Formel 1 / Interview

Bewegliches Ziel nasse Strecke - Chester: Für Motor und Aero wird die Luft dünn

Die Höhe, möglicher Regen und der neue Streckenbelag stellen die Ingenieure in Mexiko vor eine Herausforderung, wie Lotus-Technikchef Nick Chester erläutert.

Motorsport-Magazin.com - Was sind die technischen Herausforderungen des Autodromo Hermanos Rodriguez?
Nick Chester: Es gibt einen sehr bemerkenswerten Faktor, was den Austragungsort des Mexiko Grand Prix angeht, und das ist die Höhe. Mexiko City liegt auf mehr als 2.000 Metern Höhe und wird von Bergen umgeben, von denen einige mehr als 5.000 Meter hoch sind. Die Höhe der Strecke bedeutet weniger dichte Luft. Früher machte die Luftdichte bei den Saugmotoren einen ziemlich großen Unterschied bei der Motorleistung, aber Turbomotoren sind aufgrund der erzwungenen Luftzufuhr davon weniger betroffen. Die aktuelle Generation der Formel-1-Autos hat außerdem eine elektrische Leistungszufuhr, wobei die Energierückgewinnung und die folgende Abgabe nicht anfällig sind für Variationen in der Luftdichte. Die Höhe ist allerdings nicht nur für die Motorleistung relevant, sondern man muss auch die Kühlung und die Aerodynamik bedenken. Die weniger dichte Luft erzeugt weniger Abtrieb und Luftwiderstand im Vergleich zur Meereshöhe. Deshalb könnten wir eine knackige Geschwindigkeit auf der Start-Ziel-Geraden sehen. Weniger dichte Luft bedeutet auch, dass man alles nicht so gut kühlen kann wie auf einer niedrigeren Ebene.

Die Höhe ist nicht nur für die Motorleistung relevant, sondern man muss auch die Kühlung und die Aerodynamik bedenken.
Nick Chester

Wie gehen Sie an eine neue Strecke heran?
Nick Chester: Wir bekommen ein gutes Set an Informationen über das Layout, auf Basis dessen wir dann Simulationen erstellen können. Das gibt uns eine Idee für eine Basis beim Setup und Abtriebsniveau. Pirelli analysiert die Streckenoberfläche, was uns eine Vorstellung verschafft, wie viel Energie von der Oberfläche selbst durch die Reifen geschickt wird, sobald Pirelli seine Wahl getroffen hat - an diesem Wochenende einmal mehr Medium und weich. Sobald wir an der Strecke sind, können wir uns selbst einige Dinge ansehen wie die Höhe der Kerbs, bestimmte Bodenwellen, den Sturz und andere Elemente. Sobald wir das alles erledigt haben, liegt es an Pastor und Romain, in ihre Autos zu springen und rauszufahren.

Sollte das Layout dem E23 Hybrid liegen?
Nick Chester: Die Start-Ziel-Gerade hat eine annehmbare Länge, was dem E23 erlauben sollte, seine Beine recht gut zu strecken. Dann gibt es auf dieser relativ kurzen Strecke noch eine gute Mischung verschiedener Kurvenarten. Die Strecke wird wohl nur recht wenig Grip bieten und das gepaart mit weniger Abtrieb aufgrund der Höhe und einer recht konservativen Reifenwahl wird eine Herausforderung bereiten, die Reifen in ihr Temperaturfenster zu bekommen.

Aus neuem Asphalt tritt Öl aus - Foto: Mexican GP

Welche anderen Faktoren sind für dieses Wochenende relevant?
Nick Chester: Es sieht so aus, als gebe es eine gewisse Chance auf erneuten Regen. Das wird die ganze Sache sehr interessant machen, da die Fahrer und Ingenieure sich in der Situation befinden könnten, einen neuen Ort mit dem beweglichen Ziel einer nassen Strecke kennenzulernen. Das Setup für das Auto zu finden ist auf nasser Strecke bestenfalls schmerzhaft, aber auf einer neuen Strecke ist diese Schwierigkeit erhöht. Es ist eine neue Streckenoberfläche, daher erwarten wir, dass sie selbst im Trockenen glatt sein wird. Wenn es dann noch regnet und - wie bei neuen Oberflächen üblich - Öl ausströmt, dann müssen wir die ersten Sessions ziemlich behutsam angehen.

Es ist eine neue Streckenoberfläche, daher erwarten wir, dass sie selbst im Trockenen glatt sein wird.

Bei ein paar Teams ist das im Moment ein Thema: Wie sehen die Überlegungen bezüglich eines Wechsels des Motorenlieferanten aus, wenn man die Entwicklung des nächstjährigen Autos betrachtet?
Nick Chester: Wir haben darin Erfahrung, weil wir für diese Saison den Hersteller gewechselt haben. Es ist eine große Veränderung, aber alle Änderungen für 2016 finden noch unter dem gleichen Reglement statt. Als wir von den V8-Saugmotoren auf die aktuelle V6-Turbo-Konfiguration gewechselt haben, war das ein substanzieller Unterschied. Da das aktuelle Reglement reift, wissen sowohl die Motorenhersteller als auch die Teams mehr darüber, was in punkto Installation, Kühlung und so weiter nötig ist. Sicherlich ist es für jedes Team, das sich spät für einen Motorwechsel entscheidet, ein ziemlich intensiver Zeitrahmen für nächstes Jahr, aber niemand hat je gesagt, dass die Formel 1 einfach wäre.


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