Formel 1

Erst Bindemittel, dann Besen, dann Wasser - Diesel-Gate in Russland: Whiting beruhigt

Diesel-Gate legt nicht nur Volkswagen lahm, sondern auch die Formel 1 in Sochi. Was ist wirklich passiert vor dem ersten Freien Training zum Russland GP?
von Christian Menath

Motorsport-Magazin.com - Formel-1-Fans sind merkwürdige Unterbrechungen oder Verzögerungen gewöhnt: Mal ist es der Smog, der dafür sorgt, dass kein normaler Betrieb möglich ist, mal ist es ein betrunkener Zuschauer. Doch Diesel auf der Strecke, wie beim ersten Freien Training zum Russland GP, gab es bisher noch nicht.

Kein Fahrbetrieb in der ersten halben Stunde - Foto: Sutton

Gut eine halbe Stunde vor dem eigentlichen Beginn zeigten die Monitore im Media Center Streckenpersonal, wie es die Asphaltschicht hektisch säuberte. Als auch schweres Gerät hinzugeholt wurde, gab es auf dem Monitor der Rennleitung schon eine Meldung: FP1 startet voraussichtlich später.

Nächste Meldung: Das erste Freie Training startet 30 Minuten später, eine Zugabe der Trainingszeit ist nicht geplant. Eine halbe Stunde musste die Weltregie zeigen, wie zahlreiche Helfer mit Besen, schwerem Gerät und Feuerwehrschlauch die halbe Strecke säuberten. Genauer gesagt waren die Kurven 9, 10, 11, 12 und 15 vom Diesel-Gate betroffen.

Die offizielle Meldung der Rennleitung lautete: Diesel auf der Strecke. Doch wie kann Diesel auf eine Formel-1-Strecke gelangen? Weder die Formel 1, noch eine Rahmenserie fährt mit Selbstzünder, außerdem sollte das erste Freie Training der Königsklasse der Auftakt des Rennwochenendes in Sochi sein.

Vorfall nicht ungewöhnlich, das Ausmaß schon

"Am Donnerstagabend hat ein Reinigungsfahrzeug Diesel verloren", erklärt FIA Rennleiter Charlie Whiting Motorsport-Magazin.com. "Das ist nichts Besonderes, so etwas passiert öfter, aber in diesem Ausmaß habe ich es noch nicht gesehen."

Das ist nichts Besonderes, so etwas passiert öfter, aber in diesem Ausmaß habe ich es noch nicht gesehen
Charlie Whiting

Die Frage, warum erst unmittelbar vor Trainingsbeginn gereinigt wurde, ist berechtigt. Doch Whiting verteidigt: "Bei Diesel ist es kompliziert. Wir haben erst Bindemittel draufgegeben, das den Diesel aus dem Asphalt zieht. Anschließend musste die Strecke komplett abgekehrt werden."

Allerdings lieferte das noch kein zufriedenstellendes Ergebnis. Anschließend wurde das Bindemittel mit Wasser, das mit Hochdruck aus Feuerwehrschläuchen kam, weggespritzt. "Dafür war zuvor einfach nicht genügend Zeit", sagt Whiting. Also keine Diesel-Reinigung mit Wasser, wie manch einer zunächst vermutete.

Ob die FIA derlei Zwischenfälle in Zukunft verhindern will? "Das liegt nicht in unserer Hand", wiegelt Whiting ab. Vielleicht eine technische Abnahme für Streckenfahrzeuge? Whiting schmunzelnd: "Manchmal benutzen die Strecken nicht unbedingt die neuesten Fahrzeuge..."

Für den Veranstalter war das natürlich ein peinliches Ereignis. Zufällig war zwischen FP1 und FP2 auch noch eine Pressekonferenz mit den Verantwortlichen des Russland GP anberaumt. Da durfte dieses Thema natürlich nicht fehlen. "Der Zwischenfall war nicht irgendwie kritisch, alle Sessions konnten danach wie geplant abgehalten werden. Die Situation wird noch untersucht, aber es ist eine interne Angelegenheit", sagte Promoter Sergey Vorobyev.


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