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Formel 1 / Interview

Ohne Kleber ans Limit - Chester: Nicht mit maximalem Abtrieb in Suzuka

Lotus-Technikchef Nick Chester erläutert das ideale Setup für Suzuka, was auch erklärt, warum die Fahrer die Strecke so lieben.

Motorsport-Magazin.com - Suzuka ist ein sehr individueller Kurs - was sind die Herausforderungen?
Nick Chester: Die Herausforderungen sind die schnellen Kurven. Man kann in Suzuka nicht mit maximalem Abtrieb fahren - da man sonst auf den Geraden etwas zu langsam ist - daher muss man dem Fahrer genug Abtrieb geben, damit er in den schnellen, kurvigen Abschnitten Vertrauen hat. Man darf aber nicht auf den Geraden ihre Flügel beschneiden. Das ist einer der Gründe, warum Suzuka bei den Fahrern so beliebt ist. Die Fahrer können absolut ans Limit gehen, ohne dass das Auto mit maximalem Abtrieb auf der Strecke klebt. Es geht nicht nur darum, Abtrieb zu haben, sondern es geht darum sicherzustellen, dass er auf ausbalancierte Art geliefert wird. Es ist außerdem essentiell, das Aufhängungs-Setup perfekt hinzubekommen. Man muss aus dem Auto allen Grip herausholen, der drin steckt.

Die Fahrer können absolut ans Limit gehen, ohne dass das Auto mit maximalem Abtrieb auf der Strecke klebt.
Nick Chester

Vor welchen Problemen stand das Team in Singapur?
Nick Chester: Stadtkurse können oft spezielle Anforderungen stellen und das ist etwas, das wir in Singapur gesehen haben. Wir wussten, dass es nicht eines der einfachsten Rennen des Jahres für uns werden würde, aber wir mussten wirklich hart arbeiten, um mit dem E23 die bestmögliche Pace zu erreichen. Wir haben es zu Beginn des Wochenendes nicht geschafft, die Reifen rechtzeitig in ihr Arbeitsfenster zu bekommen und hatten auch mit den üblichen Herausforderungen von Stadtkursen zu kämpfen. Romain und seinen Ingenieuren ist es jedoch gelungen, ein paar kleine, positive Änderungen vorzunehmen, um im Qualifying unter die Top-10 zu kommen, was für alle ein Lohn war.

Wie hat sich das Rennen selbst abgespielt?
Nick Chester: Beide Fahrer haben auf der Strecke einen sagenhaften Job gemacht, was immer sehr schön zu sehen ist, auch wenn man letzten Endes nicht das gewünschte Ergebnis einfährt. Aufgrund der Pace des Autos und der Startpositionen mussten wir es mit recht aggressiven Strategien versuchen. Das war vor allem bei Romain der Fall, nachdem er beim Start Positionen verloren hatte. Wir haben seine Stopps vorgezogen, um einen Undercut zu erreichen und Positionen gutzumachen. Leider bedeutete das, dass wir nicht die Chance hatten, während des virtuellen Safety Cars den ersten Boxenstopp schnell abzuhaken. Außerdem war der Reifenabbau bei Romain im letzten Stint schlimmer als befürchtet, was uns in den letzten Runden einiges gekostet hat. Pastor machte beim Start Positionen gut, war aber später durch den Schaden, den er durch Jenson [Button] erlitt, beeinträchtigt. Es war sicherlich ein interessantes Rennen und ein herausforderndes für alle an den Kommandoständen.

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Pastor macht nächstes Jahr mit Lotus weiter. Was bedeutet das für die Vorbereitungen?
Nick Chester: Mit Pastor kann man großartig zusammenarbeiten und man profitiert immer von Kontinuität. Es stimmt, dass aus verschiedenen Gründen Pastors erste Saisons mit dem Team nicht die einfachsten waren. Wir freuen uns darauf, mit ihm in einem Umfeld zu arbeiten, das das Potential hat, sehr viel beständiger zu sein. Wir streben sicherlich an, 2016 in jeder Hinsicht eine stärkere Saison zu erleben.

Erwarten Sie, dass Romain nächstes Jahr wieder sein Teamkollege sein wird?
Nick Chester: Wir wissen, dass Romain seine Entscheidung getroffen hat und wir werden bald alle wissen, was er vorhat.

Der Japan GP ist das zweite Rennen eines Doppelpacks. Wie beeinflusst das die Vorbereitungen?
Nick Chester: Es sorgt für eine arbeitsreiche Woche mit der zusätzlichen Herausforderung, dass die Mannschaft ihre innere Uhr auf die Ortszeit einstellen muss, nachdem sie dagegen in Singapur wegen des Nacht-Zeitplans noch ankämpfen mussten. Zum Glück kann man an beiden Orten relativ einfach arbeiten. Es gibt also keine zusätzlichen Herausforderungen wie etwa in Monaco. Unsere Aufbau-Crew ist sehr versiert im Einpacken und Aufbauen der Garagen und der restlichen Infrastruktur, die wir haben. Aber sie haben mit den direkt aufeinanderfolgenden Rennen sicherlich ein paar hektische Tage.


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