek

Motorsport-Magazin.com - In den heiligen Gemächern der obersten Motorsportbehörde FIA, auf dem Pariser Place de la Concorde, wurde heute Freitag jenes Meeting mit dem Thema "Formel 1-Reglement ab 2008" abgehalten, welches die neun Formel 1-Teams außer Ferrari wie schon beim ersten Meeting im Januar boykottieren wollten. Doch bereits im Vorfeld gab es Gerüchte, wonach zwei der neun Teams den Boykott brechen könnten - und genau so war es dann auch. Neben FIA-Präsident Max Mosley, dem Technischen Delegierten der FIA Charlie Whiting, Kommunikationsdirektor Richards Woods, Bernie Ecclestone sowie den Ferrari-Vertretern Jean Todt und Ross Brawn waren auch Red Bull-Teamchef Christian Horner und Jordan-Sportdirektor Colin Kolles zu dem um 9.30 Uhr beginnenden Treffen erschienen.

Im Anschluss an die Sitzung veröffentlichte die FIA einen strengen Zeitplan, demzufolge bis zum Ende des Jahres das Regelwerk der Formel 1 ab 2008 erstellt werden soll. Bis zum 27. Mai soll ein erster Entwurf des Technischen Reglements erarbeitet werden, dieser wird am 29. Mai dem World Motor Sport Council der FIA vorgelegt, nach dessen Überprüfung wird das Konzept an das Formula One Management (FOM), die Rennorganisatoren, die Rennpromotoren, die aktuellen F1-Piloten, potentielle Teilnehmer und Motoren- sowie Reifen-Ausrüster und andere potentielle Teilnehmer welche um eine Kopie anfragen versendet. Bis zum 31. Juli können alle Inhaber dieser Kopien ihre Kommentare und Vorschläge einsenden, diese sollen dann bei der endgültigen Erstellung des Regelwerks berücksichtigt werden - "in Absprache mit allen Teilnehmern, die sich für ihr Mitwirken an der FIA-Formel 1-Weltmeisterschaft verpflichtet haben", so der Wortlaut der FIA-Aussendung.

Reglement 2008: Nur wer unterschreibt, darf mitreden!

Das heißt: Mosley lädt zwar alle dazu ein, ihre Kommentare und Vorschläge einzusenden - ein wirkliches Mitspracherecht haben jedoch nur jene Teams, die auch ein neues Concorde-Abkommen unterschreiben, wie das bislang einzig die Scuderia Ferrari getan hat. Am 23. September muss dann ein Dossier abgegeben werden, welches am 26. September abermals dem World Council vorgelegt und zur endgültigen Absegnung am 28. Oktober an die FIA-Botschaft nach Rom gesandt wird.

Max Mosley hat also seine Pläne für die Erstellung eines Regelwerks ab 2008 durchgeboxt - in Abwesenheit der Automobilhersteller, die ja immer noch mit dem Gedanken an eine eigene Rennserie ab 2008 spielen. Doch warum hat es Mosley derart eilig? Ist es nur der Machtkampf gegen die Hersteller? Angeblich sollen die drei Eignerbanken starken Druck ausüben, sie wollen die Zukunft der Formel 1 geklärt wissen. Mosley und Ecclestone stehen unter Zugzwang.

Dies steht im krassen Gegensatz zu den erwähnten Herstellerteams außer Ferrari, welche erst unlängst erklärt haben, dass man für die Regelerstellung einer künftigen Rennserie, wer auch immer diese betreiben möge, sich Zeit lassen möchte - für umfangreiche Studien verschiedener Expertengruppen, um Schnellschüsse zu vermeiden. Erst wenn diese Expertengruppen ihre Konzepte erarbeitet haben, werde man diese vorlegen, auch der FIA.

Stoddart: Regelerstellungs-Prozess fehlt Glaubwürdigkeit!

Konnten die neun Teams außer Ferrari im Januar noch als eine starke Einheit auftreten und die Scuderia somit isolieren, stellt die Teilnahme von Red Bull Racing und Jordan-Midland den von einigen ob der in der F1 unüblichen Einigkeit ohnehin erwarteten Split der Neun dar. Minardi-Boss Paul Stoddart, der zu einer Art inoffiziellem Sprecher der neun Teams wurde, reagierte umgehend - für ihn bleibt alles beim alten - gegenüber Reuters erklärte der Minardi-Boss: "Wenn fünf Hersteller und zwei der ältesten etablierten unabhängigen Teams nicht bei einem Meeting erscheinen, ist das doch eine Botschaft, die klar genug sein sollte."

Das FIA-Statement bezeichnet Stoddart als einen "Versuch, die Mehrheit der Teams, Hersteller und der zwei alteingesessenen Privaten zu unterwandern". Der von der FIA in der Aussendung vorgegebene Prozess einer Reglement-Erstellung "hat keine Glaubwürdigkeit. Er wird erst dann eine Glaubwürdigkeit erhalten, wenn all jene Teams, welche zurzeit an der Formel 1-Weltmeisterschaft teilnehmen, an einem Tisch sitzen und vernünftig über die anstehenden Fragen diskutieren."

Und so hat die FIA heute zwar einen strengen Zeitplan für die Erstellung eines Regelwerks für die Zeit ab 2008 durchgeboxt - die Zukunft der Formel 1 ist aber mehr denn je unklar. Von den der Sitzung ferngebliebenen Automobilherstellern gibt es bislang noch keine Kommentare zu dem heute veröffentlichten Zeitplan - auch was in Paris über den Plan hinaus besprochen wurde und welche Rolle Red Bull und Jordan künftig im Konflikt zwischen FIA/Ferrari und den restlichen Teams einnehmen werden ist nichts bekannt.


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