Formel 1

Rennvorschau San Marino: Zurück in der Heimat

Die Formel 1 ist zurück in Europa und sie bringt einige interessante Fragen aus Übersee mit sich. Wir blicken auf das vierte Saisonrennen in Imola.
von Stephan Heublein

Motorsport-Magazin.com - Überseerennen im traumhaften Australien, im heißen Malaysia und im orientalischen Bahrain sind eine wunderbare Sache und geben der Formel 1 Welt etliche neue Aspekte, doch letztlich gilt auch in der Königsklasse des Motorsports das alte Motto: "Daheim ist es am schönsten!"

Entsprechend freuen sich alle Teams darauf ab dem kommenden Rennwochenende wieder in Europa auf Punktejagd gehen zu dürfen und dabei endlich wieder von den voluminösen Motorhomes Gebrauch machen zu können. Bei noch 16 zu absolvierenden Rennen, könnte man fast behaupten: Die Saison beginnt jetzt erst richtig!

Renault: Fortsetzung der Siegesserie?

Für Renault hat die Saison jedenfalls nahezu perfekt begonnen: Drei Siege, drei Poles, zwei Spitzenpositionen in den WM-Tabellen. Und als ob dies nicht schon genug Parallelen zum letzten Titelgewinner Ferrari wären, haben die Franzosen auch die Tiefstapelei der Scuderia übernommen.

Entsprechend sieht Fernando Alonso Michael Schumacher noch immer als Titelfavoriten an und rechnet der Spanier damit, dass die Konkurrenz bei den kommenden Rennen größere Sprünge machen wird als die Gelb-Blauen. Realistisch betrachtet ist zumindest letzteres durchaus denkbar, allerdings sollten die Mannen von Flavio Briatore auch in Imola als klarer Favorit an den Start gehen.

Toyota: Fortsetzung des Aufwärtstrends?

Nachdem die Weiß-Roten vor Saisonbeginn und auch in Melbourne über einen erhöhten Reifenverschleiß an ihren Hinterreifen geklagt hatten, war dieses Problem in Malaysia und Bahrain wie von Geisterhand verschwunden. Ob die Theorie, dass die große Hitze dem TF105 half die Pneus auf Temperatur zu bringen tatsächlich richtig ist, erfahren wir nun im kühleren europäischen Imola.

Sollten die Japaner auch hier konkurrenzfähig sein und um Podestplätze mitfahren können, dann darf man sie endgültig im Kreis der Spitzenteams begrüßen. Andernfalls steht Mike Gascoyne noch einmal etwas Arbeit ins Haus, bevor er sich des großen Zieles den ersten Sieg zu erringen annehmen kann. Die frühere Unverträglichkeit des Toyota mit den Imola-Kerbs soll hingegen schon jetzt ein neues Aerodynamikpaket beseitigen.

McLaren: Fortsetzung der Pace?

Bei McLaren wird es trotz der zweiwöchigen Tests in Barcelona und Le Castellet zum Beginn der Europasaison keine großartigen Neuerungen geben. Stattdessen bereitet man sich gezielt auf ein neues Aerodynamikpaket für den Spanien GP vor.

Dennoch könnten die Silbernen in San Marino den Sprung nach ganz vorne schaffen, wenn sie - wie bei den Tests zuletzt gezeigt - ihre Probleme auf einer Runde beseitigen konnten. Dann würde dem ersten Saisonsieg oder zumindest einem engen Kampf an der Spitze nichts mehr im Wege stehen.

Williams: Fortsetzung der Entwicklungsschritte?

Bereits vor dem Saisonstart kündigten Frank Williams und Patrick Head an, dass der FW27 während der ersten drei Rennen nicht genügend Downforce besitzen würde um ganz vorne mitmischen zu können. Ab dem Europastart sollte sich dies allerdings ändern.

Nachdem die Weiß-Blauen nun schon zwischen Australien und Bahrain besser als erwartet unterwegs waren, möchten sie diesen Trend natürlich auch in Imola fortsetzen und dort womöglich die Podestplätze angreifen. Ohne überraschende Sprünge am Auto dürften sie - angesichts der starken Konkurrenz - aber wohl nur für Punkteränge gut sein.

Red Bull: Fortsetzung des starken Beginns?

Die ersten drei Rennwochenenden waren für die roten Bullen wie ein beflügelter Traum. Trotzdem konnte man in Bahrain schon erkennen, dass es für die Dunkelblauen immer schwieriger werden dürfte beide Autos so einfach in die Punkte zu bringen, wie dies noch beim Saisonstart in Melbourne gelang.

Mit Vitantonio Liuzzi sitzt zudem ein neuer Stammfahrer im zweiten Cockpit neben David Coulthard. Obwohl der Italiener, der sein GP-Debüt bei seinem Heimrennen geben darf, als Freitagstester zu überzeugen wusste, bleibt zumindest fraglich ob man nicht doch lieber auf den guten Lauf von Christian Klien hätte setzen sollen. Der Österreicher hofft nun auf eine Sondergenehmigung um als Freitagsfahrer antreten zu dürfen.

Ferrari: Ein Ende der Pleiten, Pech und Pannen?

Mit einem endlich ausgetesteten neuen Auto, neuen, ausgiebig getesteten Reifen und jeder Menge Zuversicht reisen die Roten zu ihrem ersten Heimspiel des Jahres ins Autodromo Enzo e Dino Ferrari. Die große Frage bleibt dennoch: Wie konkurrenzfähig und vor allem zuverlässig wird der F2005 in Imola sein? Und: Wie gut werden seine Reifen sein?

Angesichts der kühleren Temperaturen erwarten viele Experten zumindest auf dem Reifensektor eine ausgeglichene Situation zwischen Michelin und Bridgestone, wie man sie bereits in Melbourne erleben konnte. Die Fahrer geben sich derweil unterschiedlich: Während Michael Schumacher davon überzeugt ist, dass Ferrari in Imola wieder angreifen könne, gab sich Rubens Barrichello über die Konkurrenzfähigkeit seines Teams zunächst noch etwas skeptisch.

Sauber: Ein Ende der Probleme?

Bei Sauber dreht sich wieder einmal alles um Jacques Villeneuve. Denn während manche Tageszeitung schon nicht mehr danach fragt ob, sondern nur noch wann und durch wen der Kanadier ersetzt wird, steht für den Ex-Champion zweifelsohne ein entscheidendes Rennen auf dem Programm.

Villeneuves großes Problem ist dabei die fehlende Fahrpraxis mit seinem ungewohnten Arbeitsgerät sowie die allgemeine aerodynamische Schwäche des wenig getesteten C24. Nachdem die letzten Tests in Barcelona wiederum vernichtend verliefen, dürfen von den Hinwilern auch weiterhin keine Wunderdinge erwartet werden.

Jordan: Alles beim alten

Ähnliches gilt auch für Jordan, die aber ohnehin keinerlei Wunder angepeilt haben. Stattdessen gilt es auch in Imola beide Autos ins Ziel zu bringen und dabei so weit wie möglich vorne zu landen. Eine Punkteankunft erscheint unter normalen Bedingungen allerdings als unrealistisch.

Trotzdem kündigte Testfahrer Robert Doornbos an, dass in den kommenden Wochen das zuletzt arg ins Stocken geratene Entwicklungsprogramm der Gelben wieder mehr an Fahrt aufnehmen werde und somit auch Jordan einen Schritt nach vorne unternehmen könne.

B·A·R: Neuanfang in Europa

Bei British American Racing benötigt es mehr als nur einen Schritt, um weiter nach vorne zu gelangen. Nach dem katastrophalen Saisonstart des amtierende Vize-Konstrukteursweltmeisters, der mit null Punkten und null Zielankünften auf dem vorletzten Rang der Teamwertung liegt, stellte das Team mit Gil de Ferran einen neuen Sportdirektor vor und bekannte sich Honda dazu notfalls noch mehr finanzielle Mittel in Richtung Brackley zu pumpen.

Das neue Aerodynamikpaket, welches Jenson Button dank eines leichten Tanks zu einem neuen inoffiziellen Rundenrekord in Barcelona verhalf, rief derweil gemischte Gefühle bei den Fahrern hervor: Während JB davon überzeugt ist, dass man damit wieder angreifen könne, bleibt Takuma Sato vorerst noch skeptisch und rechnet der Japaner nicht mit einem überraschenden Sprung an die Spitze.

Minardi: Der letzte Neue

Nicht nur ein neues Aerodynamikpaket, sondern ein komplett neues Auto bringt das kleine Minardi Team zu seinem Heimrennen mit. Mit diesem PS05 möchte Paul Stoddart nun Jordan attackieren und zumindest hin und wieder aus der letzten Startreihe ausbrechen.

Die beiden Piloten Christijan Albers und Patrick Friesacher wären dazu sicherlich in der Lage, nun muss sich zeigen, ob es das neue Arbeitsgerät aus Faenza, in dessen Heck das gleiche Cosworth-Triebwerk wie bei Red Bull schlagen wird, ebenfalls ist.


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